Rezension: Blut und Gold (Chronik der Vampire 8) (Anne Rice)

Anne Rice - Blut und Gold (Chronik der Vampire 8)
(Copyright Cover: Goldmann Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Blut und Gold“ ist der 8. Band der Chronik der Vampire der US-amerikanischen Schriftstellerin Anne Rice und in Deutschland 2006 im Goldmann Verlag erschienen. Es kommt als Taschenbuch mit 603 Seiten daher.

Wie auch schon bei „Merrick“ weicht Anne Rice in diesem Buch ein klein wenig von ihrem altbekannten Schema ab. Wir starten die Geschichte nicht mit Marius, um den sie sich dreht, sondern mit Thorne, einem Vampir, der noch aus der Wikingerzeit stammt. Er hat Akashas Massaker überlebt, weil er im hohen Norden geschlafen hat, und nun ist er erwacht und möchte herausfinden, was passiert ist. Dabei führt ihn sein Weg zu Marius, der sich für eine Weile von allem zurückgezogen hat und ihn gerne in seinem Haus aufnimmt. Die beiden verstehen sich von Anfang an gut, denn Thorne lechzt nach Geschichten und der einsame, zweitausendjährige Marius sehnt sich danach, seine jemandem zu erzählen.

Leider lässt er seine sterblichen Jahre im alten Rom bis auf ein paar kleine Erwähnungen aus. Auch wie er in Gallien im Druidenhain verwandelt wurde und danach Akasha und Enkil fand, schneidet er nur an, aber zumindest diesen Teil kennen wir ja auch schon aus „Der Fürst der Finsternis“, als er das erste Mal auf Lestat trifft.
Ebenso wird seine Zeit mit Pandora nur kurz erwähnt, ist aber im späteren Verlauf der Geschichte immer wieder wichtig. Das mag wohl daran liegen, dass Pandora ihre Geschichte schon im gleichnamigen Buch erzählt, das kein offizieller Teil der Reihe ist, aber doch vor „Blut und Gold“ erschien. Und, ehrlich gesagt, würde Marius‘ Buch mit all diesen Dingen auch zu lang werden.
Seine Lebensgeschichte reicht also in dieser Erzählung von Antiochia, wo er mit Pandora lebte und was kurz angeschnitten wird, über Rom und Konstantinopel bis in die Alpen und Venedig und letztlich nach Dresden.
Venedig kennen wir ja schon aus Armands Geschichte, aber auch hier nimmt es einen großen Teil des Buches ein, weil es ein so prägender Abschnitt für den Charakter ist. Dabei ist es völlig egal, ob man diesen Abschnitt aus Armands oder aus Marius‘ Sicht liest, er ist immer herzzerreißend.
Marius schafft es, den Leser – und vermutlich auch Thorne als Zuhörer – mit gewählten Worten in die Geschichte hineinzuziehen, bis man sich darin verlieren kann. Man durchlebt mit ihm gemeinsam die zwei Jahrtausende, die er bereits überdauert hat, und lernt, dass er trotz aller Geselligkeit dabei schon oft einsam gelebt hat, nicht zuletzt, weil er immer über Jene, die bewahrt werden müssen wachen musste.
Aber auch bei Marius treffen wir natürlich alte Bekannte wieder. So taucht Mael, der Druide, der ihn zu dem alten Gott brachte, immer wieder auf, aber auch Pandora, Bianca und natürlich Armand spielen eine wichtige Rolle. Beinahe 1500 Jahre sucht er nach Pandora, bis er sie endlich wiederfindet.

Genauso wie „Armand der Vampir“ gehört „Blut und Gold“ für mich zu den absoluten Favoriten der Chronik und es ist das bisher einzige Buch der Reihe, das in meinen Augen keine Längen aufweist. Es ist von Beginn an spannend und interessant und ebenso wie „Armand der Vampir“ eine emotionale Geschichte, die einen sowohl lachen – manchmal vielleicht aufgrund von Marius‘ Charakter an unpassenden Stellen – als auch verzweifeln lässt.
Marius bekommt hier natürlich seine Chance, dass man ihn deutlich besser kennenlernt, was aber selbstredend auch darin resultiert, dass man weniger ehrenhafte Charakterzüge an ihm findet. Dabei schafft er es aber doch irgendwie, immer sympathisch zu bleiben.

Wer Armands Buch noch gut im Kopf hat, erinnert sich sicherlich auch an Santino mit seinen Ratten – ein Running Gag seitdem bei uns in der Bambusblatt-Zentrale. Natürlich erleben wir diese Geschichte hier aus Marius‘ Sicht und wo man Santino zuvor vielleicht noch ganz witzig fand, lernt man hier, ihn gemeinsam mit Marius zu hassen. Obwohl er erst so spät vorkommt, wird er doch irgendwie zum Antagonisten des Buchs, denn auch einem uralten und weisen Vampir wie Marius fällt es von Zeit zu Zeit schwer, alten Groll zu vergessen.

Mein größter Kritikpunkt an „Blut und Gold“ ist wahrscheinlich die Tatsache, dass man so wenig über Marius‘ sterbliche Zeit im Alten Rom erfährt. Ich verstehe die Entscheidung, finde es aber dennoch sehr schade, da es sicherlich spannend gewesen wäre. So wie es ist, ist die Geschichte aber dennoch sehr flüssig aufgeteilt, sodass sie durchgehend Spaß macht.
Der andere große Kritikpunkt besteht darin, dass Marius‘ und Armands Erzählungen von ein und derselben Begebenheit sich oft einmal ein wenig oder sogar stark voneinander unterscheiden. Da kann man jetzt rätseln, ob das an Anne Rice liegt, oder daran, dass die beiden Figuren sich unterschiedlich erinnern.

Auch bei diesem Buch muss man anmerken, dass die Inhaltsangabe etwas irreführend sein kann. Diese behauptet, Pandora leide an einer rätselhaften Krankheit, aufgrund derer sie sich nicht mehr an Marius erinnern könne, als der sie endlich findet. Davon konnte ich im Buch nichts merken.

Mein Fazit

„Blut und Gold“ ist neben „Armand der Vampir“ so ziemlich mein Favorit aus der Chronik der Vampire, aber damals, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe, wie heute sind auch Marius und Armand meine liebsten Figuren aus dieser Reihe.
Endlich bekommt Marius die Gelegenheit, die Geschichte seines zwei Jahrtausende währenden Lebens zu erzählen, und das lohnt sich auch. Er hat viel erlebt und er vermittelt dem Leser diese Geschehnisse sehr anschaulich und atmosphärisch.
Anne Rice hat mit „Blut und Gold“ ein spannendes Buch geschaffen, das ich jederzeit wieder lesen könnte. Über die kleinen Kritikpunkte kann ich dabei gut hinwegsehen.
Dennoch muss ich sagen, dass man „Pandora“, das zur Nebenreihe der Chronik gehört, am besten vorher gelesen haben sollte, denn dann hat man vermutlich das volle Leseerlebnis.
Als kleiner Fun Fact am Rande: „Blut und Gold“ sollte eigentlich der dritte Teil dieser Nebenreihe werden, aber es stellte sich heraus, dass es sich in der Chronik selbst viel besser machen würde.


Geschrieben von Roberta


Links zu „Blut und Gold“

Website der Autorin

Unsere Rezension zu Band 1 „Gespräch mit einem Vampir“
Unsere Rezension zu Band 2 „Der Fürst der Finsternis“
Unsere Rezension zu Band 3 „Die Königin der Verdammten“
Unsere Rezension zu Band 4 „Nachtmahr“
Unsere Rezension zu Band 5 „Memnoch der Teufel“
Unsere Rezension zu Band 6 „Armand der Vampir“
Unsere Rezension zu Band 7 „Merrick“

3 Kommentare zu „Rezension: Blut und Gold (Chronik der Vampire 8) (Anne Rice)“

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