Interviewrunde 2: Isabelle Bendig – Autorin

Autorin Isabelle Bendig
(Copyright Isabelle Bendig)

Willkommen in der zweiten Runde der Interviews. Dieses Mal haben wir die Fragebögen je nach Tätigungsfeld umgestellt. Wenn Du Inspiration beim Ausfüllen brauchst, so stehen Dir eine Menge Autoreninterviews auf dem Blog zur Verfügung.
Behalte im Kopf: Das hier ist Dein Interview und Du darfst jeder Zeit Fragen auslassen!
Was Du allerdings nicht darfst – und da gab es in der letzten Runde teilweise wirklich Probleme mit:

  • Fragen auslassen ist in Ordnung, aber bitte lösche sie nicht aus dem Dokument, sondern lass sie stehen.
  • Verändere nichts an der Formatierung. Also was kursiv ist, bleibt kursiv, was dick ist, bleibt dick etc.
  • Verändere nicht die Reihenfolge der Fragen und bitte sieh möglichst davon ab, Fragen miteinander zu kombinieren!
  • Bitte schick das Interview als .doc oder notfalls als .docx (oder Papyrus) Format ein und nicht als zum Beispiel Apple Format.
  • Schick uns gerne noch Fotos von Dir oder Deinen Werken dazu. Links ebenso (diese speisen wir dann vernünftig mit ein). Bitte gib uns die Copyright-Angaben dazu.
  • Lies es am besten Korrektur, wir werden es nämlich nicht machen 🙂
  1. Fangen wir klassisch an. Möchtest Du uns etwas – oder auch viel – über Dich verraten?
    Wieso schreibst Du? Welche war Deine erste Geschichte? Wie sieht es mit Deinem Alltag aus? Familie, Job, Heimat, Haustiere? Was auch immer Du uns wissen lassen möchtest! Dieser Punkt gibt Dir die Freiheit, über Dich selbst zu erzählen. Immerhin bist Du der interessanteste Charakter in Deiner ganz eigenen Geschichte.

Moin zusammen. Mein Namen ist Isabelle, 26 Jahre alt und gebürtige Niedersächsin. Die Lust an Geschichten wurden mir geradezu in die Wiege gelegt, da meine Eltern viel Wert darauf legten mir vorzulesen. Irgendwann habe ich dann selbst zu den Büchern gegriffen. Aus der Leserin wurde eine Schreiberin durch eine schlaflose Nacht in jungen Jahren.
Ich hatte einen Kassettenplayer mit Radio am Bett stehen. In einer Sommernacht konnte ich kein Auge zumachen. Also schaltete ich aus purer Langeweile durch die verschiedenen Radiosender. Purer Zufall führte dazu, dass ich auf einem Regionalsender hängen blieb. Dort wurde gerade ein Autor von Jugensbüchern (ich weiß leider seinen Namen nicht mehr) interviewt. Zwischendurch las er immer wieder Abschnitte aus seinem aktuellen Buch vor. Das war der Moment, in dem ich mir dachte: „Das will ich auch machen!“
Über Fanfiktions fand ich dann als Teenager den Weg zum ersten eigenen Buch. Für meinen Vater schrieb ich damals eine Sciene-Fiktion-Geschichte mit dem schönen Titel „Orks im Weltall“.
Aktuell arbeite ich als Logopädin in einer neurologischen Rehaklinik. Ich leben mit meinem Verlobten (bald Mann) zusammen in einer kleinen Wohnung.

  1. Was hast Du bereits veröffentlicht? Wo kann man etwas von Dir finden? Verlag, Selbstverlag, gemischt, alles kostenfrei auf Deiner Website? Oder doch auf Seiten wie Fanfiktion?

Veröffentlicht habe ich im Selfpublishing drei Bücher: Aus der Asche – Der erste Funke; Aus der Asche – Der letzte Funke und Es lauert unterm Teufelsmoor.
Auf fanfktion.de findet man unter dem User Obscurefighter einige Fanfiktions, die ich früher geschrieben habe.

Aus der Asche Der erste Funke von Isabelle Bendig, Copyright Cover Robyn van Haase
(Copyright Cover Robyn van Haase)
  1. Gibt es Mitautoren? Stell sie ruhig vor! Haben sie auch etwas einzeln veröffentlicht? Du darfst gerne etwas Werbung machen! Wenn nicht, kannst Du es Dir vorstellen oder hattest einmal welche?

Tatsächlich könnte ich es mir vorstellen Mitautor_innen zu haben, allerdings weiß ich nicht, ob jemand mit mir zusammenschreiben will. Ich habe nämlich oft ein Konzept im Kopf und bin dann sehr darauf konzentriert. Aber interessant wäre es mal zu machen.

  1. Kennst Du den NaNo? Wenn ja, wie machst Du dort mit? Welche Erfolge hattest Du bereits? Oder siehst Du nur gerne zu, wie wir anderen Autoren uns im Schlamm wälzen? Hast Du noch nie davon gehört?

Und ob ich den NaNo kennen. Ich habe schon mehrfach mitgemacht und darüber auch einige meiner engsten Freunde bzw. Schreibfreunde gefunden. Ein oder zweimal habe ich sogar gewonnen.
Vor einigen Jahren bin ich einmal zur „Nacht der wilden Worte“ nach Hamburg gefahren, wo ich mit vielen Anderen bis spät in die Nacht am NaNoprojekt geschrieben habe. Das würde ich gerne noch mal machen, wenn ich ehrlich bin.
Es ist eine interessante Erfahrung, allerdings mache ich seit letztem Jahr nicht mehr mit. Mein Anspruch und mein Brotjob lassen sich leider nicht mehr miteinander vereinbaren. Aber ich freue mich auf all die Erlebnisberichten von den Personen, die es dieses Jahr machen.

  1. Bist Du in einem Schreibforum aktiv? Warst Du es? Oder hältst Du nichts davon?

Ich habe mich in einigen angemeldet, war aber nie sehr aktiv und fühlte mich schnell überwältigt von all dem, was andere machen und tun. Was das eigentlich Handwerk des Schreibens angeht, bin ich ein Einzelkämpfer.

  1. Welche Art Schreiber bist Du? Plotter? Pantser? Plantser? Oder doch eher etwas anderes?

Ich würde mich als Plantser bezeichnen. Manches Mal machen ich sehr detaillierte Pläne und Plots, manches Mal schreibe ich aber auch einfach drauf los. Ich glaube, dass ist immer tagesform- und geschichtenabhändig.

  1. Gehörst Du zu den Schreibern, die alles in einem Dokument runter rattern und dann korrigieren oder zu denen, die für jedes Kapitel ein eigenes Dokument haben? Oder wie machst Du das?

Ich schreibe in Scrivener, wo zwar jedes Kapitel sein eigenes Dokument hat, aber alles auf einen Blick sichtbar ist. Trotzdem korrigiere ich ein Projekt erst, wenn alles fertig ist. Es Kapitel für Kapitel zu machen würde mich, glaube ich, zu sehr beim Schreiben blockieren und den Fluss stören.

  1. Welche Freizeitaktivitäten hast Du, die Dir beim Schreiben helfen? Zum Beispiel Bogenschießen oder Reiten.

Ich habe eine Zeitlang historischen Schwertkampf nach italienischer Schule betrieben. Seitdem ich nicht mehr im Verein bin, mache ich es immer noch hin und wieder alleine. Derzeit versuche ich mich am Kickboxen.
Als eher unsportliches Hobby habe ich noch Pen&Paper. Ich meistere selber DSA5 in zwei Runde (eine online und eine RL) und spiele dazu DS5 und HEXXEN1733 (einmal einen halbblinden Maraskaner mit Aggressionsproblemen und eine preußische Adelige, die gerne Leuten ihre Muskete ins Gesicht hält).

  1. Welches Genre bedienst Du am Liebsten und weshalb eigentlich?

Fantasy, ganz klar. Ich kann gar nicht genau sagen warum, es hat mich einfach schon seit Jahren fasziniert. Man hat sehr viele Freiheiten sich auszutoben und kann in verschiedenste Richtungen experimentieren. Außerdem kann man es sehr gut mit verschiedenen anderen Genres kombinieren und erhält so allerlei Subgenres.
Außerdem liebe ich einfach Magie und Drachen.

Aus der Asche Der letzte Funke von Isabelle Bendig, Copyright Cover Robyn van Haase
(Copyright Cover Robyn van Haase)
  1. Papier, Laptop, Notebook, Notizblock, Sprachmemos, Handy, Tablet, Bleistift, Füller, Kuli, malst Du Portraits oder Karten? Nenn uns Deine kleinen Helferlein. Auch gerne Programme – wie Papyrus! Gerne mit Empfehlungen.

Meine Helferlein betrachten ich als Mischung zwischen modern und altmodisch. Ich nutze sowohl den guten alten Stift und das Papier (btw. besitze ich viel zu viele Notizbücher. Aber das ist wohl ein allgemeines Problem von Schreibenden), als auch Computer und Laptop.
Als Programme nutze ich Scrivener. Ich habe bei meinem ersten NaNO einen Rabattcode dafür bekommen und dachte mir „Probieren wir es mal aus“. Tja, seitdem bin davon nicht mehr losgekommen. Es ist in vielen Dingen einfach damit zu arbeiten. Zum Plotten probiere ich gerade Campfire aus. Das ist noch frisch, daher kann ich noch keine direkte Empfehlung aussprechen, aber so viel sei gesagt: Ich habe schon drei neue Projekte damit zu plotten angefangen. Als Letztes wäre da noch Inkarnate zu nennen. Nachdem ich einige Leute auf Twitter gesehen habe, die ihre damit erstellten Karten geteilt habe, wollte ich es auch mal probieren. Und im Moment ist es sehr, sehr gut.

Da hatten wir nun die Fragen bezüglich Deiner Selbst. Je mehr Du uns erzählen willst, umso besser. Viele Autoren hatten in der letzten Runde Angst, dass sie viel zu viel geschrieben hätten. Aber das hat dann doch keiner geschafft (keine Herausforderung 😉 ).
Im Gegenteil hatten die meisten, die solche Angst hatten, kein außergewöhnlich langes Interview, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

  1. Man kennt es ja, eigentlich sollte man niemals seine Helden treffen. Manchmal ist es jedoch ganz cool – uns ist das zum Beispiel ein Mal passiert – hast Du schon einmal Deinen (Buch-)Helden getroffen oder würdest Du gerne? Wie ist es gelaufen/ wie würdest Du es Dir vorstellen?

Getroffen habe ich noch niemanden, leider. Aber ich würde sehr, sehr gerne mal einen Kaffee mit Markus Heitz trinken gehen. Zwar bin ich kein besonders großer Fan seiner Bücher (habe, um ehrlich zu sein, nur „Die Zwerge“ gelesen), aber er wirkt auf mich einfach wie ein Mensch, mit dem man gut Kaffee trinken und über Fantasy reden kann.
Auf internationaler Ebene wäre das Ken Follet. Seine Familiensage habe ich schon mehrfach verschlungen und sie war auch die Inspiration für den Aufbau von meiner Asche-Saga und Nachfolgern. Trotz meines miesen Englisches könnte ich mir ein Gespräch über Tee und selbstgemachte Scones sehr spannend und lustig vorstellen.
Ganz früher hätte ich wohl auch noch J.K. Rowling erwähnt, aber der Frau möchte ich jetzt auf keinen Fall mehr über den Weg laufen.

  1. Wo wir gerade bei Helden sind. Die Charaktere sind unsere (Anti-)Helden und halten uns auf Trab. Wie wichtig ist Dir ihre Tiefe? Oder magst Du es beim Lesen/Schreiben eher, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Zum Beispiel die Reise an sich und all ihre Spannung?

Tiefe ist mir sehr wichtig. Meine Geschichten verstehe ich als Reise der Charakter. Es ist ihre Geschichte und sie sind die wichtigsten Akteure. Das gilt für mich sowohl für Nebencharakter, als auch für die Hauptcharakter.
Sicherlich sind auch Spannung und all das wichtig, aber wenn ich einen Charakter so flach wie Papier habe, bringt mir all das nichts.

  1. Wie viel Ärger bringen Dir Deine Figuren? Gehören sie, wie bei uns beim Bambusblatt, zu denen, die sich selbst benennen und Dir ihre Geschichte erzählen oder hast Du alles fest im Griff?

lacht gequält
Manchmal drohe ich ihnen, dass ich alles in die Tonne kloppe und sie nie mehr ansehe. Sie erzählen mir ihre Geschichte und kommen manches Mal mit interessanten und auch oft unpassenden Enthüllungen über sich nach vorne (Beispiel: Beim Plotten eines Nachfolgers kam einer der Charaktere auf mich und eröffnete mir: „Ich bin btw. im neuen Teil offen trans und meiner neuer Name ist XX“). Es ist manches Mal zu Haareraufen.
Aber ich bin ganz ehrlich, das mag ich auch an ihnen. Sie haben ihren eigenen Kopf und zeigen mir deutlich, wie die Geschichten ablaufen soll. Das hilft mir beim Schreiben. Ich setze mich manches Mal abends, wenn ich nicht schlafen kann, auf meine Bettkante und unterhalten mich mit einem von ihnen (I know, das klingt verrückt), einfach um mehr über den Charakter, seine Beziehungen und seine Rolle in der Geschichte zu erfahren. So ein Gespräch hilft beim Plotten sehr und hält, so habe ich die Erfahrung gemacht, die, sagen wir Alleingänge, der Figuren etwas im Zaun.

  1. Oben wird es schon halb gefragt, aber: Nutzt Du Zeichnungen für Deine Charaktere? Programme, um sie genau zu erfassen, mit Stammbaum, Aussehen und dergleichen?

Was zeichnen angeht bin ich leider vollkommen unbegabt und habe nicht die Geduld es zu lernen. Daher nutze ich gerne den Editor von SIMS4, einfach um ein Bild für das ungefähre Aussehen zu kommen.
Stammbäume erstelle ich in einem tollen Programm namens Ahnenblatt. Das erleichtert mir das Arbeiten mit drei Generation von Charakteren wirklich.

  1. Die Frage gab es bereits beim letzten Mal, doch: Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein, zum Glück noch nicht. Wenn, dann war es etwas beim Plot.
Obwohl ich ehrlich sagen muss, jede abgebrochene Geschichte hat ihren Weg in eine andere gefunden. Ein Beispiel:
„Orks im Weltall“ hat nie den Betastatus verlassen. Es gibt eine von meiner Mutter und mir gebundene Variante mit einem schlecht zusammengephotoshopten Cover von mir, das mein Vater besitzt. Ansonsten habe ich die Geschichte nie weiter verfolgt, weil der Plot mich nicht mehr interessierte. Doch fast alle Hauptcharaktere haben ihren Weg vom All zu „Aus der Asche“ gefunden und agieren dort wieder in leitenden Rollen. Ansonsten haben die beiden Geschichten nichts gemeinsam.

  1. Wie sieht es mit realen Vorbildern aus?

Ich würde lügen, wenn ich sagen, dass jede Figur total individuell ist. Natürlich ziehe ich Inspirationen aus Personen in meinen Leben. Sei es Aussehen oder Charakterzüge, irgendwie fließt mein Umfeld in meine Figuren ein. Allerdings versuche ich diese Einflüsse möglichst zu mischen, damit niemand am Ende das Buch liest und sich denkt „Hey, das bin doch ich.“
Außerdem kommen durch so eine Mischung sehr interessante Figuren heraus.

  1. Welche ist Deine beste Figur? Beziehungsweise Deine am meisten Geliebte? Und welche ist genau das Gegenteil?

Puh, das ist schwer. Fangen wir erstmal mit der Figur an, die ich am meisten ‚hasse‘.
Troja Babel, einer meiner drei Magierbrüder aus „Aus der Asche“ und Nachfolgern. Er ist ein egozentrischer Narzisst, der nur seinen eigenen Vorteil sieht und dafür bereit ist über Leichen zu gehen. Seine Eifersucht auf seine erfolgreicheren Brüder blendet seine Sicht und füttert den Hass in seiner Brust. Dazu verachtet er Frauen zutiefst, besonders wenn diese selbstbestimmt sein wollen. Es ekelt mich teilweise ihn zu schreiben und mich in seinen Kopf zu begeben. Einmal musste ich mich nach einer Szene, in der man viel von seinen Gedanken erfahren hat, kurz abduschen, weil ich mich wirklich schmutzig gefühlt habe.
Nun aber zu meiner liebsten Figur. Da schwanke ich zwischen zwei Frauen. Elisabeth Matthews und Jen Becker.
Elisabeth ist die Anführerin einer Studentenrevolte und sehr direkt. Sie kämpft mit allen Mitteln für Gleichberichtigung und lässt sich wenig sagen. In unserer Wort würde sie wohl bei Friday for Future und anderen Demos vorneweg laufen. Ich mag einfach ihre No fucks given Attitüde, wobei sie trotzdem für ihre Freunde da ist und sich um sie kümmert. Außerdem kann sie Kompromisse eingehen, trotzdem sollte man nie auf ihre schlechte Seite kommen. Ihr Partner ist Assassine und sie weiß, wann sie ihn zu Hilfe rufen muss.
Jen ist das komplette Gegenteil. Durch einen Gendefekt hochgradig intelligent und mit der Macht über Elektrizität ausgestattet zieht sie sich eher zurück und beobachtet. Sie läuft gerne in viel zu großen Hoodies herum und verkriecht sich in der Kapuze. Zwar weiß sie sich durchzusetzen, aber braucht lange, um nach vorne zu treten. Ich nenne sie auch Exposition-Jen, weil ich über sie viel Wissen über die Welt einfließen lassen kann.

  1. Wenn Du ungehorsame Figuren hast, wie würdest Du sie manchmal am liebsten „bestrafen“ (oder machst es im Buch sogar) oder was würdest Du ihnen gerne einmal freundlich ins Gesicht schreien?

Als ich noch Single war, habe ich das mit dem ins Gesicht schreien tatsächlich oft gemacht. Natürlich war niemand da, aber es tat trotzdem gut, einfach mal ein „Du machst mich irre, Stan!“ in den Raum zu brüllen.
Ansonsten bin ich kein Freund vom „bestrafen“ einer Figur, nur weil sie nicht das macht, was man als Schreiber will. Ich gehen dann meistens mit oder verschiebe es auf später. Natürlich gibt es dabei Ideen, die man gut und gerne in die Tonne hauen kann, aber dann sind sie aus dem System raus und man kann sich wieder auf anderen Kram konzentrieren.
Wenn eine Figur gar nicht reinpasst oder nicht reinpassen will, dann schreibe ich sie einfach raus. Kurz und schmerzlos.

  1. Hast Du schon mal einen Charakter getötet, bei dem Du das eigentlich nicht wolltest? Denkst Du da an Konsequenzen? Oder hat doch mal einer überlebt, der eigentlich seine Zeit hinter sich hatte?

Jein. Noch ist die Szene nicht geschrieben, aber ich weiß genau von einer Stelle, an sogar zwei Figuren das Zeitliche segnen werden. Über die Konsequenzen, die auf mich zukommen, bin ich mir durchaus bewusst, aber bereit mich ihnen zu stellen. Es wird einigen Leuten sicherlich nicht gefallen, doch das Leben ist kein Ponyhof und manches Mal sterben gute Leute, wenn sie versuchen die Welt zu ändern.
Überlebt hat aber auch schon jemand. Ich wollte meinen Assassinen und Hobbyhandwerker Stan Jones im zweiten Teil von „Aus der Asche“ tatsächlich sterben lassen. Wenig heroisch in einem Hinterhalt. Aber der Typ wollte nicht sterben. Deswegen habe ich ihn das alles überleben lassen, wenn auch mit noch mehr Handycaps, als er eh schon hat.

  1. Hat eine traurige Szene in Deinen eigenen Werken Dich wirklich, und nicht nur so dahin gesagt, zu Tränen gerührt, weil die Figuren Dir so am Herzen lagen? Muss auch keine negative Szene sein, vielleicht haben sie sich endlich geküsst oder gar geheiratet? Vielleicht hast Du auch nicht mit ihnen gefühlt, sondern warst einfach nur sehr erleichtert, dass sie es gebacken bekommen haben?

Hm, gute Frage. Das Problem ist, ich habe schon viele Szenen nur im Kopf und muss am Gedanken an sie weinen oder schreien, obwohl sie noch gar nicht geschrieben sind.
Aber eine leider sehr negative Szene hat mich das erste Mal beim Schreiben und dann bei jedem Korrekturelesen zum Weinen gebracht: „Aus der Asche – Der letzte Funke“ relativ am Ende. Der Moment, in dem Lucy die Bäckerei ihrer Eltern in Flammen stehen sieht und dort unbedingt rein will, obwohl es Selbstmord wäre. Ihr Freund Pierré hält sie mit aller magischer Kraft auf und beide sehen dabei zu, wie die Bäckerei ausbrennt und alle darin umkommen.
So, entschuldigt mich bitte, ich geh ins Bad und heule mal wieder eine Rude.

Dann gehen wir nun einmal in die letzte Etappe!

  1. Als Autor bist Du vermutlich selbst Leser. Beschreibe uns doch gerne Deinen perfekten Leseabend, Lesemorgen oder wie auch immer Du liest. Ist das Notizbuch dabei stets gezückt? Stürzt Du Dich direkt auf jedes neue Werk Deines Lieblingsautors oder bist Du da eher „gildenfrei“ oder entspannt?

Ich lese ehrlich gesagt nicht mehr viel wie ich gerne würde. Die Zeit und so. Aber wenn ich Zeit habe, nehme ich mir eines meiner Bücher von meinem Stapel noch zu lesender Bücher. Zwar habe ich einige Lieblingsautoren, aber meistens warte ich, bis ich diese auf einer Messe treffen, um mich dort einzudecken und vielleicht die ein oder andere Signatur abzustauben. Es sei denn, es sind besondere Umstände.
Einen perfekten Leseabend oder so etwas habe ich gar nicht. Am liebsten ist mir Ruhe und Zeit zum Lesen. Eine bequeme Unterlage (aka. Bett, Liegestuhl oder Sessel) ist auch noch schön. Der Rest ist optional.

Es lauert unterm Teufelsmoor von Isabelle Bendig, Copyright Cover Robyn van Haase
(Copyright Cover Robyn van Haase)
  1. Hast Du Dich schon einmal an eine Lesung getraut? Vielleicht ja nicht in einer Buchhandlung, aber eine Wohnzimmerlesung oder über einen Discordserver für Autoren? Das alles kommt ja immer mehr. Oder willst Du – verständlicherweise – niemanden einfach in Deine Wohnung lassen? Traust Du Dich laut vorzulesen?

Ich habe tatsächlich zu Beginn der ganze Pandemie einige Livelesungen auf Twitch gemacht. Einfach für mich zu Ablenkungen aufgrund meines Job und meiner Patienten dort und für andere Leute, die sich ablenken wollen.
Vorgelesen hab ich schon immer gerne. Früher für meine jüngeren Cousins und Cousinen, vielleicht irgendwann für meine eigenen Kinder. Ich mag es mich in die Figure zu versetzen und einer Geschichte mehr Leben einzuhauchen.
Eine kurze Lesung habe ich mal im Radio, bei meinem Lokalsender os.radio 104,8 gehalten und hoffentlich kann ich meine erste richtige Lesung nächste Jahr auf der BuchBerlin halten.

  1. Wo wir gerade bei Mut sind: Hast Du Dich schon einmal etwas getraut zu schreiben, bei dem Du am Ende dennoch da gesessen und Dich für mutig gehalten hast oder dumme Kommentare befürchten musstest?

Nein, dafür habe ich nicht den Mut.

  1. Frage an (ehemalige) Selfpublisher: Machst Du Deine Cover selber oder leistest Du Dir einen Designer? Wie läuft es bei Dir in die ein oder andere Richtung ab?

Aufgrund meines mangelnden Talent auf zeichnerischer Ebene arbeite ich für Cover tatsächlich mit Designers zusammen. Das lief bis jetzt immer sehr, sehr gut. Die Person und ich habe gut zusammengearbeitet und ich bin mit jedem Design wirklich zufrieden gewesen. Kommunikation ist dabei der Schlüssel zu einer guten Zusammenarbeit. Das und Verständnis.

  1. Wie holst Du Dir Rezensenten? Wo findest Du sie? Welche Tipps (auch Blogs, wenn diese die Empfehlungen erlauben) hast Du?

Asche (haha) auf mein Haupt, aber bis jetzt habe ich nur einmal eine Anfragemail an einen Rezensenten geschrieben und da merkte man schnell, dass mein Schreibstile nicht passte. Seitdem war ich leider zu down, um wieder welche zu suchen.

  1. Wie gehst Du mit Rezensionen, negativ und positiv, um? Welche Tipps oder Anmerkungen hast Du für andere Autoren?

Natürlich sind negative Rezensionen beschissen, aber wenn sie konstruktiv sind, dann versuche ich nach einiger Zeit Pause die für mich wichtigen Punkte da raus zu ziehen.
Ich finde es wichtig, dass man versucht konstruktive Kritik nicht zu persönlich zu nehmen, auch wenn es schwer fällt. Und wenn die Kritik nicht konstruktiv ist, dann hilft es sich darüber lustig zu machen oder sich eine Antwort zu überlegen, auch wenn man sie nicht veröffentlicht. Das nimmt das bittere dort hinaus.

  1. Für alle, die schon mal beim Verlag veröffentlicht haben: Wie läuft dieser Prozess ab? Gibt es Tipps von Deiner Seite? Vor allem Geheimtipps und „nicht nur“, dass man es immer weiter versuchen soll? Wie ist das Gefühl, sein Werk in einer Buchhandlung zu sehen?
  1. Auch an die Selfpublisher, wie ist das Gefühl, sein Buch in der Handlung zu sehen? Und wie kommt ihr dorthin? Sprecht ihr zum Beispiel die Händler an?
  1. Möchtest Du jemanden grüßen? Menschen danken? Ihnen hier eine Spalte zur Verfügung stellen?

Ich danke vor allem meinen Schreibfreunde, insbesondere dem Sebastian (lest seine Bücher, sie sind sehr, sehr gut). Stundenlange Autofahrten zu Messen sind wesentlich entspannter, wenn man mit jemanden plotten und brainstormen kann. Wir zwei müssen dringend wieder Cocktails trinken gehen.

  1. Wie beim letzten Mal möchten wir Dir hiermit die Möglichkeit geben, Dich anzubringen, Deine Werke anzupreisen, Werbung zu machen. Und/oder ein Schlusswort hinzuzufügen.

Springt auf einen Tisch und holt ein Megafon heraus
KAUFT MEINEN KRAM!
Nein, im Ernst, es würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmen würdet und einen (oder mehrere) Blicke in eines meiner Bücher werft. Vor allem „Aus der Asche“ ist mein Herzensprojekt und ich möchte, dass mehr Menschen sehen, dass Fantasy auch anders geht als bekannt.
In dem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und Verstehen. Genießt euer nächstes Buch. Unterstützt kleine Verlage und Selfpublisher. Mögen die Macht mit euch sein.
Ach ja, und tragt eure Masken ;).


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