Rezension: Butcher’s Crossing (John Williams)

John Williams - Butcher's Crossing
(Copyright Cover: dtv Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Butchers Crossing“, in dieser Taschenbuchversion bei dtv Literatur am 9. Dezember 2016 für 10,90€ erschienen, stammt aus der Feder des texanischen Autors John Williams, der von 1922 bis 1994 lebte.
Aus dem Englischen wurde es übersetzt von Bernhard Robben.
Erschienen ist es ebenso als eBook für 8,99€ und als Hörbuch auf 7 CDs für 24,99€, jeweils am 1. März 2015.


Es ist das Jahr 1870. Der junge Student Will Andrews kehrt seinem ruhigen Leben an der Universität von Harvard den Rücken, gleich ob dieses sehr erfolgversprechend aussieht und er bereits Jahre investiert hat.
Er spürt, dass es mehr gibt als nur das Studium und eine eingefahrene Existenz zwischen engen Häuserschluchten und so macht er sich auf den Weg nach Kansas. Um genauer zu sein: In den kleinen Ort Butcher’s Crossing, wo er nicht nur die Natur, sondern auch sich selbst zu finden gedenkt.
Butcher’s Crossing ist nicht mehr als eine Ansiedlung von einfachen Arbeitern, Prostituierten und Jägern, die in ihren wenigen Häusern und Zelten leben, aber Will Andrews sieht direkt, dass er etwas gefunden hat.
Er schließt sich einer haarsträubenden Jagd nach Büffeln an, denn die Felle bringen gutes Geld. Leider so gutes Geld, dass die letzten fünf Jahre die Tiere in der Gegend an den Rand des Existenzminimums getrieben haben. So verfolgen die Jäger die Spur einer scheinbar letzten Herde und verfallen in einen Blutrausch, bei dem sie den Rückweg ganz vergessen.
Der Winter schließt sie ein, inmitten der Berge. Und als sie nach Frost und Hunger endlich wieder zurückkehren können, hat sich nicht nur Will verändert, sondern auch Butcher’s Crossing.

„Butcher’s Crossing“ war in diesem Jahr ein Geburtstagsgeschenk. Oder viel mehr: Es war ein Teil davon. Da ich mich von Red Dead Redemption 2 so hab anstecken lassen und ich nach immer mehr guten Werken im Gebiet „Wild West“ gesucht habe – ja selber sogar gerade an einem solchen Roman schreibe – haben sich Roberta und eine weitere Freundin ein Themenpaket ausgedacht. Neben Sheriffstern, Witztasse, Film und Musik, gehörte nun einmal auch dieses Buch dazu.
Die Angst war riesig, wohl bei uns allen drei, denn selten sind solche Bücher wirklich gut geschrieben und nachdem ich das letzte Buch („Tage ohne Ende“) aus der Bibliothek sogar hatte abbrechen müssen, stieg die Furcht natürlich noch an.
Aber: Zu unrecht, wie sich Gott sei Dank herausgestellt hat.

„Butcher’s Crossing“ hat 368 Seiten, viel Charaktertiefe habe ich also weder vom Genre noch von der Dicke des Buches her erwartet und dementsprechend wurde auch geliefert. Was also für mich in diesem Fall kein Kritikpunkt ist, sondern lediglich eine Feststellung.
Die Geschichte war spannend. Zwar konnte ich mit vielen Ansichten natürlich mit meinem moderneren Denken keine Sympathie aufbauen – wie Tiere ans Aussterben heran zu bejagen und vor allem Tiere auch lediglich für die Pelze zu töten und selbst wenn einem das alles egal ist, auch die letzte Herde zu jagen, statt den Bestand für die Zukunft zu bewahren und ihm Zeit zu geben, sich wieder aufzubauen – aber auch das habe ich, selbstredend, nicht erwartet. Wer historische oder historisch angehauchte Romane liest, muss nun einmal damit rechnen und leben, dass alte Ansichten vertreten werden.
Der Spannungsbogen jedenfalls war vorhanden und hat sich, meiner Meinung nach, über die knapp 400 Seiten gehalten. „Butcher’s Crossing“ hätte zwar gut und gerne auch auf mehr Seiten erzählen können, wie Will Andrews sich mit diesem Abenteuer in einen neuen Mann verwandelt hat, doch es ist nicht von Nöten gewesen. Frei nach dem Motto „Kann, muss aber nicht“.
Allem voran hat mich tatsächlich der Schreibstil überzeugt. Er war nicht sehr blumig, sondern, wie es sich gehört, ein wenig kernig. Die Dialoge waren der Schwachpunkt, so wie sie es oft sind, aber auch sie waren gut genug verarbeitet, um nicht wirklich negativ aufzufallen.
Das Buch hat sich beim Lesen nicht sonderlich gezogen, hätte hier und da aber doch noch ein paar Sätze mehr in der Szenerie vertragen können, um nicht ganz so eilig abgehandelt zu wirken. Doch auch hier muss ich betonen: Etwas anderes habe ich durch Genre und Dicke nicht erwartet. Ich versuche es einfach bei meinem eigenen Werk – eine Mischung aus Klischee und Recherche – besser zu machen.


Mein Fazit

Wer nach guten „Wild West“ Büchern sucht, also die, die nicht nur von den langweiligen Klischees bedient sind, nicht nur die, die aussehen wie ein dicker Groschenroman, und nicht nur die, die langatmig und langweilig geschrieben sind, der wird selten fündig. Das Problem kenne nicht nur ich.
Aber „Butcher“s Crossing“ kann ich empfehlen. Zwar gibt es auch hier Einschnitte im Lesevergnügen (Dialoge, oft schnell abgehandelt), aber es gibt nun einmal kein perfektes Buch, allein schon, weil jeder Leser etwas anderes erwartet.
Mir persönlich hat das Abenteuer von Will Andrews viel Spaß gemacht und ich werde „Butcher’s Crossing“ gewiss nochmals lesen.
Charaktertiefe blieb zwar wie erwartet aus, doch der Spannungsbogen war da und der Schreibstil hat seine Schwächen gut überschattet und somit Freude gebracht.
Kaufempfehlung gegeben.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Butcher’s Crossing“ bei Thalia

1 Kommentar zu „Rezension: Butcher’s Crossing (John Williams)“

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