Rezension: Rule of Wolves – Thron aus Nacht und Silber (Leigh Bardugo)

Leigh Bardugo - Rule of Wolves: Thron aus Nacht und Silber
(Copyright Cover: Droemer-Knaur Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Mit „Rule of Wolves – Thron aus Nacht und Silber“ von Leigh Bardugo erschien am 01. Juni 2021 in der Fantasy-Abteilung von Droemer-Knaur endlich die Fortsetzung von Nikolai Lantsovs Geschichte „King of Scars“. Leider bildet das 571 Seiten starke Werk auch den Abschluss seiner Reihe und wenn man der Autorin glaubt, auch das (vorläufige) Ende des GrishaVerse.
Das Buch wurde uns vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Vieles in „King of Scars“ lief nicht so, wie Nikolai und Zoya sich das vorgestellt hatten. Die Obisbaya, das Ritual, um Nikolai von dem Dämon zu befreien, ist fehlgeschlagen und zu allem Überfluss ist auch noch der Dunkle zurückgekehrt. Fjerda rüstet sich für den Krieg, während Ravka kaum etwas an Stärke aufbieten kann, und Shu Han verbindet seine ganz eigenen Probleme mit Nikolais Vorhaben, eine geeignete Braut für sich zu finden.
Der Zar steht zu Beginn von „Rule of Wolves“ also vor einem Haufen Probleme, die es alle auf einmal zu bewältigen gilt, und auch Nina, die in Fjerda als Spionin arbeitet, verstrickt sich immer tiefer in die politische Situation dort. Fjerda legt es nicht nur auf Krieg an, sondern gleichsam auch darauf, Nikolai, den Bastardzar, von seinem Thron zu stoßen und den wahren Erben Ravkas an die Macht zu holen.

Mit „Rule of Wolves“ erneut in das GrishaVerse einzutauchen, hat sich trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – meiner eher durchmischten Meinung zur Netflix-Serie „Shadow and Bone“ wie nach Hause kommen angefühlt. Wenn man alle Bücher aus Leigh Bardugos Universum gelesen hat, ist man so vertraut mit dieser Welt und ihren Figuren, dass man sich eigentlich gar nicht davon trennen möchte.
Dabei bildet „Rule of Wolves“ einen würdigen und krönenden Abschluss für das GrishaVerse, obwohl man zugeben muss, dass das Ende doch sehr nach Fortsetzung klingt – zwar vielleicht nicht von Nikolai, aber doch von dieser Welt.
Die Autorin erzählt hier eine größtenteils sehr emotionale Geschichte, die vor allem in der zweiten Hälfte so an Fahrt aufnimmt, dass ich das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand gelegt hätte. Man hofft und leidet mit Nikolai, Zoya und den anderen. Die ganze Story wirkt sehr durchdacht und an keiner Stelle in die Länge gezogen. Das ist immer noch etwas, das ich Leigh Bardugo sehr hoch anrechne. Ihre Geschichten haben immer die Länge, die sie wirklich benötigen, nicht mehr und nicht weniger.
Große Freude hat mir auch das Wiedersehen mit allen altbekannten Figuren bereitet. Nach und nach tauchen diese altvertrauten Gesichter auf, so dass man sie noch einmal genießen und sich verabschieden kann, was ich für den Abschluss eines ganzen Universums doch sehr schön finde. Zudem spielt jede Figur eine wichtige Rolle, selbst wenn sie noch so klein erscheinen mag.
Was die Protagonisten betrifft, kann ich eigentlich nur sagen, dass Nikolai wieder typisch Nikolai ist und mir mit seiner charmanten, frechen Art sehr oft ein Lachen entlocken konnte. Von Zoya und Nina lernt man noch einmal ganz andere Seiten kennen, was ich äußerst erfrischend fand.

Ich habe auch „King of Scars“ schon geliebt, dennoch hat mir „Rule of Wolves“ noch einmal besser gefallen. Ich hatte nach der ersten Staffel der Netflix-Serie ja ein wenig Sorge, trotzdem waren meine Erwartungen an dieses Buch wohl sehr hoch. Der Vorgänger war manches Mal für mich ein wenig vorhersehrbar, dieses Mal hat mich Leigh Bardugo mit vielen Wendungen jedoch vollkommen überraschen können. Generell gab es aber in diesem Band auch einfach mehr davon.

Ein klein wenig Kritik muss ich bei aller Liebe für Nikolai und das GrishaVerse aber dennoch äußern. Mich persönlich haben ein wenig die Kapitel aus Mayus Sicht gestört. Sie sind wichtig für die Geschichte und das Verständnis und auch nie allzu lang, aber vermutlich hätte ich einfach lieber etwas von den anderen gelesen. Dafür darf man sich über jemanden freuen, von dem ich es nicht erwartet hätte, und der noch einmal frischen Wind in die Erzählperspektive bringt.
Leider kam auch in diesem Buch etwas durch, was ich schon in der Trilogie bemängelt habe. Nicht immer ist ganz ersichtlich, welche Figur etwas sagt, aber dieser kleine Makel hält sich zum Glück sehr in Grenzen.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass auch „Rule of Wolves“ – im Gegensatz zum Vorgänger ganz in Silber gehalten – perfekt zu den anderen Büchern des GrishaVerse passt. Die Gestaltung ist wie immer einwandfrei.

Mein Fazit

„Rule of Wolves“ bildet einen perfekten Abschluss für Nikolai Lantsovs Geschichte – und wenn es denn unbedingt sein sollte, dann wohl auch für das gesamte GrishaVerse. Dennoch lässt das Ende auf eine Fortsetzung hoffen, in der wir wieder auch mehr von anderen Figuren sehen würden.
Leigh Bardugo hat eine so wundervolle Welt mit liebenswerten Charakteren und spannenden Geschichten geschaffen, dass es wirklich schwerfällt, Abschied zu nehmen. „Rule of Wolves“ versucht, einem diesen Abschied ein wenig leichter zu gestalten, ohne es dabei zu übertreiben. Es gibt kein rosarotes Ende, bei dem alles einfach nur perfekt ist. Es bleiben noch immer Probleme und Sorgen und Ungewissheit zurück, aber das ist in Ordnung.
Das GrishaVerse gehört für mich zu meinen liebsten literarischen Welten und sicher werde ich diese Reihe bei Gelegenheit noch einmal lesen. So ganz davon trennen möchte ich mich nicht.


Geschrieben von Roberta


Links zu „Rule of Wolves“

Verlagsseite des Buches
„Rule of Wolves“ bei Thalia*

Unsere Rezension zum Vorgänger „King of Scars – Thron aus Gold und Asche“

Hier findet Ihr unsere Rezension zum ersten Teil der Grisha-Trilogie „Goldene Flammen“.
Und hier gibt es unsere Rezension zum ersten Teil der Krähen-Duologie „Das Lied der Krähen“.

2 Kommentare zu „Rezension: Rule of Wolves – Thron aus Nacht und Silber (Leigh Bardugo)“

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