Interview Runde 2: Kimberley Geyer – Autorin

Willkommen in der zweiten Runde der Interviews. Dieses Mal haben wir die Fragebögen je nach Tätigungsfeld umgestellt. Wenn Du Inspiration beim Ausfüllen brauchst, so stehen Dir eine Menge Autoreninterviews auf dem Blog zur Verfügung.
Behalte im Kopf: Das hier ist Dein Interview und Du darfst jeder Zeit Fragen auslassen!
Was Du allerdings nicht darfst – und da gab es in der letzten Runde teilweise wirklich Probleme mit:

  • Fragen auslassen ist in Ordnung, aber bitte lösche sie nicht aus dem Dokument, sondern lass sie stehen.
  • Verändere nichts an der Formatierung. Also was kursiv ist, bleibt kursiv, was dick ist, bleibt dick etc.
  • Verändere nicht die Reihenfolge der Fragen und bitte sieh möglichst davon ab, Fragen miteinander zu kombinieren!
  • Bitte schick das Interview als .doc oder notfalls als .docx (oder Papyrus) Format ein und nicht als zum Beispiel Apple Format.
  • Schick uns gerne noch Fotos von Dir oder Deinen Werken dazu. Links ebenso (diese speisen wir dann vernünftig mit ein). Bitte gib uns die Copyright-Angaben dazu.
  • Lies es am besten Korrektur, wir werden es nämlich nicht machen 🙂
  1. Fangen wir klassisch an. Möchtest Du uns etwas – oder auch viel – über Dich verraten?
    Wieso schreibst Du? Welche war Deine erste Geschichte? Wie sieht es mit Deinem Alltag aus? Familie, Job, Heimat, Haustiere? Was auch immer Du uns wissen lassen möchtest! Dieser Punkt gibt Dir die Freiheit, über Dich selbst zu erzählen. Immerhin bist Du der interessanteste Charakter in Deiner ganz eigenen Geschichte.

Ich schreibe, weil ich mir schon immer gerne Geschichten ausgedacht habe. Die Fantasie in unseren Köpfen ist so beeindruckend!
Die erste Geschichte, an die ich mich erinnere, trägt den kreativen Titel „Die Geschichte des Kätzchens ohne Familie“. Ich war damals elf Jahre alt und entdeckte die Website „Fanfiktion.de“ für mich. Die Geschichte ist bis heute auf dieser Website und manchmal lese ich sie und muss darüber lachen.

Hauptberuflich bin ich als Programmiererin tätig und gestalte Anwendungen für ein Walzwerks-Unternehmen. Ansonsten ist mein Alltag ziemlich facettenreich: Ich bin viel draußen unterwegs, habe einen Gleitschirm-Schein und kann bei gutem Wetter die Lüfte erobern. Ansonsten bin ich auch im Live Action Role Play (LARP) Bereich tätig und schlüpfe an Wochenenden in andere Rollen, um das Böse zu bekämpfen oder die nächste Taverne unsicher zu machen.
Schon seit frühster Kindheit liebe ich Tiere. Da Hund und Katze für mich zu gewöhnlich waren, habe ich vor drei Jahren zwei Frettchen ein Zuhause geschenkt. Seitdem wuseln sie bei mir rum und versetzen mein Leben in noch mehr Chaos – also ist alles genauso, wie es sein soll.
Das sind auch noch nicht alle Hobbys, aber belassen wir es erstmal dabei.

  1. Was hast Du bereits veröffentlicht? Wo kann man etwas von Dir finden? Verlag, Selbstverlag, gemischt, alles kostenfrei auf Deiner Website? Oder doch auf Seiten wie Fanfiktion?

Seit 2008 habe ich um die 40 Geschichten auf Fanfiktion.de veröffentlicht. Darunter waren allerdings nicht nur Prosa-Geschichten, sondern auch ein paar poetische Werke. Dazwischen habe ich immer mal wieder Versuche gestartet, auch mal ein Buch auf die Beine zu stellen… So richtig hat das dann erst 2019 geklappt, als ich beim NaNoWriMo mein Erstlingswerk „Siegel und Schwert“ geschrieben habe. Das ist übrigens auch das einzige Buch, das es „so richtig“ zu kaufen gibt, allerdings habe ich es selbst (über Amazon) verlegt.

  1. Gibt es Mitautoren? Stell sie ruhig vor! Haben sie auch etwas einzeln veröffentlicht? Du darfst gerne etwas Werbung machen! Wenn nicht, kannst Du es Dir vorstellen oder hattest einmal welche?

Ich habe früher viele „RPGs“ geschrieben, also kleine Geschichten, in denen man zu mindestens zwei Leuten jeweils verschiedene Rollen übernommen und geschrieben hat. Das habe ich früher echt geliebt und hatte auch über fünf Jahre eine ganz tolle „Mitautorin“ bei diesen Werken.
Mittlerweile ist das leider nicht mehr so, aber bei meinen aktuellen Schreibprojekten habe ich immerhin „Mitdenker“, die mir ein paar Tipps oder Denkanstöße liefern. Danke an dieser Stelle an meine großartige Familie, meinen Freund und meine Freunde dafür.

  1. Kennst Du den NaNo? Wenn ja, wie machst Du dort mit? Welche Erfolge hattest Du bereits? Oder siehst Du nur gerne zu, wie wir anderen Autoren uns im Schlamm wälzen? Hast Du noch nie davon gehört?

Ja, den NaNoWriMo verfolge ich seit einigen Jahren. Jedes Jahr habe ich ihn verpasst und mir jedes Mal vorgenommen, im nächsten Jahr daran zu denken. So kam es dann in der Halloween-Nacht 2019 dazu, dass mir der NaNoWriMo tatsächlich rechtzeitig einfiel… Ich habe pünktlich am ersten November angefangen, etwas zu schreiben und daraus ist jetzt tatsächlich ein Buch entstanden. Es ist sogar immer noch der erste Satz im Buch, den ich damals vollkommen planlos hingeschrieben habe. Das war toll!
2020 habe ich in ähnlichem Stil weitergemacht und – immer noch ziemlich planlos – die Fortsetzung vom 2019er Buch geschrieben.
Ich liebe die Motivation während des NaNos. Zugegeben: Ich kann verdammt schnell tippen, aber mir fehlt oftmals die Motivation, mich einfach hinzusetzen und zu schreiben. Während des NaNoWriMo nehme ich mir für den Monat eher die Zeit.

  1. Bist Du in einem Schreibforum aktiv? Warst Du es? Oder hältst Du nichts davon?

Ich bin in keinem Schreibforum aktiv und war es auch nie. Ich glaube, Fanfiktion war auch die einzige Seite, auf der ich mich mal mit anderen Usern über Geschichten ausgetauscht habe. Auf Twitter passiert es auch gelegentlich, aber dort ist man ja durch die Wortanzahl etwas begrenzt.

  1. Welche Art Schreiber bist Du? Plotter? Pantser? Plantser? Oder doch eher etwas anderes?

Ich würde mich als Mischung aus Pantser und Plantser sehen (auch wenn Plantser schon die Mischung von Plotter und Pantser ist). Generell plane ich eigentlich gar nicht, aber irgendwann im Schreibprozess kommt der Moment, in dem ich gerne wüsste, was „am Ende“ passiert. Manchmal schreibe ich dann auch (sobald ich weiß, was am Ende geschehen soll) erst das Ende und arbeite mich dann bis zu dem Punkt vor.
Beim 2020 NaNoWriMo habe ich mir vor jeder Schreibsession eine Haftnotiz beschrieben, auf der dann sowas stand wie: „X geht zu Y, Kampf, Kaffee trinken, Pferd ist weg“. Es waren also ganz vage Notizen, die mir trotzdem geholfen haben. Da es mir die Sprints auf Twitter angetan haben, habe ich die meiste Zeit wirklich ausschließlich getippt und erst danach darüber nachgedacht, was da eigentlich los war. Irgendwie sind meine Bücher mehr Improvisation als alles andere.

  1. Gehörst Du zu den Schreibern, die alles in einem Dokument runter rattern und dann korrigieren oder zu denen, die für jedes Kapitel ein eigenes Dokument haben? Oder wie machst Du das?

Alles ist in einem Dokument, ich speichere dieses Dokument allerdings ständig unter neuen Titeln, die bei Alpha starten und dann immer weiter durch die griechischen Buchstaben gehen. Beim Korrigieren mache ich das genauso. Ich glaube, mein erstes Buch ist bis „EpicTheta“ gekommen. Optik und Ästhetik kommt bei mir erst ganz zum Schluss dran.

  1. Welche Freizeitaktivitäten hast Du, die Dir beim Schreiben helfen? Zum Beispiel Bogenschießen oder Reiten.

Oh, Bogenschießen mache ich tatsächlich… Und Reiten mag ich auch!
Abgesehen davon besuche ich Live Action Role Play (LARP) Veranstaltungen, in denen ich eine bestimmte Rolle in Form eines Improvisationstheaters spiele.
Ich glaube, dass vor allem dadurch auch meine Fantasie angeregt wird und ich mich super in meine Charaktere hineinversetzen kann.
Außerdem recherchiere ich gerne und viel, wenn mich ein Thema interessiert. Das hat schon oft beim Schreiben dazu geführt, dass ich mir einen weiteren Notizzettel mit allen „zu recherchierenden“ Themen schreiben musste.

  1. Welches Genre bedienst Du am Liebsten und weshalb eigentlich?

Ich hab früher wirklich gerne Thriller geschrieben, glaube heutzutage aber, dass mir Fantasy mehr liegt. Zwar hat mein Herz auch schon immer an Fantasie-Welten und ihren Wesen gehangen, aber ich lese tatsächlich viel lieber Thriller.
Mein aktuelles Buchprojekt (Siegel und Schwert) ist im Genre „Urban Fantasy“ angesiedelt, hat aber durchaus auch ein paar religiöse Elemente abbekommen und mir gefällt dieses Genre wirklich gut.
Generell fällt es mir allerdings wirklich schwer, meine Projekte in eine der klassischen Schubladen zu stecken. Ich lasse mich beim Schreiben nicht davon beeinflussen und mache mir auch erst später beim Veröffentlichen Gedanken darum, wozu das Buch jetzt eigentlich gehören könnte.

(Copyright Kimberley Geyer)
  1. Papier, Laptop, Notebook, Notizblock, Sprachmemos, Handy, Tablet, Bleistift, Füller, Kuli, malst Du Portraits oder Karten? Nenn uns Deine kleinen Helferlein. Auch gerne Programme – wie Papyrus! Gerne mit Empfehlungen.

Obwohl ich beruflich Informatiker bin, bin ich beim Schreiben total retro, denn ich liebe Stift und Papier!
Trotzdem erkenne ich die Vorteile der digitalen Programme an und genau deswegen nutze ich für allgemeine Ideen, Charakterzüge und potenzielle Pläne das Microsoft Programm „OneNotes“. Der Vorteil ist, dass sich hier allerlei Dokumente anhängen lassen (Bilder, Grafiken und sogar E-Mails) und ich mir einfach alles so zurecht schieben und kopieren kann, wie es mir gerade passt. Außerdem bietet OneNotes eine Volltextsuche über alle Seiten, Kapitel und Abschnitte, die man innerhalb des Programms erstellt hat. Eine super Sache also für Planungs-Chaoten wie mich.
Ich plane ja keinen Plot, muss mir aber trotzdem die wichtigen Dinge, die meine Charaktere gemacht haben, aufschreiben, um nicht alles zu vergessen.
Wenn mir spontane Ideen kommen, dann nehme ich entweder Sprachmemos auf, schreibe in Notizbücher (ich habe immer eins dabei!) oder nutze die Notizblock-Funktion meines Handys. Die besten Ideen kommen ja sowieso, wenn man nicht mit ihnen rechnet.

Da hatten wir nun die Fragen bezüglich Deiner Selbst. Je mehr Du uns erzählen willst, umso besser. Viele Autoren hatten in der letzten Runde Angst, dass sie viel zu viel geschrieben hätten. Aber das hat dann doch keiner geschafft (keine Herausforderung 😉 ).
Im Gegenteil hatten die meisten, die solche Angst hatten, kein außergewöhnlich langes Interview, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

  1. Man kennt es ja, eigentlich sollte man niemals seine Helden treffen. Manchmal ist es jedoch ganz cool – uns ist das zum Beispiel ein Mal passiert – hast Du schon einmal Deinen (Buch-)Helden getroffen oder würdest Du gerne? Wie ist es gelaufen/ wie würdest Du es Dir vorstellen?

Oh, darüber habe ich früher viele Fanfictions geschrieben lach.
Etwa im Jahre 2010 gab es dazu meine bis dato längste Geschichte auf Fanfiktion.de. Es ging um das Buch „Darren Shan“ (klare Leseempfehlung übrigens an dieser Stelle, aber schaut bitte nicht den Film dazu). Der Hauptcharakter trifft auf einen echt coolen und charismatischen Vampir und ich als junges Mädchen wollte das natürlich auch. So entstand diese Fanfiction, in der ich mich selbst in diese Rolle geschrieben habe. In meiner Fantasie war das großartig und das Schreiben hat mir damals riesigen Spaß gemacht.
Heutzutage sehe ich das etwas anders und ich denke, dass ich die Helden nicht gerne treffen würde, weil es bei Fantasy-Helden ja auch nur eine Rolle wäre, die gespielt wird. Die jeweiligen Schauspieler zu Lieblings-Filmen möchte ich auch nicht unbedingt treffen, weil es mir die Illusion nimmt. Ich mag die Rollen, die sie spielen, aber nicht die Schauspieler für die Person, die sie sind. Das ist ein wichtiger Unterschied, aber das habe ich erst ziemlich spät gelernt.

  1. Wo wir gerade bei Helden sind. Die Charaktere sind unsere (Anti-)Helden und halten uns auf Trab. Wie wichtig ist Dir ihre Tiefe? Oder magst Du es beim Lesen/Schreiben eher, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Zum Beispiel die Reise an sich und all ihre Spannung?

Die Tiefe von Charakteren ist mir sehr wichtig. Tut mir Leid, wenn ich mich wiederhole, aber ich bin in meiner Freizeit ja im Live Action Role Play Bereich unterwegs. Dort erkennt man leider sofort, wenn Charaktere nicht die nötige Tiefe haben. Es macht kaum Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten, weil sie immer eine ähnliche Hintergrundgeschichte haben. Und wenn die arme, gejagte Prinzessin, deren Eltern von Orks getötet wurden und die jetzt alleine durch die Welt streifen muss, plötzlich zur Waffe greift und perfekt ein Duell austragen und gewinnen kann, dann kann ich ihr auf keinen Fall die Geschichte mit der Prinzessin glauben. Es ist auch wichtig, dass die Charaktere eine gewisse Bodenständigkeit bewahren, denn sonst sind sie nicht glaubwürdig (oder wahnsinnig, je nachdem).
Würde in der heutigen Zeit Jemand zu mir kommen und mir sagen „Hi, du bist übrigens die Auserwählte und jetzt los, besieg das Böse!“, dann würde ich mir vorkommen wie in einem schlechten Film und wahrscheinlich die versteckten Kameras suchen. Charaktere müssen realistisch und nachvollziehbar sein, denke ich.
Es ist toll, in einer Geschichte die Entwicklung eines oder mehrerer Charaktere zu beobachten. Trotzdem sind natürlich auch die Spannung und die eigentliche Reise wichtig. Es gehört alles zusammen. Ich denke, die Kunst liegt darin, das gesunde Mittelmaß zu finden.

  1. Wie viel Ärger bringen Dir Deine Figuren? Gehören sie, wie bei uns beim Bambusblatt, zu denen, die sich selbst benennen und Dir ihre Geschichte erzählen oder hast Du alles fest im Griff?

Es kommt ganz drauf an. Wenn ich mich einer Geschichte lang genug widme, dann stecke ich vollkommen im Kopf des Charakters und schreibe einfach nur, was er tun würde. Allerdings braucht das eine gewisse „Kennenlern-Zeit“ zwischen mir und dem Charakter. Manchmal tanzen natürlich auch ein paar Nebencharaktere aus der Reihe und ich lasse sie gewähren, um zu schauen, wohin sie mich führen.
Ich würde niemals einen Charakter biegen, nur, damit er tut, was ich will. Da ich ja sowieso nie wirklich viel plane, passt mir das Eigenleben meiner Charaktere ganz gut in den Kram.

  1. Oben wird es schon halb gefragt, aber: Nutzt Du Zeichnungen für Deine Charaktere? Programme, um sie genau zu erfassen, mit Stammbaum, Aussehen und dergleichen?

Ja, ich zeichne mir Lagepläne, grobe Charakter-Skizzen und auch Blaupausen, sofern die jeweilige Geschichte es verlangt. Gerade bei Gebäuden, die immer und immer wieder auftauchen, finde ich es wichtig zu wissen, wo welcher Raum liegt.

  1. Die Frage gab es bereits beim letzten Mal, doch: Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein, nicht, dass ich wüsste. Ich habe auch noch nie aktiv eine Geschichte abgebrochen. Wenn ich die Lust daran verloren habe, habe ich sie beiseitegelegt. Ich würde zum Beispiel niemals eine Geschichte löschen und manchmal habe ich mich Jahre später nochmal an eine pausierte Geschichte gewagt und geschaut, was sich daraus noch machen lässt.

  1. Wie sieht es mit realen Vorbildern aus?

Unbewusst. Eine ganz lustige Geschichte dazu: In meinem Buch „Siegel und Schwert“ gibt es eine grünhaarige Person. Der Gedanke kam mir einfach so, ich weiß nicht, warum er unbedingt grüne Haare haben sollte, es war einfach so.
Nach Veröffentlichung des Buchs machte mich meine Schwester darauf aufmerksam, dass wir unter unseren Freunden einen jungen Mann haben, der grüne Haare hat und interessanterweise genauso heißt wie die entsprechende Person im Buch. Da hat mein Hirn wohl unterbewusst ein reales Vorbild in meine Vorstellungskraft gemischt.

Ansonsten beeindrucken mich Autoren als reale Vorbilder, beispielsweise Stephen King oder Larry Correia.

  1. Welche ist Deine beste Figur? Beziehungsweise Deine am meisten Geliebte? Und welche ist genau das Gegenteil?

Ich glaube, ich kann die Frage nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich mag ich alle meine Figuren, die sehr unerwartet handeln und einfach ein bisschen außergewöhnlich sind.
Es gibt durchaus auch Charaktere, die ich überhaupt nicht mag und deren Entscheidungen mich dann teilweise nerven. Trotzdem liegt mir was an ihnen, denn sonst hätte ich sie ja nicht erfunden. Die Figuren müssen einander (und mir) zwangsläufig früher oder später das Leben schwer machen, denn das bringt die Geschichte ja voran.
Aber ich kann leider keine konkreten Figuren nennen, tut mir Leid!

  1. Wenn Du ungehorsame Figuren hast, wie würdest Du sie manchmal am liebsten „bestrafen“ (oder machst es im Buch sogar) oder was würdest Du ihnen gerne einmal freundlich ins Gesicht schreien?

Ich habe mal einen Thriller geschrieben, in dem beinahe alle Figuren gefoltert wurden. Eine gewisse Genugtuung ist da, das stimmt schon. Generell akzeptiere ich aber alle Handlungen und Entscheidungen meiner Figuren, auch, wenn sie auf den ersten Blick nicht in meinen „Plan“ passen.

  1. Hast Du schon mal einen Charakter getötet, bei dem Du das eigentlich nicht wolltest? Denkst Du da an Konsequenzen? Oder hat doch mal einer überlebt, der eigentlich seine Zeit hinter sich hatte?

Ja, das passiert mir oft. Manchmal gerate ich beim Schreiben in Szenen, bei denen ich denke „Verdammt, er muss hier jetzt sterben, es gibt keinen anderen Weg“. Das ist natürlich etwas ärgerlich, aber wenn seine Zeit gekommen ist, dann ist es so. Ich nehme da auch bei vermeintlichen Hauptcharakteren keine Rücksicht. Wer sich dumm benimmt, stirbt. Und wenn sie total banal sterben, weil sie etwas falsch gemacht haben, dann ist das so. Ich mag diese Form von Realismus beim Schreiben.

  1. Hat eine traurige Szene in Deinen eigenen Werken Dich wirklich, und nicht nur so dahin gesagt, zu Tränen gerührt, weil die Figuren Dir so am Herzen lagen? Muss auch keine negative Szene sein, vielleicht haben sie sich endlich geküsst oder gar geheiratet? Vielleicht hast Du auch nicht mit ihnen gefühlt, sondern warst einfach nur sehr erleichtert, dass sie es gebacken bekommen haben?

Ja, gemeinsam mit einer Freundin habe ich früher ein Text-Rollenspiel geschrieben. Als das nach etwa fünf Jahren des Schreibens langsam zu Ende ging, mussten die beiden liebsten Hauptcharaktere leider sehr tragisch sterben. Das führte dazu, dass wir uns nach dem Abschicken der letzten Nachricht anriefen und zusammen ausweinen konnten… Das war wirklich krass und wir haben sehr bitterlich geweint!

Dann gehen wir nun einmal in die letzte Etappe!

  1. Als Autor bist Du vermutlich selbst Leser. Beschreibe uns doch gerne Deinen perfekten Leseabend, Lesemorgen oder wie auch immer Du liest. Ist das Notizbuch dabei stets gezückt? Stürzt Du Dich direkt auf jedes neue Werk Deines Lieblingsautors oder bist Du da eher „gildenfrei“ oder entspannt?

Oh, also ein perfekter Leseabend wäre wohl auf einem Haufen weicher Kissen im Bücherturm meines Traumhauses… Da es das aber (noch) nicht gibt, lese ich gerne auf dem Sofa oder auf Decken auf dem Boden. Dazu höre ich instrumentale Fantasy-Musik und trinke Kaffee oder Tee.
Beim Lesen mache ich mir aber keinerlei Gedanken um den Schreibstil, Plot oder ähnliches, sondern lese einfach nur. Ich lese sehr gerne eher unbekannte Bücher, mache aber auch vor Bestseller-Titeln keinen Halt. Das Genre wechselt immer mal, weil ich ungern Bücher vom gleichen Genre hintereinander lese.

  1. Hast Du Dich schon einmal an eine Lesung getraut? Vielleicht ja nicht in einer Buchhandlung, aber eine Wohnzimmerlesung oder über einen Discordserver für Autoren? Das alles kommt ja immer mehr. Oder willst Du – verständlicherweise – niemanden einfach in Deine Wohnung lassen? Traust Du Dich laut vorzulesen?

Ich war fünf Jahre lang in meiner Freizeit als Hobby-Synchronsprecherin tätig und habe dementsprechend kein Problem damit, Texte laut vorzulesen.
Trotzdem habe ich bisher keine Lesung gehalten, spiele aber mit dem Gedanken, meine Bücher selbst zu vertonen und dann als Hörbuch anzubieten.
Lesungen in einer Buchhandlung wären der Traum!

  1. Wo wir gerade bei Mut sind: Hast Du Dich schon einmal etwas getraut zu schreiben, bei dem Du am Ende dennoch da gesessen und Dich für mutig gehalten hast oder dumme Kommentare befürchten musstest?
  1. Frage an (ehemalige) Selfpublisher: Machst Du Deine Cover selber oder leistest Du Dir einen Designer? Wie läuft es bei Dir in die ein oder andere Richtung ab?

Ich gestalte meine Cover selbst. Als ich ein Cover für mein erstes Buch brauchte, wollte ich zuerst einen Designer damit beauftragen. Ich habe mich mit einigen unterhalten und ein paar Ideen gesammelt, allerdings schnell festgestellt, dass keiner mein Buch kennt und nicht weiß, was meine Gedanken dazu sind. Es fiel mir total schwer, ihnen möglichst kurz und knapp zu vermitteln, was ich mir vorstelle und wie das Cover am Ende aussehen soll. Dann habe ich ein bisschen herumexperimentiert und festgestellt, dass ich das Cover tatsächlich einfach selbst gestalten kann. Es gefällt mir ganz gut. Ich mische Fotos mit gezeichneten Elementen beziehungsweise dem Bildbearbeitungsprogramm… So gesehen ist alles von mir: Das Foto, die eingearbeiteten Elemente und auch die anschließende Bearbeitung. Das ist schon ein wirklich gutes Gefühl!

  1. Wie holst Du Dir Rezensenten? Wo findest Du sie? Welche Tipps (auch Blogs, wenn diese die Empfehlungen erlauben) hast Du?

Ich habe das Buch am Anfang vor allem Freunden und Familie gegeben, anschließend aber auch „Fremden“, die ich über Twitter gefunden habe. Die Rezensionen waren ziemlich hilfreich und auch nach Veröffentlichung bekomme ich hier und da ein paar Meinungen, für die ich wirklich dankbar bin.
Mit Tipps kann ich nicht dienen, allerdings empfiehlt es sich, möglichst viele Personen über das Buch lesen zu lassen, weil jeder mit einer anderen Brille darauf schaut.

  1. Wie gehst Du mit Rezensionen, negativ und positiv, um? Welche Tipps oder Anmerkungen hast Du für andere Autoren?

Ich freue mich über Rezensionen jeglicher Art, solange sie hilfreich sind. Wenn mir ein Text nicht gefällt, suche ich den Grund dafür und teile das dem Autor mit. Nur so kann er sich verbessern. Sätze wie: „Das hat mir einfach nicht gefallen“ helfen leider niemandem weiter. Negative Rezensionen haben zunächst immer einen frustrierenden Beigeschmack, aber nur durch Kritik kann man sich verbessern.

  1. Für alle, die schon mal beim Verlag veröffentlicht haben: Wie läuft dieser Prozess ab? Gibt es Tipps von Deiner Seite? Vor allem Geheimtipps und „nicht nur“, dass man es immer weiter versuchen soll? Wie ist das Gefühl, sein Werk in einer Buchhandlung zu sehen?
  1. Auch an die Selfpublisher, wie ist das Gefühl, sein Buch in der Handlung zu sehen? Und wie kommt ihr dorthin? Sprecht ihr zum Beispiel die Händler an?

Ich habe mein Buch bisher noch nicht in der Buchhandlung gesehen. Aber ich muss sagen, dass allein die Tatsache, es nach Veröffentlichung gedruckt in den Händen zu halten schon unglaublich beeindruckend war!
Ich habe mir fest vorgenommen, in einem Buchhandel nachzufragen, ob mein Buch dort bestellt und verkauft werden könnte, aber bisher habe ich mich noch nicht getraut.

  1. Möchtest Du jemanden grüßen? Menschen danken? Ihnen hier eine Spalte zur Verfügung stellen?

Ich danke meiner Familie, meinen Freunden und meinem Freund, weil sie immer an mich geglaubt haben. Vor allem meinem Hobby „LARP“ verdanke ich einen Großteil meiner Kreativität und ich bin überglücklich, dass es die Community gibt!

  1. Wie beim letzten Mal möchten wir Dir hiermit die Möglichkeit geben, Dich anzubringen, Deine Werke anzupreisen, Werbung zu machen. Und/oder ein Schlusswort hinzuzufügen.

Ich muss ehrlich sagen, dass mir mein Roman „Siegel und Schwert“ und seine Fortsetzung „Siegel und Speer“ sehr gut gefallen. Nicht nur das Schreiben hat mir großen Spaß bereitet, sogar auch das Korrekturlesen nach einer gewissen Zeit. Es ist sicher nichts für jeden, aber vielleicht gefällt es ja dem ein oder anderen! Zukünftig sind auch noch mehr Kurzgeschichten auf meiner Webseite geplant.
Vielen Dank für das Interview, die Fragen haben mir großen Spaß gemacht!

(Copyright Kimberley Geyer)

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