Rezension: Das Lied des Achill (Madeline Miller)

Madeline Miller - Das Lied des Achill
(Copyright Cover: Eisele Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Am 28. Februar 2020 erschien „Das Lied des Achill“ von Madeline Miller im Eisele Verlag als Taschenbuch für 16,99€.

„Die Sage um Achill und Patrokolos, nur bezieht sich dieses Buch auf ihre Liebesbeziehung und ihr Leben vor und während des trojanischen Krieges.“ So könnte man dieses Werk mit einem schlichten Satz zusammenfassen, aber eigentlich ist es noch viel mehr.
Auf 416 Seiten beschreibt die Autorin, wie die beiden Helden sich kennen lernten, wie sich ihre Beziehung formte, wie der Krieg sie prägte. Sie spricht von Liebe und Verlust, von Angst und Hass und Wut und wohl von dem wichtigsten Element des trojanischen Krieges: Dem männlichen Ego und wie leicht jenes verletzt werden kann.

Wer die Inhaltsangabe gelesen hat wird jetzt vielleicht zwei Dinge erkannt haben: Sie ist nicht sehr aussagekräftig und sie spricht bereits von Begeisterung.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie ich spoilerfrei den Inhalt wiedergeben kann, denn Madeline Miller schreibt direkt aus Patroklos‘ Sicht – was bedeutet, dass der Leser nur wissen kann, was auch die Figur weiß und somit sind die Ränkeschmiede der Götter stark außen vor – und mein größter Kritikpunkt ist, dass alles ein wenig mehr Tiefe hätte haben können. So erzählt Patroklos von einzelnen Ereingissen, wie eine Auflistung, was zwar prima zum Ende passt und gut lesbar umgesetzt worden ist, aber von ihm und von Achill kann man als Leser gar nicht genug bekommen!

Und da haben wir auch die Begeisterung. Die Figuren, das Setting, der Schreibstil und, nochmals besonders betont, Achill und Patroklos! Dieses Werk ist bisher mein Highlight in diesem Jahr und durfte sich sogar neben meinem Lieblingsbuch seit dem Jahr 2010 auf dieselbe Stufe einreihen. Das hat bisher noch kein Buch geschafft.
Wer sich jetzt wundert, dass Patroklos und Achill doch eigentlich beste Freunde/ Cousins sind: Homer hat klare Sätze formuliert. Historiker, wie Historiker eben sind, haben ihnen beiden die Partnerschaft zu meist abgesprochen und eine gute Freundschaft daraus gemacht.

UNGENAUE SPOILER

Weil man auch unbedingt sterben möchte, nachdem der beste Freund gestorben ist. Weil man möchte, dass die Asche vermengt wird, damit die Seelen in der Ewigkeit zusammen finden. Weil man den Erdboden mit seinen Trauerschreien zum Beben bringt, beinahe das Schicksal ändert und seinen besten Freund als Person bezeichnet, die man mehr als alle anderen liebt.

UNGENAUE SPOILER ENDE

Madeline Miller entführt den Leser mithilfe eines tollen Schreibstiles und der Sicht eines unglaublich tollen Charakters in eine mythische Welt, in der man ihr Fachwissen – sie lehrt diese Themen – gut spürt, ohne, dass man erschlagen wird.

Allein das Buch in der Hand zu halten ist ein Erlebnis. Ich kann den Einband und die dicken, weichen, schweren Seiten nur bedingt beschreiben. Das Cover ist schlicht, aber es glänzt hier und da, und ist perfekt passend ausgewählt (und ist auch das einzig schöne Cover in jeder Sprache, das ich zu „Das Lied des Achill“ bisher gesehen habe).
„Das Lied des Achill“ hat mich mit guten und schlechten Gefühlen zurückgelassen. Mit Tränen und einem Bookhangover, der mich für drei Tage komplett aus der Bahn geworfen hat.

Mein Fazit

Es sieht gut im Regal aus, es fühlt sich wunderbar an, es hat einen fairen Preis, es macht Spaß zu Lesen, lässt einen mit Emotionen zurück, es hat Patroklos und Achill (ja, das ist ein Argument), es hat einen tollen Schreibstil, das Fachwissen ist zu spüren (aber nicht zu viel) … Mehr kann ich wohl nicht dazu sagen, oder? Die subtile Botschaft ist da, es liegt an euch, daraus zu lesen (wortwörtlich) ; )


Geschrieben von Judith


Links zu „Das Lied des Achill“

Verlagsseite des Buches
„Das Lied des Achill“ bei Thalia*

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