Rezension: Hades

Bewertung: 5 von 5.

Bewertung: 5 von 5.

„Hades“ ist ein rogue-like Dungeon-Crawler vom amerikanischen Entwicklerstudio Supergiant Games. Im Dezember 2019 wurde es bereits als Early Access Titel veröffentlicht, am 17. September 2020 folgte dann die Vollversion für Microsoft Windows, macOS und die Nintendo Switch. Für die Konsolen soll es im August 2021 erscheinen. Die leitenden Entwickler waren Amir Rao, Gavin Simon, Greg Kasavin, Eduardo Gorinstein und Alice Lai. Die Musik stammt aus der Feder von Darren Korb.


Prinz der Unterwelt Zagreus hat es satt, von seinem Vater wie ungewollte Luft behandelt zu werden, sein Leben in Bürokratie zu führen und hauptsächlich in den immer gleichen vier Wänden eingesperrt zu sein.
Zumindest ist es das, was die Inkarnation der Nacht den Olympiern erzählt, damit sie Zagreus die Macht verleihen, aus dem Reich der Toten zu verduften. Nichts davon ist gelogen, aber der Prinz wird von einem anderen Wunsch geleitet. Er sucht die Oberfläche nicht aus Rebellion auf. Er hat ein Geheimnis ausgemacht und dort oben wartet die Lösung aller Rätsel aus seinem Leben auf ihn. Also, Ärmel hochkrempeln und den Schatten der Verstorbenen in den Hintern treten.


Ah, Hades, Roberta und ich … Wir haben eine besondere Geschichte miteinander.
Während ich „Das Lied des Achill“ gelesen habe, habe ich mich nicht nur aufs Neue in die griechische Mythologie verliebt, ich habe mich auch in Patroklos und Achill verguckt. Ich kann nicht genug von den beiden bekommen und da ich mittlerweile viele Medieninspirationen auf Pinterest finde – darunter auch besagtes Buch selbst – stieß ich sehr schnell auf Fanarts zu den beiden aus dem Spiel Hades.
Wow, dachte ich und wollte das Game unbedingt haben. Dann sah ich, dass es ein Dungeon-Crawler ist und damit war die Motivation dann doch gleich dahin. Das war so gar nicht mein Genre. Und doch … Es ließ mich einfach nicht los. Ich wollte wissen, in welchem Bezug Zagreus und Achill stehen. Ich wollte auch alles andere wissen. Fanarts machen so verdammt neugierig. Aber dafür 21€ ausgeben? Die Stimmen zu dem Game waren sehr begeistert, es ließ mich nicht los und da fasste ich einen Entschluss: Wenn ich meinen zweiten Band der „Erbe des Dolches“ Reihe in der Rohfassung fertig geschrieben hätte, dann würde ich mir dieses Spiel gönnen. Wenigstens wollte ich mal reinsehen. Auch wenn ich sehr auf das Mitmachen von Roberta hoffte, denn so wirklich allein spielen …

Ich schrieb Jeremiah fertig, ich gönnte mir mein Spiel, ein paar Tage später installierten wir es und schauten mal rein. DEN GÖTTERN SEI DANK!

Zunächst weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. „Hades“ hat uns nicht nur weiter in die griechische Mythologie geworfen (sodass wir in ein paar Jahren eine Trilogie mit unserem Lieblingsgott Dionysos schreiben wollen), es hat uns auch einfach verzückt.
Supergiant Games ist ein kleines Studio, das im Arbeitsvertrag stehen hat, dass man „mindestens so und so viele Tage im Jahr freinehmen muss“. Ja, richtig gelesen. Ein paar Entwickler, die alle heißblütig auf das Weiterarbeiten sind. Dabei sind Urlaub, Feierabend und Wochenenden fest vorgeschrieben und jeder kann sich jeder Zeit so viel freinehmen, wie er will und braucht. Willst du nach der Arbeit noch weiterarbeiten? Gut, aber du belästigst keine Kollegen! Dadurch hat das Studio einen enormen Arbeitseifer entwickelt.
Und den merkt man im Spiel ganz deutlich. Schon vorher sind sie bekannt geworden (zum Beispiel Bastion). Aber Hades setzte noch mal einen drauf. Sie haben sich hervorragend mit der Mythologie beschäftigt und, wo es nicht passt bzw. wo es einmal mehr MEHRERE Sagen gibt, diese gut aneinander geschlossen und gut verbunden. Beispiel?

Nun, ein Mythos besagt, dass Zagreus und Dionysos ein und dieselbe Person sind. Zeus ist mal wieder Schuld. Er, Vater von Persephone, verwandelte sich einst in eine Schlange, um nachts IN seine Tochter zu kriechen und diese zu befruchten (ja, wir fragen uns auch, was damals konsumiert wurde). Dieses Kind war Zagreus, geboren mit einem Stierkopf und liebstes Kind des Göttervaters.
Wo Zeus mal wieder ein Kind gemacht hat, dauert es selbstredend nicht lange und Hera zeigt ihr Gesicht. Die hat leider aber die Angewohnheit – weil sie sich schon mal gegen Zeus verschworen und verloren hat – die ganze Sache an den Kindern auszulassen. Kurzum: Zagreus wurde von Titanen zerrissen und in alle Himmelsrichtungen geworfen.
Zeus, außer sich vor Zorn, ging einen Handel ein. Er kratzte mühselig aus den Übrigbleibseln seines Lieblings die Herzfragmente, gab sie einer von ihm erwählten Frau zu essen und schwängerte sie auf diese Weise.
Es kam, wie es kommen musste. Hera war nicht gerade begeistert. Zeus, der dieser erwählten Frau schwor, ihr jeden Wunsch zu erfüllen und in Liebe für sie aufblühte, musste ihr nach einer List von Hera den Wunsch erfüllen, sich in seiner wahren Gestalt, also einem Blitz, zu zeigen. Semele, so der Name dieser Frau, verbrannte und Zeus nähte sich das Ungeborene in den Oberschenkel, um es kurz darauf selbst zur Welt zu bringen.
Er drückte Hermes das Kind in die Hand und befahl ihm, Dionysos in Sicherheit zu bringen.

Im Spiel sind dies zwei verschiedene Figuren, aber sie wurden auf gute Art zusammengeführt. Dionysos, immerzu betrunken (da er im Spiel seinen Amethyst nicht benutzt, der ihn vor dem eigenen Rausch schützt), freundet sich, sofern der Spieler dies anstrebt, mit Zagreus an und beschließt: Der berühmte Sänger Orpheus könnte mehr Spaß im Leben vertragen, lass uns ihm einen Streich spielen und sagen, wir seien miteinander verbunden.
Gesagt und getan. Zagreus sagt seinem Freund, er sei einst von Titanen zerrissen worden, ein Teil von ihm wurde als Dionysos wiedergeboren.
Orpheus, meistens nicht die hellste Kerze am Kronleuchter, glaubt diese Lüge und besingt das tragische Ende eines Gottes, der wiederauferstand. Egal wie oft Zagreus richtigstellen will, was geschah und was nicht, Orpheus hält den Prinzen der Hölle lediglich für bescheiden.

Auf diese Art zieht es sich oft. Wobei es sich im Spiel immer lohnt, Nektar zu verteilen und Nebenquests zu machen (keine Sorge, nach der Geschichte gibt es noch ein Endgame mit einem weiteren „Ende“).
Davon lebt dieses Spiel auch. Es gibt unglaublich viele Kampfkombinationen. Waffen und deren Fähigkeiten und Upgrades und alles, was Zagreus kann. Amulette und weitere Räume, die man zum Bau beantragen kann. Übrigens kann man die Hölle auch renovieren!
Wenn man stirbt, fängt man wieder ganz von vorne an, ohne Kräfte. Klingt entmutigend? Im ersten Moment ist es das, ja. Aber dann stürzt man sich einfach wieder ins Getümmel. Außerdem gibt es immer einen Grund nach Hause zurückzukehren, zumindest, wenn man die Figuren verfolgen will (dazu sage ich jetzt nicht viel).
Das Spiel kommt mit extrem viel Witz um die Ecke. Allein Theseus – der in den Sagen immerzu ein bescheidener und besonnener Held ist und hier … na ja, anders ist – ist der Knüller. Wem es langweilig wird, der hat ab einem gewissen Punkt den Flammenden Pakt und kann da fleißig hochleveln und somit alles schwieriger machen. Die Sache ist aber auch bei jeder Runde wieder zurücknehmbar. Außerdem kann man es komplett weglassen, dann gibt es aber keine neuen Bossbelohnungen.

Die Götter sind sehr gut modelliert. Sehr passend. Natürlich ein wenig animeartig, aber ist das so schlimm? Die Details sind unglaublich gut. Einzig Aphrodite hätten wir uns ein wenig mehr eigen gewünscht. Sie wirkt doch sehr wie ein typisches pinkhaariges Animegirl, trotz Haarherzen überall.

Die Sprecher haben Unglaubliches geleistet (vor allem, da sie mehrere Aufgaben übernehmen. So ist der Zagreus-Sprecher auch derjenige, der für die Musik verantwortlich war). Dass viele ein wenig britisch klingen, verstehen wir übrigens nicht (das versteht keiner), da das Studio rein amerikanischer Natur ist. Die Entwickler haben tonnenweise Dialoge und andere Texte geschrieben, eingesprochen und ins Spiel eingebracht.
Gerade Theseus, Ares und Dionysos haben denselben Sprecher. Bittere Ironie, die man aber absolut nicht heraushört.

Darren Korb hat übrigens nicht nur seine Sprecherrolle gut gemacht, die Musik ist auch unglaublich toll und sehr passend. Außerdem sind die Level handgemalt!
Und was kann ich noch sagen? Nun, wir haben jetzt 71 Stunden, kümmern uns um die Nebenquests, lassen uns Zeit, wollen die Figuren zu ihren Bestimmungen bringen, haben immer noch nicht das zweite Ende erreicht und das Beste? Wir haben 21€ für diese 71 Stunden ausgegeben und bisher nur Spaß erlebt. Kein Laggen, keine Framedrops, kein Glitchen, keine Bugs.

Zwei Sachen sind uns lediglich „negativ“ aufgefallen: Erstens können die Entwickler keine Gesichter von vorne malen (Persephone und Thanatos, wenn man mit ihm anbandelt, sind absolut gruselig!). Und manchmal ist es ein wenig langgezogen, bis bestimmte Ereignisse bei den Figuren getriggert werden. Vor allem, wenn man nicht ins Wiki schaut, kann es dann doch mal sehr frustrierend werden, bis Thanatos zum Beispiel endlich das nächste oder letzte Geschenk annimmt.


Mein Fazit

Eine sehr lange Rezension für ein sehr tolles Spiel. Ich fasse einfach mal stichpunktartig zusammen, warum dieses Spiel mehr als fünf Sterne verdient hat und sich unter meine Lieblingsspiele kämpfen konnte:

  • Sympathisches Studio
  • Für 21€ bekommt man unglaublich viele Stunden Spaß, ohne Störungen wie Bugs
  • Musik, Sprecher, handgemalte Level, toll gestaltete Figuren: Alles wunderschön!
  • Sehr viel Humor (schaut euch nur diesen Trailer an, der nur einen winzigen Einblick in den Humor gibt)
  • Griechische Mythologie (Dionysos inbegriffen!)
  • Theseus hat auf der stärksten Stufe eine Konfettikanone, die er sich selbst zu Ehren losfeuert!
  • Man kann angeln
  • Man kann auch in einem Run speichern und sich wieder anderen Dingen zuwenden (falls man das unbedingt will …)
  • Es ist zwar ein Dungeon-Crawler, aber das sollte einen nicht abhalten (ich mag dieses Genre eigentlich auch nicht)
  • Wir wollen es auf 100% bringen und nicht viele Spiele haben uns zu diesem Vorhaben fesseln können
  • So unglaublich viel Text!

Negativ:

  • Wenn man mit Figuren interagiert, dann ist es manchmal sehr langgezogen, bis man weiterkommt (gerade ohne Wiki frustrierend)
  • Gesichter von vorne sind NICHT die Stärke des Studios. Als Thanatos uns so das erste Mal, nach vielen Spielstunden, angesehen hat, war das ein Schock (like WTF Than!)

Was ich denke, was ihr machen solltet, habt ihr jetzt, glaube ich, rauslesen können. Solltet ihr dieser Sache nachkommen: Viel Spaß!


Geschrieben von Judith


Links zu „Hades“

Website des Entwicklerstudios Supergiant Games

2 Kommentare zu „Rezension: Hades“

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