Interviewrunde 2: Stella Delaney – Autorin

Autorin Stella Delaney
(Copyright Stella Delaney)

Willkommen in der zweiten Runde der Interviews. Dieses Mal haben wir die Fragebögen je nach Tätigungsfeld umgestellt. Wenn Du Inspiration beim Ausfüllen brauchst, so stehen Dir eine Menge Autoreninterviews auf dem Blog zur Verfügung.
Behalte im Kopf: Das hier ist Dein Interview und Du darfst jeder Zeit Fragen auslassen!
Was Du allerdings nicht darfst – und da gab es in der letzten Runde teilweise wirklich Probleme mit:

  • Fragen auslassen ist in Ordnung, aber bitte lösche sie nicht aus dem Dokument, sondern lass sie stehen.
  • Verändere nichts an der Formatierung. Also was kursiv ist, bleibt kursiv, was dick ist, bleibt dick etc.
  • Verändere nicht die Reihenfolge der Fragen und bitte sieh möglichst davon ab, Fragen miteinander zu kombinieren!
  • Bitte schick das Interview als .doc oder notfalls als .docx (oder Papyrus) Format ein und nicht als zum Beispiel Apple Format.
  • Schick uns gerne noch Fotos von Dir oder Deinen Werken dazu. Links ebenso (diese speisen wir dann vernünftig mit ein). Bitte gib uns die Copyright-Angaben dazu.
  • Lies es am besten Korrektur, wir werden es nämlich nicht machen 🙂

Stella Delaney ist hier zu finden:

Website
Facebook
Twitter
Email: stella.delaney@outlook.com

  1. Fangen wir klassisch an. Möchtest Du uns etwas – oder auch viel – über Dich verraten?
    Wieso schreibst Du? Welche war Deine erste Geschichte? Wie sieht es mit Deinem Alltag aus? Familie, Job, Heimat, Haustiere? Was auch immer Du uns wissen lassen möchtest! Dieser Punkt gibt Dir die Freiheit, über Dich selbst zu erzählen. Immerhin bist Du der interessanteste Charakter in Deiner ganz eigenen Geschichte.

Hallo, ich bin Stella Delaney, Autorin, Geschichtenerzählerin und Katzenmama aus Winterthur.
Aufgewachsen bin ich in einem beschaulichen kleinen Dorf im fränkischen Weinland, lebe aber nach einem längeren Zwischenstopp in England bereits seit einigen Jahren in der Schweiz, derzeit zusammen mit meinen beiden Katzen Jules und Mathilda. Um den täglichen Bedarf an Katzenfutter, Kaffee, Tee und Süssigkeiten zu bestreiten, arbeite ich als Lehrerin für Englisch und Allgemeinbildung an einer Berufsfachschule. Zuvor habe ich mein Studium der Anglistik/Germanistik mit Jobs wie Kindermädchen, Kellnerin, Kinoangestellte und Leiterin von Deutschkursen finanziert, und nebenbei Erfahrung als Märchenerzählerin, freie Journalistin, Übersetzerin und Buchkritikerin gesammelt.
In meiner Freizeit bin ich leidenschaftliche Leserin, schaue gerne spannende Filme oder treffe mich mit Freund*innen zum Quatschen und Kaffee-/Teetrinken (zur Not auch am Telefon oder via Skype). Daneben liebe ich Ausflüge in die Natur und Reisen nach Großbritannien – London und Edinburgh sind zwei meiner absoluten Lieblingsstädte.
Als Autorin bewege ich mich im Bereich Dystopie, Fantasy, Mystery, Suspense und Krimi, meist kombiniert mit (Queer) Romance Elementen.
Meine Kurzgeschichtensammlung „Staub und Regenbogensplitter“ wurde 2018 mit dem Skoutz Award ausgezeichnet, mein Kurzroman „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“ stand 2019 auf der Shortlist für den SERAPH Phantastikpreis.
Meine bis heute ungebrochene Liebe zu Geschichten begann schon sehr früh – genauer gesagt, bevor ich selbst lesen konnte. Mit drei Jahren besaß ich bereits eine umfangreiche Bibliothek, darunter ein ganzes Regal voll mit den bekannten Pixi-Büchern. Von diesen musste meine Mutter jeden Abend mindestens eines vorlesen, und wenn ich zielgerichtet die längeren Geschichten auswählte und sie aus Müdigkeit versuchte zu kürzen, bemerkte ich dies jedes Mal und forderte sie zum ‚Richtiglesen‘ auf.
Sobald ich dann selbst lesen konnte, folgte bald der Schritt vom Geschichtenhören zum Geschichtenerzählen. Die erste Zuhörerin war meine jüngere Schwester, gefolgt von Freundinnen und Klassenkameradinnen. Später besuchte ich neben meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Gemeindebibliothek auch oft die örtliche Schule und den Kindergarten, um Märchen und Geschichten zu erzählen.
Erzählen? Genau, denn anfangs beschränkte ich mich auf das Nacherzählen oder Variieren existierender Werke, aber wenn man den Kopf immer voller Geschichten hat, machen sich diese natürlich auch irgendwann selbstständig. Bereits mit zehn Jahren fing ich an, Schreibhefte zu füllen – meine ersten eigenen Bücher im Selbstverlag, sozusagen. Allerdings ließen die Auflage- und Leserzahlen doch sehr zu wünschen übrig 😉
Mit dreizehn Jahren erfolgte dann ein weiterer Durchbruch. Im Skilager der Schule erzählte ich meiner damals besten Freundin eine selbsterfundene Geschichte, die ihr so gut gefiel, dass sie eine schriftliche Version forderte. Und da man den Wunsch eines Fans schlecht abschlagen kann, machte ich mich an die Arbeit; zunächst mit einer alten Schreibmaschine, dann mit dem Computer meines Vaters. Zufällig hörte meine Mutter zur gleichen Zeit von einem Landkreisliteraturwettbewerb für Jugendliche, bei dem ich diesen ersten Roman dann auch einreichte. Stolze 164 Seiten, das längste Werk im Wettbewerb. Und die erste öffentliche Anerkennung.
Die Preisverleihung war dann auch der Moment, in dem ich endgültig das Schreiben für mich entdeckte. Ob für die Schülerzeitung, als freie Mitarbeiterin der Lokalpresse, in der Facharbeit („Die Figur des schottischen Volkshelden Rob Roy in Literatur und Realität”), während des Studiums (Anglistik/Germanistik; Schwerpunkt Gothic Literature; Masterarbeit über die Autorenfiguren in Romanen von Stephen King), als Kritikerin für neuerschienene Bücher bei einem Online-Magazine – die unterschiedlichsten Geschichten standen für mich immer im Mittelpunkt. Und das ist bis heute so.

  1. Was hast Du bereits veröffentlicht? Wo kann man etwas von Dir finden? Verlag, Selbstverlag, gemischt, alles kostenfrei auf Deiner Website? Oder doch auf Seiten wie Fanfiktion?

Fanfiction? Könnt ihr Gedanken lesen?
Ich habe meine Autorenkarriere in der Tat auf fanfiction.net begonnen und am Anfang ausschließlich auf Englisch geschrieben. Auch meine ersten Kurzgeschichten, die man online lesen konnte – auf Livejournal und DeviantArt – waren noch in dieser Sprache verfasst.
Als ich dann irgendwann begann, wieder auf Deutsch zu schreiben, fielen mir lange Texte zunächst richtig schwer. Doch da ich schon immer fasziniert von Kurzgeschichten war und im Studium unter anderem die Gesamtwerke von Edgar Allan Poe und Stephen King als Schwerpunkte gesetzt hatte, wandte ich mich einfach kürzen Texten zu und veröffentlichte zunächst in Anthologien und Kurzkrimisammlungen, gemeinsam mit anderen Autor*innen.
Doch 2017 wuchs der Wunsch nach einem Roman, und als persönlichen Abschluss meiner Kurzgeschichtenphase fasste ich 13 meiner Geschichten in einem Buch zusammen – „Staub und Regenbogensplitter“, meine erste eigene SP Veröffentlichung.
Längenmäßig arbeitete ich mich seitdem langsam vorwärts. 2018 folgte ein dystopischer Kurzroman, „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“, wieder im SP.
Im letzten Jahr war es bei mir eher ruhig. Neben der Arbeit an einem weiteren dystopischen Roman veröffentlichte ich mein bisher kürzestes Werk. „Sommerfrost“ enthält drei Kurzkrimis, umfasst ca. 60 Seiten und ist regulär nur als E-Book erhältlich (oder als Spezialprint an Messen).
Derzeit arbeite ich an verschiedenen längeren Romanprojekten und würde mir wünschen, eins davon bei einem Verlag unterbringen zu können – einfach um auch diese Seite des Autor*innenlebens einmal kennenzulernen. Ansonsten fühle ich mich aber auch mit der Freiheit einer Selfpublisherin sehr wohl.

Das Leuchten am Rande des Abgrunds von Stella Delaney. Cover von Rica Aitzetmüller (Cover & Books)
(Copyright Rica Aitzetmüller (Cover & Books))
  1. Gibt es Mitautoren? Stell sie ruhig vor! Haben sie auch etwas einzeln veröffentlicht? Du darfst gerne etwas Werbung machen! Wenn nicht, kannst Du es Dir vorstellen oder hattest einmal welche?

Super! Da möchte ich gerne meine beste Freundin und liebste Autorenkollegin Mika M. Krüger vorstellen.
Sie schreibt wie ich im Bereich Mystery und Dystopie, aber auch Horror – wofür ich sie sehr bewundere. Ich persönlich liebe gut gemachten Horror, aber fürs Schreiben fehlt mir in diesem Bereich jedes Talent …
Besonders ans Herz legen möchte ich Mystery-begeisterten Lesern ihren neuesten Roman „Goldrote Finsternis“. Düstere Geheimnisse, dunkle Rätsel und ein schwarzes Eichhörnchen – ist das nichts?
Besucher der Buch Berlin kennen uns bereits im Doppelpack, weil wir dort seit 2017 jedes Jahr einen gemeinsamen Stand hatten. Nach der Absage für 2020 hoffen wir, das wir dies 2021 wiederholen können.
Daneben waren wir schon gemeinsam in zwei Kurzkrimibänden vertreten, allerdings jede mit einer eigene Geschichte. Irgendwann haben wir festgestellt, dass unsere Dystopien in derselben Welt spielen könnten – und deswegen gibt es auch kleine Hinweise in unseren jeweiligen Büchern, die von meiner Seite in Zukunft noch ausgebaut werden.
Für ein gemeinsames Projekt wäre ich jederzeit zu haben, da Mika eine der wenigen Personen ist, der ich blind vertrauen könnte. (Also, Mika, wenn du das liest – wann fangen wir an?)

  1. Kennst Du den NaNo? Wenn ja, wie machst Du dort mit? Welche Erfolge hattest Du bereits? Oder siehst Du nur gerne zu, wie wir anderen Autoren uns im Schlamm wälzen? Hast Du noch nie davon gehört?

Wer kennt ihn nicht? (Ernsthaft – im November gibt es ja in der Autor*innen Community kein Entkommen, im guten wie im schlechten Sinne.)
Zum NaNoWriMo habe ich eine sehr spezielle, sehr persönliche Verbindung. Die Teilnahme wird ja oft mit dem Erlegen eines Drachen verglichen – oder zumindest mit dem Versuch, dies zu tun. Für mich war es im November 2015 genau das; nur, dass der Drache nicht aus 50 000 Wörtern bestand, oder aus der Herausforderung an sich. Der zu besiegende Drachen war etwas in mir selbst.
Davor gab es eine Zeit, in der es mir leicht fiel zu schreiben. Stundenlang sass ich an neuen Kapiteln meiner Geschichte – damals noch Fanfiction – und freute mich über das Feedback meiner Leser*innen. Aber dann passierten mehrere für mich sehr verletztende Dinge, und ich war lange nicht in der Lage, diese und das Schreiben zu trennen. Am Ende musste ich sogar eine unfertige Geschichte aufgeben, und das machte alles nur noch schlimmer.
Von da an kämpfte ich jedes Mal, wenn ich schreiben wollte, mit schlechten Erinnerungen und mit dem Gefühl von Schuld und Unfähigkeit. Mein ‘innerer Kritiker’ wurde stärker und stärker. Ich war schon immer Perfektionistin gewesen, aber das war weit mehr als Perfektionismus.
Ich schrieb immer noch. Ich plottete immer noch. Aber ich plottete ewig, war nie zufrieden und nie in der Lage, die Ergebnisse in eine Geschichte zu verwandeln. Ich brachte es fertig, an vier Projekten zu arbeiten, die mir alle sehr viel bedeuteten. Ich wollte jedes einzelne davon wirklich schreiben. Doch ich bekam es einfach nicht hin.
Und dann, im Oktober 2015, wurde ich an den NaNoWriMo erinnert. Ich hatte schon so viel davon gehört und seit Jahren geplant, einmal selbst teilzunehmen, aber es war jeden November etwas dazwischen gekommen. Diesen November hätte ich zum ersten Mal Zeit. Aber machte es mit meinem “Schreibtrauma” überhaupt Sinn, es auch nur zu versuchen?
Ich entschied, dass ich nichts zu verlieren hatte. Dieser erste November würde die Entscheidung bringen. Entweder ich würde es schaffen, zum Schreiben zurückzufinden, oder ich würde scheitern. Und ich gebe zu, dass ich ziemlich Angst hatte.
Am Ende war niemand war überraschter als ich, dass ich tatsächlich die Ziellinie erreichte – und das sogar mit mehr als 50 000 Wörtern. Noch dazu habe ich in diesem ersten NaNo Mika M. Krüger kennengerlernt, mit der mich inzwischen nicht nur eine tolle Autorenbeziehung, sondern eine richtig tiefe Freundschaft verbindet. Sieg auf ganzer Linie, würde ich sagen.

  1. Bist Du in einem Schreibforum aktiv? Warst Du es? Oder hältst Du nichts davon?

In einem Forum nicht, aber ich war jahrelang sehr aktiv auf Fanfiction.net und in verschiedenen Gruppen auf Livejournal. Dann organisierte ich eine Schreibgruppe auf Facebook mit und moderierte dafür regelmäßig Schreibabende. Inzwischen leite ich auf Facebook noch den Recherchepool für Autoren und bin aktives Mitglied im Nornennetz, einem Netzwerk für deutschsprachige Autor:innen der Fantastik.
Ich verbinde mich gerne mit anderen „Buchmenschen“ und liebe den gemeinsamen Austausch; aber ich muss immer aufpassen, dass ich mich damit nicht übernehme und noch genug Zeit für meine eigenen Projekte finde. Denn ironischerweise halten mich Schreibgruppen sehr stark vom eigenen Schreiben ab.

  1. Welche Art Schreiber bist Du? Plotter? Pantser? Plantser? Oder doch eher etwas anderes?

Plantser – ganz klar. Ich bewege ich mich da ziemlich genau in der Mitte, geordnetes Chaos, sozusagen.
Wie viele Autoren habe meine ganz eigene Methode: am Anfang steht natürlich das Planen und Plotten, denn brauche ich unbedingt ein gutes Gerüst, auf das ich aufbauen kann. Ich muss sehen, dass meine Geschichte aufgeht; dass sie einen interessanten Anfang hat, ein passendes Ende, sowie viel Spannung und Drama dazwischen. Den groben Aufbau – eine Art „Ablaufplan“ der wichtigsten Szenen – erstelle ich erst mit Hilfe von Karteikarten, die ich auf dem Boden ausbreite und nach Bedarf hin- und herschiebe, dann am Computer in Form von Tabellen und Dateien. Außerdem recherchiere ich – falls nötig – wichtige Grundlagen, damit ich nicht nachher feststellen muss, dass der geplante Plot so gar nicht funktioniert.
Als glühende Perfektionistin liebe ich diese Bauphase und verliere mich schon mal in Namenslisten, Bildersuchen und beim Durchklicken vielversprechender Links. Daher muss ich dann irgendwann den Schritt machen und drauflos schreiben, sonst verzettele ich mich und plane ewig weiter.
Beim Schreiben ist mir dann das erstellte Gerüst eine Orientierungshilfe, aber niemals ein absoluter, unumstößlicher Fahrplan. Denn plötzlich beginnt sich einiges zu formen und zu verändern. Szenen kommen hinzu oder werden gestrichen, Figuren entwickeln ein Eigenleben. Wenn mich die Geschichte einmal so richtig gepackt hat, dann lässt sie mich nicht mehr los. Mir kommen dann unter der Dusche oder im Bus auf dem Weg zur Arbeit neue Ideen, oder ich springe kurz vor dem Einschlafen nochmals aus dem Bett, um einen Plot-Twist oder ein lange gesuchtes Detail zu notieren. So geordnet mein System am Anfang gewirkt haben mag, jetzt ist es eher „ein bisschen hier, ein bisschen da“ – das Ganze entsteht erst nach und nach.
Daher gehe ich beim Schreiben zwar grundsätzlich chronologisch vor, aber es kann sein, dass ich eine aktuelle Szene überspringe, wenn ich so gar nicht weiterkomme (mit Notizen wie: „Schlägerei einfügen“ oder „hier passiert dann etwas ganz Schlimmes“). Oder ich habe eine spätere Szene so deutlich und lebendig vor Augen, dass ich sie einfach sofort schreiben muss.
Wie gesagt, bei mir ist Schreiben ein kreatives, dynamisches Chaos – aber innerhalb gewisser Grenzen.

Staub und Regenbogen Splitter von Stella Delaney, Cover von Rica Aitzetmüller (Cover & Books)
(Copyright Rica Aitzetmüller (Cover & Books))
  1. Gehörst Du zu den Schreibern, die alles in einem Dokument runter rattern und dann korrigieren oder zu denen, die für jedes Kapitel ein eigenes Dokument haben? Oder wie machst Du das?

(ausgelassen)

  1. Welche Freizeitaktivitäten hast Du, die Dir beim Schreiben helfen? Zum Beispiel Bogenschießen oder Reiten.

Ich bewundere Autor*innen, die hier tolle Hobbies nennen können – z.B. Bogenschießen oder Fechten. Leider kann ich nichts dergleichen vorweisen, zumindest im Moment nicht. Früher habe ich jahrelang Theater gespielt und war in einer Paper&Pen Rollenspielgruppe – was sicher auch hilfreich war, vor allem für das Verfassen von Dialogen oder das Jonglieren mit Erzählperspektiven.
Wenn ich mit einer Geschichte total festhänge und gar nichts mehr geht – nicht einmal Musik, was sonst mein Geheimtipp für absolute Schreibblockaden ist – dann gehe ich gerne raus in die Natur. Ein Spaziergang im Wald oder am Fluss entlang wirkt Wunder – und ich habe das Glück, dass ich dafür an bester Lage wohne. Noch inspirierender sind Spaziergänge am Meer – bei jedem Wetter mein absoluter Geheimtipp. Leider muss ich dafür im Moment bis zum nächsten Englandurlaub warten.

  1. Welches Genre bedienst Du am Liebsten und weshalb eigentlich?

Eigentlich schreibe ich am liebsten das, was ich gerne lese. Spannungsliteratur, das, was sich im Englischen gut mit dem Begriff „Mystery“ zusammenfassen lässt. Es vereint alles, bei dem die Lösung eines Rätsels im Mittelpunkt steht – vom klassischen Krimi über psychologische Dramen und düstere Familiengeschichten bis zu geheimnisvoller oder dunkler Fantasy.
Zu weit gefasst? Okay. Sollte ich mich auf ein Genre festlegen, das mir besonders am Herzen liegt, dann wäre dies ganz klar die Dystopie. Schon lange bevor Young Adult Serien wie „Die Tribute von Panem“, „Divergent“ oder „Maze Runner“ große Erfolge feierten, bewunderte ich Romane wie „The Long Walk“ („Todesmarsch“) von Stephen King und „Handmaid’s Tale“ („Die Geschichte der Magd“) von Margaret Atwood.
Dystopische Geschichten geben uns die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen, konfrontieren uns mit spannenden, berührenden Schicksalen, mit „Was wäre wenn?“ oder „Hätte man das verhindern können?“. Viele dieser Begegnungen und Fragen begleiten uns noch lange über das Lesen hinaus und bringen uns dazu, uns selbst zu hinterfragen. Gerade in der heutigen Zeit – die mich als Autorin von Dystopien sehr oft glauben lässt, die Wirklichkeit hätte meine Phantasie längst eingeholt, wenn nicht gar überholt – ist das wichtiger denn je.

  1. Papier, Laptop, Notebook, Notizblock, Sprachmemos, Handy, Tablet, Bleistift, Füller, Kuli, malst Du Portraits oder Karten? Nenn uns Deine kleinen Helferlein. Auch gerne Programme – wie Papyrus! Gerne mit Empfehlungen.

Ganz zu Anfang arbeite ich wie gesagt gerne mit Karteikarten aus Papier, die ich nach Belieben herumschieben kann. Die Rohfassung eines Textes erstelle ich dann mit Scrivener, da mit vor allem die Möglichkeit wichtig ist, mit einzelnen Szenen zu arbeiten, diese direkt auszuwählen, labeln, bearbeiten und verschieben zu können. Ich weiß, dass dies auch mit Word oder mit anderen Programmen wie Papyrus ginge, aber ich bin ein Fan von „einfach, aber effektiv“.
Im Moment versuche ich trotzdem, mich auch in Papyrus einzuarbeiten, und kann mir gut vorstellen, dass ich eine der Autorinnen werde, die in Scrivener die Rohfassung erstellen und dann mit Papyrus überarbeiten – denn dort liegen eindeutig sie Stärken dieser beiden Programme.
Daneben liebe ich Notizbücher, und um meine stolze Sammlung zu dezimieren, habe ich für jedes Projekt ein eigenes. Das ist praktisch, wenn einem kurz vor dem Einschlafen noch Ideen oder Lösungen für Plot Löcher einfallen, und man schnell aus dem Bett springt um im Halbschlaf Notizen zu machen. Denn bis der Computer hochgefahren ist, dauert es eindeutig zu lange.

Da hatten wir nun die Fragen bezüglich Deiner Selbst. Je mehr Du uns erzählen willst, umso besser. Viele Autoren hatten in der letzten Runde Angst, dass sie viel zu viel geschrieben hätten. Aber das hat dann doch keiner geschafft (keine Herausforderung 😉 ).
Im Gegenteil hatten die meisten, die solche Angst hatten, kein außergewöhnlich langes Interview, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

  1. Man kennt es ja, eigentlich sollte man niemals seine Helden treffen. Manchmal ist es jedoch ganz cool – uns ist das zum Beispiel ein Mal passiert – hast Du schon einmal Deinen (Buch-)Helden getroffen oder würdest Du gerne? Wie ist es gelaufen/ wie würdest Du es Dir vorstellen?

Also die Aussage, dass man seine Held*innen niemals treffen sollte, kann ich so gar nicht unterschreiben. Es gibt nichts Spannenderes als jemandem, den man bis jetzt nur durch Bücher, Blogartikel oder Online Kontakte kannte, zum ersten Mal zu begegnen. Wie man an meiner Begeisterung merkt, habe ich dabei bisher nur gute Erfahrungen gemacht; was vielleicht auch daran liegt, dass ich die schlechten erfolgreich verdränge und mich lieber an die schönen Momente erinnere.
Wer sind meine Buchheldinnen und Helden? Da gibt es viele …
Allen voran meine großartigen Autorenkolleginnen – neben Mika M. Krüger, die ich bereits erwähnt habe, ist das unter anderem Claudi Feldhaus, die sich trotz aller Widrigkeiten, die das Leben ihr in den Weg stellt, auch aktivistisch einsetzt, und Elenor Avelle, die neben dem Schreiben noch so unheimlich viele künstlerische Talente hat. Hier bin ich extrem froh, dass ich sie alle schon mehrfach treffen dürfte, und ich freue mich schon wie verrückt auf das nächste Mal.
Ein ganz unvergessliches Buchhelden-Highlight war sicher auch das erste Treffen mit „Covergott“ Alexander Kopainski, dessen traumhafte Werke ich schon lange vorher auf Facebook verfolgt habe. Wirklich unglaublich, wie nett und freundlich und einfach nur toll jemand sein kann – dabei heißt es doch immer, Künstler seien arrogant und abgehoben. Wir sehen uns seitdem fast jede Messe – obwohl es immer nur kurz ist, ist jede Begegnung eins meiner absoluten Messehighlights. Und an der FBM 2019 hat es dann auch endlich mal für einen Kaffee gereicht.
Daneben bewundere ich natürlich viele große und erfolgreiche Autor*innen, und bin jedes Mal total begeistert, wenn sich diese als freundliche und auf dem Boden gebliebene Personen herausstellen. So wie Jussi Adler Olsen, der mir an der Frankfurter Buchmesse ein Buch signiert und kurz mit mir geredet hat. Oder Sebastian Fitzek, der sich nach einer Lesung im Zürcher Volkshaus noch ganz lange Zeit für alle Fans genommen hat. Oder Paula Hawkins, die vor Publikum ganz offen gesteht, dass sie eigentlich eher schüchtern ist.

  1. Wo wir gerade bei Helden sind. Die Charaktere sind unsere (Anti-)Helden und halten uns auf Trab. Wie wichtig ist Dir ihre Tiefe? Oder magst Du es beim Lesen/Schreiben eher, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Zum Beispiel die Reise an sich und all ihre Spannung?

Für mich lebt ein Buch ganz wesentlich von den Figuren. Diese müssen entweder sympathisch oder interessant sein, so dass ich als Leser an ihrem Schicksal unbedingt teilhaben möchte und idealerweise so richtig ‚mitleide‘, wenn ihnen etwas Schlimmes widerfährt. Was nützt die beste Geschichte, wenn eine Leserin das Buch nach einigen Kapiteln weglegt oder sich durchquälen muss, weil ihm/ihr die Figuren völlig egal sind?
Daher investiere ich viel Zeit in die Entwicklung meiner Figuren, feile extrem lange an ihrem ersten Auftritt und freue mich unglaublich, wenn dieser „funktioniert“. Eins der größten Komplimente, die ich je bekam, war: „Ich habe keine Ahnung, ob ich ihn bewundern oder Angst vor ihm haben sollte …“ – genau dieser Zwiespalt war beabsichtigt.

  1. Wie viel Ärger bringen Dir Deine Figuren? Gehören sie, wie bei uns beim Bambusblatt, zu denen, die sich selbst benennen und Dir ihre Geschichte erzählen oder hast Du alles fest im Griff?

Fest im Griff? Das hätte ich gerne!
Vor allem meine Protagonisten stehen eines Tages einfach vor mir und wollen, dass ich ihre Geschichte erzähle. Manche stellen sich direkt mit Namen vor, andere behalten diese Information ärgerlich lange für sich.
Manche Figuren werden zu regelrechten Stimmen in meinem Kopf, die sogar anfangen, meinen Alltag zu kommentieren, andere sind da eher ruhig. Bei letzteren kann es passieren, dass ich ewig an einer Szene sitze, weil diese sich noch nach dem x-ten Überarbeiten irgendwie falsch anfühlt. Meist merke ich dann irgendwann, dass sich die Figuren einfach verweigern, weil die Situation oder das Verhalten nicht zu ihnen passt.

  1. Oben wird es schon halb gefragt, aber: Nutzt Du Zeichnungen für Deine Charaktere? Programme, um sie genau zu erfassen, mit Stammbaum, Aussehen und dergleichen?

Ich nutze sehr häufig Fragebögen, in die ich von Haar- und Augenfarbe bis Lieblingsessen und Lebensmotto alles eintrage. Manche dieser Punkte brauche ich später, damit alles konstant bleibt (und nicht jemand nach drei Kapiteln plötzlich die Augenfarbe wechselt), aber die allermeisten werde ich nie verwenden. Sie dienen mir eher dafür, ein Gespür für die Persönlichkeit einer Figur zu entwickeln.

  1. Die Frage gab es bereits beim letzten Mal, doch: Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein, das ist mir noch nie passiert. Ich habe schon Kurzgeschichten mit sehr unangenehmen Protagonisten verfasst, aber die bekommen dann auch ein Ende, das sie verdienen – und allein schon deshalb halte ich tapfer durch.

  1. Wie sieht es mit realen Vorbildern aus?

Es gibt da ein Zitat, dass mir einmal im Studium begegnet ist, und von dem ich leider nicht mehr weiß, von wem es stammt – oder ob ich es überhaupt richtig wiedergebe: „Alle meine Figuren sind ich, aber ich bin keine meiner Figuren.“ Ich interpretiere das auf jeden Fall so, dass in jeder meiner Figuren etwas von mir steckt – und sei es eine Eigenschaft, die mich persönlich zur Weißglut treibt – aber das keine Figur vollkommen ‚ich‘ ist.
Daher findet auch in allen meinen Geschichten etwas von mir, selbst wenn keine davon im strengen Wortsinn autobiographisch ist. Manchmal sind es kleine Details, manchmal große Emotionen. Es gibt zum Beispiel eine Kurzgeschichte, die ich seit der Veröffentlichung nicht mehr lesen kann – weil ich darin Gefühle und einen Verlust verarbeitet habe, die mich heute noch beschäftigen.
Ähnlich sieht es auch mit anderen Personen aus – ich schreibe Figuren nie bewusst als Abbilder realer Personen, aber manchmal erkenne ich den einen oder anderen Charakterzug wieder.
Oft schaffen es auch Szenen aus dem wahren Leben in meine Geschichten; ganz alltägliche oder ungewöhnliche Momente, wie ich sie morgens im Bus oder beim Kaffeetrinken erlebe, oder besondere Erinnerungen an meine Zeit in England.

  1. Welche ist Deine beste Figur? Beziehungsweise Deine am meisten Geliebte? Und welche ist genau das Gegenteil?

Hmmm… mit fast jeder gibt es einen Moment, an dem es schwierig wird. Entweder, weil sie – natürlich aus Plot Gründen – etwas tun, für dass ich sie am liebsten schütteln und anschreien würde, oder weil ich ihnen etwas Furchtbares antun muss und schrecklich mitleide.
Eine ganz besondere Position nimmt aber sicher Jaden ein, der Protagonist eines geplanten Dystopie-Projekts. Er hat von allem meinen Figuren den komplexesten und unabhängigsten Charakter (für diejenigen, denen der Begriff ‚Alignment System‘ etwas sagt: chaotic neutral – und wie!), was einerseits unglaublich spannend und faszinierend ist, einen aber auch in den Wahnsinn treiben kann, wenn Jaden sich einfach weigert, etwas Plot-relevantes zu tun („Sowas mach ich sicher nicht! Überleg dir was anderes.“) oder plötzlich auf Ideen kommt, die alles über den Haufen werfen („Ungefährlich ist das sicher nicht, aber interessant …“). Trotzdem (oder gerade deshalb?) hätte ich gerne etwas von Jadens Charisma und seiner Unabhängigkeit.

  1. Wenn Du ungehorsame Figuren hast, wie würdest Du sie manchmal am liebsten „bestrafen“ (oder machst es im Buch sogar) oder was würdest Du ihnen gerne einmal freundlich ins Gesicht schreien?

In meinem aktuellen Romanprojekt hätten sich die Figuren, vor allem die Protagonisten, viel Ärger ersparen können, wenn sie einfach mal offen miteinander über gewisse Dinge gesprochen hätten. Da ich beide Protagonisten grundsätzlich sehr mag, und sie sowohl sich als auch den jeweils anderen durch ihr Schweigen extrem verletzen, würde ich sie manchmal gerne packen und schütteln und ihnen ein „Jetzt rede doch endlich!“ an den Kopf werfen.
Bestrafen muss ich sie allerdings nicht, das kriegen sie vorzüglich alleine hin. Und das so gut, dass ich direkt wieder Mitleid mit ihnen bekomme …

  1. Hast Du schon mal einen Charakter getötet, bei dem Du das eigentlich nicht wolltest? Denkst Du da an Konsequenzen? Oder hat doch mal einer überlebt, der eigentlich seine Zeit hinter sich hatte?

Bei mir sterben wichtige Figuren eigentlich nur, wenn es für die Handlung nötig ist. Da gibt es dann auch kein Zurück, da ich sehr gut plane und dann den Plot nicht so massiv verändern würde, nur damit sie überleben. Die Konsequenzen sind in diesem Fall ja exakt der Grund, warum die Figur sterben muss.
Allerdings sind Regeln ja bekanntlich dafür da, dass man sie bricht. In einer Kurzgeschichte von mir stirbt eine Figur vor allem für den finalen Überraschungseffekt – diese Figur hat es aber auch verdient.

  1. Hat eine traurige Szene in Deinen eigenen Werken Dich wirklich, und nicht nur so dahin gesagt, zu Tränen gerührt, weil die Figuren Dir so am Herzen lagen? Muss auch keine negative Szene sein, vielleicht haben sie sich endlich geküsst oder gar geheiratet? Vielleicht hast Du auch nicht mit ihnen gefühlt, sondern warst einfach nur sehr erleichtert, dass sie es gebacken bekommen haben?

Wie man vielleicht schon bei anderen Antworten gemerkt hat, bin ich ein sehr emotionaler Mensch und leide beim Schreiben ordentlich mit meinen Figuren mit. Gerade eine Szene, die mich an eigene Erlebnisse und Gefühle erinnert, kann mir daher auch schon mal die Tränen in die Augen treiben – aus Mitgefühl, aber auch aus Freude.
Meine emotionalsten Erlebnisse als Autorin fanden allerdings bis jetzt außerhalb des Schreibens statt. Meine Nominationen für den Skoutz Award und den SERAPH, natürlich, aber auch ganz viele kleine Momente. Für mich ist jeder Kontakt mit Leserinnen und Autorenkolleginnen ein tolles Erlebnis; jede Lesung, jeder Besuch bei mir am Stand (LBM, Buch Berlin), jedes Gespräch, jede Signatur. Es hat für mich immer noch etwas Unwirkliches, als Autorin wahrgenommen und geschätzt zu werden, und es macht mich wahnsinnig glücklich.

Dann gehen wir nun einmal in die letzte Etappe!

  1. Als Autor bist Du vermutlich selbst Leser. Beschreibe uns doch gerne Deinen perfekten Leseabend, Lesemorgen oder wie auch immer Du liest. Ist das Notizbuch dabei stets gezückt? Stürzt Du Dich direkt auf jedes neue Werk Deines Lieblingsautors oder bist Du da eher „gildenfrei“ oder entspannt?

Der ideale Lesezeitpunkt ist für mich ein Nachmittag. Gerne im Herbst, wenn es schon langsam dunkler wird. Am liebsten lese ich dann auf dem Sofa oder auf dem Bett, mit ganz vielen Kissen, einer Kuscheldecke und mindestens einer Katze, die bequem an mich gekuschelt schläft. Und natürlich einer Tasse Tee in Reichweite.
Wie ich ganz am Anfang erzählt habe, begann meine bis heute ungebrochene Liebe zu Geschichten als Leserin. Dieser Leidenschaft bin ich bis heute treu geblieben, auch wenn es natürlich als Autorin schwieriger geworden ist. Zum einen fehlt schlicht die Zeit, denn oft ist es eine Entscheidung zwischen schreiben bzw. überarbeiten oder lesen, also zwischen dem eigenen Buch oder einem fremden. Zum anderen wird man so viel kritischer. Anderen Autor*innen („Wow, schon wieder ein Perspektivfehler.“), aber auch sich selbst gegenüber („So gut kriege ich das nie hin …“).
Aber nach wie vor kann mich ein gutes Buch total in seinen Bann ziehen. Dafür braucht für mich unbedingt Spannung, quasi ein Rätsel, das gelöst werden muss. Ich möchte, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen kann, weil ich wissen will, wie es ausgeht. Ein gutes Buch muss mich überraschen, aber gleichzeitig möchte ich mitraten. Also idealerweise ein Ende mit „Wow, das habe ich echt nicht kommen sehen – aber eigentlich hätte man es ahnen können, denn es passt ja alles zusammen“, und kein „Aha, der Mörder ist also dieser Unbekannte, der nie vorher erwähnt wurde“.
Daneben sind für mich – wie bereits erwähnt – die Figuren extrem wichtig. Ich muss sie nicht unbedingt (alle) mögen, aber sie sollten zumindest interessant sein. Ein gutes Buch hat entweder eine spannende Geschichte oder tolle Figuren, ein großartiges Buch hat beides.

  1. Hast Du Dich schon einmal an eine Lesung getraut? Vielleicht ja nicht in einer Buchhandlung, aber eine Wohnzimmerlesung oder über einen Discordserver für Autoren? Das alles kommt ja immer mehr. Oder willst Du – verständlicherweise – niemanden einfach in Deine Wohnung lassen? Traust Du Dich laut vorzulesen?

Ich LIEBE Lesungen! Auch wenn ich kurz vorher am liebsten weglaufen oder mich irgendwo verstecken möchte und vor Nervosität fast einen Herzinfarkt kriege. Aber dieses Gefühl, deine Geschichte vor einem echten Publikum zum Leben zu erwecken und die Reaktionen live beobachten zu können, ist schon einfach magisch und echt unbezahlbar.
Der persönliche Kontakt und das direkte Feedback fehlt mir bei Online Lesungen schon ziemlich; aber trotzdem mache diese auch gern. Und bin vorher genau gleich nervös.
Ein besonderes Highlight war hierbei eine von Thorsten Küper im Second Life (eine von Benutzern gestaltete Online-3D-Infrastruktur) organisierte Lesung, bei der ein Avatar von mir vor einer extra für meine Geschichte gebauten Kulissen lesen dürfte. Das Publikum bestand aus Avataren, hinter denen allerdings reale Zuhörer standen, die sogar kommentierten und applaudierten.

  1. Wo wir gerade bei Mut sind: Hast Du Dich schon einmal etwas getraut zu schreiben, bei dem Du am Ende dennoch da gesessen und Dich für mutig gehalten hast oder dumme Kommentare befürchten musstest?

Ganz ehrlich? Für mich ist jede Veröffentlichung wie ein Bungee-Sprung: ich kriege extrem weiche Knie, muss all meinen Mut zusammen nehmen und mich ins Unbekannte stürzen. Und unmittelbar danach bereue ich es oft aufs Tiefste. Die Geschichte ist ganz furchtbar. Alle werden sie hassen. Was hab ich mir nur dabei gedacht? Gottseidank haben sich bis jetzt meine schlimmsten Befürchtungen noch nie bewahrheitet.

Sommer Frost von Stella Delaney. Cover von Marie Wölk (Wolkenart)
(Copyright Marie Wölk (Wolkenart))
  1. Frage an (ehemalige) Selfpublisher: Machst Du Deine Cover selber oder leistest Du Dir einen Designer? Wie läuft es bei Dir in die ein oder andere Richtung ab?

Es gibt einige Arbeitsschritte auf dem Weg zum fertigen Buch, die ich mir so gar nicht zutraue. Ein gutes Cover macht so unglaublich viel aus, daher finde ich, dass man die Gestaltung in die Hände eines Profis legen sollte. Die wunderschönen Cover zu „Staub und Regenbogensplitter“ und „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“ stammen beide von Rica Aitzetmüller (Cover&Books), das tolle atmosphärische Cover von „Sommerfrost“ hat Marie Wölk (Wolkenart) gezaubert. Viele Leser*innen haben mir erzählt, dass ihnen die Bücher allein wegen den Covern aufgefallen sind, und an Messen erlebe ich oft, wie jemand gerade durch das Cover angezogen wird und das Buch in Hand nimmt. Irgendwie ist es beiden Designerinnen unglaublich gut gelungen, die Essenz meiner Bücher bildlich umzusetzen. Es ist für mich Magie, im wahrsten Sinne des Wortes.
Daneben träumte ich ganz lange von einer Zusammenarbeit mit Alexander Kopainski – berechtigterweise oft „Covergott“ genannt – weil ich seinen Stil und seine Kreationen einfach unglaublich toll finde. Im Moment sieht es so aus, als würde dieser Traum tatsächlich in Erfüllung gehen, und ich kann es selbst noch gar nicht wirklich glauben. Das Cover existiert bereits, allerdings ist die Geschichte dazu noch nicht ganz fertig.
Für mich sind es ganz massgeblich die Designer, die durch ihr Talent und ihre Kreativität einer tollen Geschichte die passende Optik geben und sozusagen dem Kunstwerk einen entsprechenden Rahmen verleihen, der es noch viel besser zur Geltung bringt.

  1. Wie holst Du Dir Rezensenten? Wo findest Du sie? Welche Tipps (auch Blogs, wenn diese die Empfehlungen erlauben) hast Du?

Ich denke, es kann nie schaden, aktiv auf Bloggerinnen und Leserinnen zuzugehen. Damit meine ich natürlich nicht, jeden Tag stur dieselbe Werbung auf Social Media zu posten.

Werbung sollte nie plump sein, also kein „Kauf mein Buch!“ sondern ein schönes Zitat oder ein überraschender Fakt zu deinem Werk, damit man neugierig wird. Auch lohnt es sich, Werbung gezielt zu platzieren. In einer Autorengruppe macht es eher wenig Sinn, in Austauschgruppen ist Werbung oft sogar verboten. Besser sind reine Bloggerinnen- oder Leserinnengruppen, am allerbesten mit Spezialisierung auf dein Genre (also eine Gruppe für Krimifans oder SciFi Interessierte). Ähnliches lässt auf Twitter mit gut gewähnten Hashtags erreichen.
Bei Blogger*innen ist es zu empfehlen, diese gezielt und persönlich anzuschreiben. Man sollte den Blog gut genug kennen um zu wissen, dass das eigene Buch zur Ausrichtung passt (also keinen Thriller bei einen Romance Blog), und personalisierte Mails bringen immer mehr als das 08/15 Anschreiben – das ist nicht nur bei der Jobsuche so.

  1. Wie gehst Du mit Rezensionen, negativ und positiv, um? Welche Tipps oder Anmerkungen hast Du für andere Autoren?

(ausgelassen)

  1. Für alle, die schon mal beim Verlag veröffentlicht haben: Wie läuft dieser Prozess ab? Gibt es Tipps von Deiner Seite? Vor allem Geheimtipps und „nicht nur“, dass man es immer weiter versuchen soll? Wie ist das Gefühl, sein Werk in einer Buchhandlung zu sehen?

(ausgelassen)

  1. Auch an die Selfpublisher, wie ist das Gefühl, sein Buch in der Handlung zu sehen? Und wie kommt ihr dorthin? Sprecht ihr zum Beispiel die Händler an?

Die einzige Buchhandlung, in die es eins meiner Werke geschafft hat, war die Messebuchhandlung an der LBM 2019. Dort dürfte „Das Leuchten am Rande des Abgrunds“ mit vielen anderen tollen Werken stehen, weil ich damit auf die Shortlist für den SERAPH Phantastikpreis gelandet bin.
Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe meine Bücher während der Messe mehrfach besucht und mich immer wahnsinnig gefreut, wenn jemand eins davon in der Hand hatte, oder wenn es immer weniger wurden. Nach diesem Gefühl könnte ich glatt süchtig werden … aber erst mal muss der neue Roman natürlich geschrieben werden.

  1. Möchtest Du jemanden grüßen? Menschen danken? Ihnen hier eine Spalte zur Verfügung stellen?

Hinter jedem Buch steht weit mehr als nur eine Autorin, eine Idee und ganz viel Durchhaltewille. Daher möchte ich allen danken, die diesen Weg mit mir gegangen sind – zumindest für ein kleines Stück – und ganz besonders denen, die meinen dunklen Zeiten für mich da waren und die an mich geglaubt haben, wenn ich es selbst nicht konnte.
Stephen King – der eins meiner großen Autorenvorbilder ist – hat einmal gesagt, dass auf seinem Grabstein nur die folgenden Worte stehen sollen: „ It’s the tale, not me who tells it.“ (Etwa: „Die Geschichte ist wichtig, nicht ich, der Erzähler.“) Eigentlich wollen wir alle nur unsere Geschichte erzählen. Konkurrenzdenken, von-oben-herab-Schauen und ausgefahrene Ellenbogen sind da nicht nur unnötig, sondern auch hinderlich. Wir sollten uns viel öfter darauf besinnen, worum es wirklich geht: um die Geschichten, um die Bücher. Um das, was sie uns geben.
Daher möchte ich der ganzen Buch-Community eines sagen: Egal ob Verlegerin, Autorin, Dienstleisterin, Leserin, Blogger*in oder in einer der vielen anderen wichtigen Funktionen – ihr alle gebt mir das Gefühl, zu einer großen, liebevollen, phantastischen Familie zu gehören. Dafür aus tiefsten Herzen DANKE.

  1. Wie beim letzten Mal möchten wir Dir hiermit die Möglichkeit geben, Dich anzubringen, Deine Werke anzupreisen, Werbung zu machen. Und/oder ein Schlusswort hinzuzufügen.

Du, gerade Du, bist großartig, einzigartig und wichtig.
(Das ist mir einfach wichtig, weil es mir jedes Mal wehtut, wenn wunderbare, großartige und talentierte Menschen an sich selbst zweifeln und verzweifeln.)
Und natürlich: Lest mehr Bücher! Kauft mehr Bücher, auch von Selfpublisher*innen und Kleinverlagen! Und ganz wichtig – schreibt Rezensionen! Auch wenn es nur ein Satz ist, Rezensionen sind wichtiges Seelenfutter für Autoren.
Danke, liebes Bambusblatt-Team, für die tolle Chance, mich hier zu präsentieren, und für die spannenden Fragen. Danke an alle Leser*innen, die bis hier durchgehalten und mitgelesen haben.
Und last but not least: Ich würde mich freuen, euch in Zukunft an einer Messe persönlich kennenzulernen – oder wiederzusehen

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