Rezension: Tage ohne Ende (Sebastian Barry)

Sebastian Barry - Tage ohne Ende
(Copyright Cover: Steidl Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Am 28.11.2018 erschien im Steidl Verlag der Kurzroman „Tage ohne Ende“ von Sebastian Barry, der auf rund 256 Seiten die Geschichte von Thomas McNulty und dessen Liebe John Cole erzählt, die geprägt von Hunger, Leid, Verstecken und Krieg war. Die Geschichte spielt im wilden Westen, beginnt kurz vor dem Bürgerkrieg und spannt auch diesen mit ein. Am 01.02.2019 folgte die eBook Version.

Thomas McNulty floh, auf Grund einer Hungerkrise in seiner Heimat, als Kind aus Irland nach Nordamerika, überlebte dort das Fieber, das viele Flüchtlinge heimgesucht hatte, und schlug sich durch die Welt, als er auf John Cole traf und mit diesem letztendlich einen Job als Tanzmädchen in einem Saloon annahm.
Bis sie ungefähr 17 Jahre alt waren, konnten alle diesen Schwindel aufrechterhalten, doch die Pubertät zerstörte ihre Karriere und zwang die beiden Männer, der Armee beizutreten, wenn sie nicht verhungern wollten.
Thomas und John schworen sich, für immer zusammenzubleiben, hielten ihre Liebe zueinander geheim und blieben während der Indianerkriege in der Armee, bis sie sich ein anderes Leben in Boston aufbauten. Mit dabei ihre Adoptivtochter.
Bis der Bürgerkrieg losbrach und die beiden aus ihren bescheidenen Umständen hinausgerissen wurden.

„Tage ohne Ende“ besitzt einen zumeist sehr lockeren, sehr umgangssprachlichen Schreibstil, der hier und da ein wenig blumig wirkt. Es passt zur Geschichte, denn Thomas erzählt einer Biografie gleich, was er erlebt hat, und konzentriert sich dabei weniger auf sich selbst als auf alles um ihn herum.
Ich hatte große Hoffnungen in das Werk von Sebastian Barry gelegt, da gute Westernromane schwer zu finden sind. Ich selber schreibe gerade an einem, bei dem Wahrheit – wie die eigentlich gar nicht so schlechte Stellung der Frau im Westen – mit Fiktion – natürlich muss es zu Schießereien unter Revolverhelden kommen – gemischt werden soll.
Dass „Tage ohne Ende“ auf diese Mischpoke verzichtet und sich stattdessen der wahren Fakten annimmt, finde ich dabei allerdings genauso spannend.
Dennoch ist es eines der wenigen Bücher, die ich abgebrochen habe. Und eines von zweien zurzeit. Bis knapp zur Mitte habe ich mich durchgequält und dann konnte ich nicht mehr.
Das liegt nicht an dem harten Tobak, an all dem Hass und dem Rassismus, den man miterlebt. Die Zeiten damals waren so. Leider, aber sie sind ein Teil der Vergangenheit und somit muss ein historischer Roman nun einmal damit umgehen. Im Gegenteil fand ich diese Aspekte sogar sehr wichtig. Wenn einem übel wird von der Vorstellung, wie es damals unter Menschen zuging, wie viel Hass und Andersartigkeit mäßig verarbeitet wurden, dann schickt das Buch irgendwo die richtige Aussage.

Abgebrochen habe ich es, weil ich weder einen langfristigen Kontakt zu den Figuren aufbauen, noch der Schreibstil in meinen Augen auf Dauer Spaß bereiten konnte.
Außerdem waren die Szenen teils so sehr zusammengestaucht, dass es unübersichtlich wirkte. Vielleicht hätte es diesem Werk gutgetan, es auf mehr Seiten zu spannen, vielleicht auch nicht.

Mein Fazit lautet damit auf jeden Fall

Für 22,00€ bekommt man das Hardcover, für 16,99€ das eBook. Ich habe meine Version aus der Bibliothek und bin froh darum. Ich hatte sehr viel Hoffnung reingesteckt und mich schon dabei gesehen, wie ich dieses Werk irgendwann selbst einmal kaufen werde.
Die Inhaltsangabe hat mich gelockt. Der lockere Schreibstil war am Anfang noch gut zu lesen.
Aber mehr als der Schreibstil an sich hat es mich einfach gestört, dass die Charaktere so unnahbar waren und dass die Szenen zum größten Teil so gestaucht wurden, dass ich mit der Geschichte nicht ausgekommen bin. Leider. Dafür ist mir der Preis dann auch zu hoch.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Tage ohne Ende“ bei Thalia*

1 Kommentar zu „Rezension: Tage ohne Ende (Sebastian Barry)“

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