Interviewrunde 2: Amalia – Autorin

Willkommen in der zweiten Runde der Interviews. Dieses Mal haben wir die Fragebögen je nach Tätigungsfeld umgestellt. Wenn Du Inspiration beim Ausfüllen brauchst, so stehen Dir eine Menge Autoreninterviews auf dem Blog zur Verfügung.
Behalte im Kopf: Das hier ist Dein Interview und Du darfst jeder Zeit Fragen auslassen!
Was Du allerdings nicht darfst – und da gab es in der letzten Runde teilweise wirklich Probleme mit:

  • Fragen auslassen ist in Ordnung, aber bitte lösche sie nicht aus dem Dokument, sondern lass sie stehen.
  • Verändere nichts an der Formatierung. Also was kursiv ist, bleibt kursiv, was dick ist, bleibt dick etc.
  • Verändere nicht die Reihenfolge der Fragen und bitte sieh möglichst davon ab, Fragen miteinander zu kombinieren!
  • Bitte schick das Interview als .doc oder notfalls als .docx (oder Papyrus) Format ein und nicht als zum Beispiel Apple Format.
  • Schick uns gerne noch Fotos von Dir oder Deinen Werken dazu. Links ebenso (diese speisen wir dann vernünftig mit ein). Bitte gib uns die Copyright-Angaben dazu.
  • Lies es am besten Korrektur, wir werden es nämlich nicht machen 🙂
Amalia Zeichnerin im Portait
(Copyright Amalia Zeichnerin)
  1. Fangen wir klassisch an. Möchtest Du uns etwas – oder auch viel – über Dich verraten?
    Wieso schreibst Du? Welche war Deine erste Geschichte? Wie sieht es mit Deinem Alltag aus? Familie, Job, Heimat, Haustiere? Was auch immer Du uns wissen lassen möchtest! Dieser Punkt gibt Dir die Freiheit, über Dich selbst zu erzählen. Immerhin bist Du der interessanteste Charakter in Deiner ganz eigenen Geschichte.

Ich war ein seltsames Kind, den Kopf oft in den Wolken, in Gedanken bei selbstausgedachten Geschichten. Oft habe ich mir die selbst im Stillen erzählt. Mit 17 habe ich dann zum ersten Mal einen Roman geschrieben, der handelte von Vampiren, denn ich hatte schon damals ein Faible für Phantastik. Den habe ich allerdings nie veröffentlicht und betrachte ihn bis heute als ausgedehnte Schreibübung. 😉 Ich lebe mit meinem Mann in Hamburg – ohne Kinder, ohne Haustiere – und war unter anderem in den letzten Jahren als Grafikdesignerin und Erzieherin tätig.

  1. Was hast Du bereits veröffentlicht? Wo kann man etwas von Dir finden? Verlag, Selbstverlag, gemischt, alles kostenfrei auf Deiner Website? Oder doch auf Seiten wie Fanfiktion?

    Ich schreibe in den Genres Phantastik, Historisches, Krimi und Romance, manchmal auch in Kombination, z.B. viktorianische Urban Fantasy. Oft mit queeren (LGBTIAQ+) Protagonist*innen, gern mit Diversität. Ich habe bereits über 20 Bücher veröffentlicht, hier ein Katalog, der sie auflistet.
  1. Gibt es Mitautoren? Stell sie ruhig vor! Haben sie auch etwas einzeln veröffentlicht? Du darfst gerne etwas Werbung machen! Wenn nicht, kannst Du es Dir vorstellen oder hattest einmal welche?

Nein, ich schreibe ausschließlich allein und habe kein Interesse daran, mit anderen Autor*innen zusammen eine Geschichte zu schreiben. Wenn ich Feedback brauche oder es im Plot hakt, frage ich meinen Alphaleser, meine Testleser*innen oder tausche mich mit Autorenkolleg*innen aus.

  1. Kennst Du den NaNo? Wenn ja, wie machst Du dort mit? Welche Erfolge hattest Du bereits? Oder siehst Du nur gerne zu, wie wir anderen Autoren uns im Schlamm wälzen? Hast Du noch nie davon gehört?

Ja, ich habe dort einmal mitgemacht, als Rebellin. Ich habe eine Novelle beendet. Allerdings muss ich dazu sagen, dass mir das ganze Drumherum im Forum zu viel war. Ich kann außerdem nicht gut unter (Zeit-)Druck arbeiten, deshalb werde ich dort in Zukunft nicht mehr mitmachen.

  1. Bist Du in einem Schreibforum aktiv? Warst Du es? Oder hältst Du nichts davon?

Ich bin Gründerin und Admin einiger Facebookgruppen für Literatur, »Diversität und Repräsentation«, »Urban Fantasy Literatur« und »Steampunkbibliothek«. Früher war ich in noch mehr Büchergruppen Admin, habe den Posten dort aber abgegeben aus Zeitmangel. Ich bin auch in einigen Autor*innengruppen bei Facebook. Darüber hinaus bin ich in keinem Forum aktiv.

  1. Welche Art Schreiber bist Du? Plotter? Pantser? Plantser? Oder doch eher etwas anderes?

Ich habe als Pantser angefangen und das ging überhaupt nicht gut, ich habe mich mehrfach völlig in Geschichten verfranst. Dann habe ich vor rund 6 Jahren den Schreibratgeber »Wie man einen Roman plant: Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg« von K. M. Weiland gelesen und seitdem plotte ich sehr gern, bzw. ich mache eine Mischung aus Plotten und entdeckendem Schreiben – ich lege ein grobes Grundgerüst an, lasse meinen Figuren dann aber eine Freiräume, die wir sozusagen gemeinsam erforschen.

  1. Gehörst Du zu den Schreibern, die alles in einem Dokument runter rattern und dann korrigieren oder zu denen, die für jedes Kapitel ein eigenes Dokument haben? Oder wie machst Du das?

Ich arbeite seit mehreren Jahren mit dem Autorenprogramm Scrivener, dort kann ich Kapitel und Szenen anlegen, was auch mit dem Plotten gut zusammenpasst. Meistens lege ich die Szenen nach den Perspektivträgern und nach Schauplätzen an.

  1. Welche Freizeitaktivitäten hast Du, die Dir beim Schreiben helfen? Zum Beispiel Bogenschießen oder Reiten.

Liverollenspiel (LARP), Zeichnen, Pen & Paper Rollenspiel. Das Rollenspiel hat mich schon mehrfach fürs Schreiben inspiriert, vor allem mein High Fantasy Roman »Vanfarin – Von Untoten und Totems« ist stark von Erlebnissen aus dem Liverollenspiel beeinflusst. Wie es dazu kam, das beschreibe ich in einem Nachwort. Das Zeichnen nutze ich unter anderem für Fantasylandkarten und Illustrationen. Ich fertige übrigens auch für andere Autor*innen Fantasylandkarten an. Hier kann man einige Arbeitsproben sehen.

  1. Welches Genre bedienst Du am Liebsten und weshalb eigentlich?

Don‘t make me choose. 😉 Ganz ehrlich, ich liebe die Abwechslung, deshalb schreibe ich in den oben genannten verschiedenen Genres und möchte keines davon missen. Sie alle bieten unterschiedliche Ansätze für Geschichten. In der Romance wird es romantisch und gefühlvoll, bei den Krimis kann man rätseln, in der Phantastik wird es fantasievoll und bei den historischen Büchern werde ich immer ein bisschen nostalgisch.

  1. Papier, Laptop, Notebook, Notizblock, Sprachmemos, Handy, Tablet, Bleistift, Füller, Kuli, malst Du Portraits oder Karten? Nenn uns Deine kleinen Helferlein. Auch gerne Programme – wie Papyrus! Gerne mit Empfehlungen.

Zu (Land-)Karten habe ich ja schon oben etwas geschrieben und wie gesagt, ich nutze Scrivener. Ich kann übrigens schneller tippen als handschriftlich schreiben, deshalb mache ich nur Notizen per Hand, alles andere immer am PC.

Da hatten wir nun die Fragen bezüglich Deiner Selbst. Je mehr Du uns erzählen willst, umso besser. Viele Autoren hatten in der letzten Runde Angst, dass sie viel zu viel geschrieben hätten. Aber das hat dann doch keiner geschafft (keine Herausforderung 😉 ).
Im Gegenteil hatten die meisten, die solche Angst hatten, kein außergewöhnlich langes Interview, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

  1. Man kennt es ja, eigentlich sollte man niemals seine Helden treffen. Manchmal ist es jedoch ganz cool – uns ist das zum Beispiel ein Mal passiert – hast Du schon einmal Deinen (Buch-)Helden getroffen oder würdest Du gerne? Wie ist es gelaufen/ wie würdest Du es Dir vorstellen?

Ich bin mittlerweile da eher tiefenentspannt, was das betrifft, seit ich selbst veröffentliche. Seitdem weiß ich halt aus eigener Erfahrungen, dass andere Auto*rinnen auch nur mit Wasser kochen 😉 Anders ausgedrückt: Es gibt keine Autor*innen, die ich so anhimmele, dass ich »starstruck« und sprachlos wäre, wenn ich ihnen begegnen würde. Es gibt einige Autor*innen, die ich sehr schätze und mit denen ich mit regelmäßig austausche, z.B. in meiner Twitter-Autor*innen-Bubble.

  1. Wo wir gerade bei Helden sind. Die Charaktere sind unsere (Anti-)Helden und halten uns auf Trab. Wie wichtig ist Dir ihre Tiefe? Oder magst Du es beim Lesen/Schreiben eher, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Zum Beispiel die Reise an sich und all ihre Spannung?

Das ist bei mir unterschiedlich. In meinen Phantastikbüchern gehe ich nicht allzu seher in die Gefühlstiefe bei meinen Held*innen, da geht es mir mehr um das Abenteuer und die Spannung.

  1. Wie viel Ärger bringen Dir Deine Figuren? Gehören sie, wie bei uns beim Bambusblatt, zu denen, die sich selbst benennen und Dir ihre Geschichte erzählen oder hast Du alles fest im Griff?

Ich arbeite zu Beginn immer mit einem Szenario. Im Fall meiner Buchreihe hieß das Szenario »Geister- und Dämonenjäger*innen im viktorianischen London«. Bei mir ist es nicht so, dass Figuren sozusagen an meiner Tür klingeln, sich vorstellen und mir dann ihre Geschichte diktieren. Zwar kommt es vor, dass mich Figuren beim Schreiben überraschen mit etwas, das sie tun, denken, fühlen oder sagen, aber im Großen und Ganzen bin ich die Erzählerin und behalte die Kontrolle über das, was meine Figuren tun.

  1. Oben wird es schon halb gefragt, aber: Nutzt Du Zeichnungen für Deine Charaktere? Programme, um sie genau zu erfassen, mit Stammbaum, Aussehen und dergleichen?

Nach einem Tipp meiner wunderbaren Autorenkollegin Ann-Kathrin Karschnick lege ich Excel-Tabellen an mit Steckbriefen, also mit Name, Alter, Beruf, Aussehen, Besoderheiten, Eigenschaften, Verbindungen zu anderen Charakteren und ähnlichem. Jede Figur erhält eine Spalte. Das ist vor allem hilfreich bei Büchern mit sehr vielen Figuren, nach meiner Erfahrung.
Ich habe mehrere Charaktere aus meiner Buchreihe »Berlingtons Geisterjäger« gemalt.
Victor Berlington war sogar ursprünglich auf dem Cover von »Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt«, aber nachdem mir mehrfach negatives Feedback dazu ins Haus segelte, habe ich das Cover geändert und nun ist dort nur noch eine stimmungsvolle, leicht düstere Landschaft mit einem Vollmond zu sehen.

  1. Die Frage gab es bereits beim letzten Mal, doch: Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein, denn wie gesagt, ich behalte die Kontrolle über meine Figuren.

  1. Wie sieht es mit realen Vorbildern aus?

Ich besetze meine Figuren im Geiste mit Schauspieler*innen. Ich frage mich, welche Schauspieler*innen meine Figuren am besten verkörpern könnten. Das hilft mir beim Schreiben sehr, mein inneres Kopfkino anzuwerfen. Teilweise besetze ich auch beim Lesen von Büchern anderer Autor*innen die Figuren mit realen Personen und auch das fördert mein Kopfkino.
Ein Freund, der wie ich Liverollenspiel spielt, hat mich direkt zu einer Figur in »Vanfarin – Von Untoten und Totems« inspiriert (bzw. der Charakter, den er im Liverollenspiel verkörpert). Ich habe ihn gefragt, ob ich seinen Charakter als Inspiration verwenden darf und er war damit einverstanden.
Bei meinem Buch »Love & Crime 101« geht es unter anderem darum, dass ein Schauspieler sich für queere Repräsentation in seiner Serie einsetzt. Dafür gibt es ein reales Vorbild: Oscar Isaac hat sich längerfristig für queere Repräsentation in »Star Wars« eingesetzt. Es ist ihm nicht gelungen, aber er hat es versucht. Ein Interview mit ihm, John Boyega und Daisy Ridley hat mich direkt zu meinem Roman inspiriert. Im Grund verdanke ich dieses Buch damit ihm.

  1. Welche ist Deine beste Figur? Beziehungsweise Deine am meisten Geliebte? Und welche ist genau das Gegenteil?

Meine beste Figur? Gute Frage. Mir ist Josephine Murray, meine Groschenromanautorin und Gelegenheitsdetektivin, sehr ans Herz gewachsen. Ihr zu Ehren steht ein kleines viktorianisches Portrait auf meinen Schreibtisch, das mich an sie erinnert. Diese Ehre hat sonst keine meiner anderen Figuren erhalten – allerdings habe ich einige meiner Figuren gemalt und die mag ich auch sehr. (siehe Frage 14).
Die Figur, die ich von allen am wenigstens mag, taucht in »Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt« auf, aber mehr kann ich dazu nicht verraten ohne zu spoilern, deshalb nenne ich auch nicht den Namen. 😉

  1. Wenn Du ungehorsame Figuren hast, wie würdest Du sie manchmal am liebsten „bestrafen“ (oder machst es im Buch sogar) oder was würdest Du ihnen gerne einmal freundlich ins Gesicht schreien?

Klar, manche Figuren würde ich gern gelegentlich schütteln, weil sie etwas glauben, das einfach nicht stimmt oder weil sie nicht mit ihren Liebsten reden, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Aber wie gesagt, ich behalte die Kontrolle über meine Figuren.

  1. Hast Du schon mal einen Charakter getötet, bei dem Du das eigentlich nicht wolltest? Denkst Du da an Konsequenzen? Oder hat doch mal einer überlebt, der eigentlich seine Zeit hinter sich hatte?

Nein. Ich überlege mir sehr gut, welche Charaktere sterben und welche nicht. Ich habe übrigens die feste Regel, dass bei mir keine queeren Hauptfiguren sterben. Es kann sein, dass sie leiden, krank werden, verletzt werden, aber sie sterben nicht. Denn jahrzehntelang wurde in Hollywood, in Büchern etc. der toxische Trope »Bury your gays« verwendet – queere Figuren tauchten nur um des Drama willen auf, litten ganz furchtbar, starben oft als einzige Figur.

  1. Hat eine traurige Szene in Deinen eigenen Werken Dich wirklich, und nicht nur so dahin gesagt, zu Tränen gerührt, weil die Figuren Dir so am Herzen lagen? Muss auch keine negative Szene sein, vielleicht haben sie sich endlich geküsst oder gar geheiratet? Vielleicht hast Du auch nicht mit ihnen gefühlt, sondern warst einfach nur sehr erleichtert, dass sie es gebacken bekommen haben?

Ja, klar. Ich bin immer mal wieder gerührt, vor allem bei den Romance-Büchern. Es hat mich sehr gerührt, eine Hochzeit zwischen zwei Männern zu schreiben, weil das ja noch nicht so lange möglich ist. Und es war für mich ähnlich rührend wie die reale Hochzeit von zwei meiner langjährigen Freunde.

Dann gehen wir nun einmal in die letzte Etappe!

  1. Als Autor bist Du vermutlich selbst Leser. Beschreibe uns doch gerne Deinen perfekten Leseabend, Lesemorgen oder wie auch immer Du liest. Ist das Notizbuch dabei stets gezückt? Stürzt Du Dich direkt auf jedes neue Werk Deines Lieblingsautors oder bist Du da eher „gildenfrei“ oder entspannt?

Ich habe ein Notizbuch auf dem Nachttisch liegen. Manchmal fällt mir nämlich kurz vor dem Schlafengehen noch irgendeine Idee ein, und dann muss ich nicht extra wieder aufstehen, um sie noch schnell aufzuschreiben. Was das Lesen angeht – ich hatte vier Jahre lang auf Facebook einen Buchblog und habe dort auch regelmäßig Rezensionen geschrieben. Ich gerate schnell in Fangirl-Modus, wenn meine Lieblingsautor*innen wieder ein neues Buch herausbringen. Leider ist allerdings bei mir seit Anbruch der Coronakrise im März eine Leseflaute. Ich schaffe es seit Monaten nicht, mich in die Geschichten anderer Autor*innen hineinzuversetzen und lese zurzeit nur Recherchematerial für eigene Bücher, Sachbücher und Nachrichten. Ich hoffe, das ändert sich bald mal wieder.

  1. Hast Du Dich schon einmal an eine Lesung getraut? Vielleicht ja nicht in einer Buchhandlung, aber eine Wohnzimmerlesung oder über einen Discordserver für Autoren? Das alles kommt ja immer mehr. Oder willst Du – verständlicherweise – niemanden einfach in Deine Wohnung lassen? Traust Du Dich laut vorzulesen?

Ich mache sehr gern Lesungen. Manche Leute sagen, Lesungen sind die Rockstarkonzerte der Autor*innen, und das kann ich gut nachvollziehen. Es macht mir viel Spaß, meinen Figuren auf diesem Weg ein wenig Leben einzuhauchen. Die Erfahrungen durchs Liverollenspiel, also die Verkörperung von Rollen ist mir sehr hilfreich. Ich hatte in den letzten Jahren eine ganze Reihe an Lesungen, oft auf Phantastikconventions, z.B. der Nordcon in Hamburg, sowie in einigen Lokalitäten hier in Hamburg.
Ich nehme auch Kurzlesungen zu meinen Büchern auf und unterlege sie mit passender Musik und Geräuschen.
Man kann sie hier hören und auch gratis herunterladen.
Oder als Videos in meinem Youtubekanal.

  1. Wo wir gerade bei Mut sind: Hast Du Dich schon einmal etwas getraut zu schreiben, bei dem Du am Ende dennoch da gesessen und Dich für mutig gehalten hast oder dumme Kommentare befürchten musstest?

Dazu kann ich drei Dinge erzählen:
Ich habe eine Reihe über eine lesbische trans Frau geschrieben (»Die mysteriösen Fälle der Miss Murray«), obwohl ich cis bin. Ich habe hin und her überlegt, ob ich das machen sollte oder nicht. Letztendlich habe ich mit dafür entschieden, denn dieser Charakter war für mich so lebendig und greifbar, dass ich unbedingt für sie Geschichten schreiben wollte. Ich habe dann mit Sensitivity Readern zusammengearbeitet, die trans sind.

Ich habe langjährige Erfahrungen mit Depressionen und habe zwei Bücher geschrieben über einen Protagonisten, der ebenfalls daran leidet. (»Die Rolle seines Lebens« und »An seiner Seite«). Das ist mir nicht leicht gefallen und in gewisser Weise zählen diese beiden Bücher zu den persönlichsten, die ich je geschrieben habe. Ich habe dazu aber sehr positives Feedback von Leuten erhalten, die ebenfalls an Depressionen leiden und sich in diesem Protagonisten wiederfinden konnten.

Vor kurzem habe ich eine queere Fantasy Novelle geschrieben (»Ein göttliches Paar«). Ich habe in den letzten Monaten mehrere genderqueere, nichtbinäre Menschen kennengelernt. In der Literatur werden sie leider (noch?) kaum repräsentiert und viele Leute regen sich sehr auf über Neopronomen, dabei sind diese oftmals ein wichtiger Teil der Indentität genderqueerer Menschen. Ich wollte gern eine genderqueere Figur in der Novelle haben und eine positive Repräsentation schaffen. Also habe ich dieser Figur das Neopronomen »sier« gegeben und sie so geschrieben, dass sie nur wenig Drama und Schmerz erlebt, sondern von ihrer Umgebung und dem Protagonisten so akzeptiert wird, wie sie ist. Ich hatte das Glück,auch dafür ein Sensitivity Reading zu haben. Allerdings hat sich in einer Rezension prompt jemand über das Neopronomen aufgeregt, dabei erwähne ich es sogar im Klappentext.

  1. Frage an (ehemalige) Selfpublisher: Machst Du Deine Cover selber oder leistest Du Dir einen Designer? Wie läuft es bei Dir in die ein oder andere Richtung ab?

Ich bin gelernte Grafikdesignerin und gestalte alle meine Selfpublishing-Cover selbst.
Ich greife dafür oft auch ein oder mehrere Fotos aus Stock-Agenturen zurück und gestalte dann daraus Montagen.

  1. Wie holst Du Dir Rezensenten? Wo findest Du sie? Welche Tipps (auch Blogs, wenn diese die Empfehlungen erlauben) hast Du?

Ich finde sie in den Social Media, z.B. die Gruppe »Rezensionsexemplare – Belletristik« auf Facebook. Es gibt auch mehrere Buchblogger-Gruppen auf Facebook, die sich auch zur Suche eignen. Mittlerweile habe ich einige Stamm-Rezensentinnen, die ich immer als erstes anschreibe.

  1. Wie gehst Du mit Rezensionen, negativ und positiv, um? Welche Tipps oder Anmerkungen hast Du für andere Autoren?

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo ich fast nur noch Rezensionen lese, wenn ich ausdrücklich darum gebeten werde oder wenn ich in engem Kontakt mit den Rezensent*innen stehe. Das klingt nun vielleicht arrogant, aber ich habe es schon sehr oft erlebt, dass ein und dasselbe Buch von mir von 1-Sterne-Rezis bis zu 5-Sterne-Rezis alles bekommen hat. Daraus leite ich ab, dass Rezensionen letztendlich Einzelmeinungen sind. Es gab einzelne Rezensionen von einigen Bekannten von mir, die sehr konstruktiv-kritisch waren, Solche lese ich gern, denn daraus kann ich noch viel fürs nächste Buch lernen. Wenn ich auf Rechtschreib-/Grammatikfehler hingewiesen werde, bedanke ich mich und bessere nach, ich lade dann eine korrigierte Fassung bei meinem Anbieter hoch. Ansonsten reagiere ich nicht auf Rezensionen.

Anderen Autor*innen würde ich folgendes mitgeben: Wie schon gesagt: Rezensionen sind Einzelmeinungen. Wenn dein Buch ausschließlich negative Rezis bekommt, würde ich an deiner Stelle schauen, ob du nachbessern kannst. Wenn du stattdessen eine bunte Mischung aus negativen und positiven Rezensionen erhältst, hast du vermutlich einfach nicht den Geschmack aller Lesenden getroffen. Denn: Nicht jedes Buch und jeder Lesende passen zusammen und du kannst es nie allen Leser*innen rechtmachen.
Wenn du eine negative Rezension erhältst, geh nicht darauf ein. Diskutiere nicht mit demjenigen, der sie geschrieben hat, das bringt in den meisten Fällen nichts und schafft nur »böses Blut«.
Rechne damit, dass du manchmal Rezensionen bekommst, die dir unlogisch, unfair oder völlig unverständlich erscheinen. Du weißt in Voraus nie, was Lesende in dein Werk alles hineininterpretieren werden.
Rechne auch damit, dass du Rezensionen bekommst, in denen massiv und ohne Vorwarnung gespoilert wird. Das ist ärgerlich, aber nicht alle Rezensenten verstehen es, wie ärgerlich Spoiler sind.
Und last but not least: Rezensionen wenden sich meistens in erster Linie an andere Lesende und sind nicht direkt als Feedback an Autor*innen gedacht. Feedback kannst du dir meistens besser bei den Testlesenden und im Lektorat abholen.

  1. Für alle, die schon mal beim Verlag veröffentlicht haben: Wie läuft dieser Prozess ab? Gibt es Tipps von Deiner Seite? Vor allem Geheimtipps und „nicht nur“, dass man es immer weiter versuchen soll? Wie ist das Gefühl, sein Werk in einer Buchhandlung zu sehen?

Ich habe bisher »nur« ein Verlagsbuch, einen viktorianischen Krimi, der im Dryas Verlag erscheint. Der Prozess dorthin war insofern ungewöhnlich, weil mich die Verlegerin Sandra Thoms selbst angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte für ihren Verlag ein Buch zu schreiben. Ich habe also gewissermaßen eine Auftragsarbeit geschrieben. Den Vertrag habe ich schon vorab erhalten und dann das Manuskript geschrieben. Ich denke, es gibt einfach nicht so viele deutschsprachige Autor*innen, die viktorianische Krimis schreiben, das ist eher ein Nischenthema. Ich kann also nicht viele Tipps geben, was die Verlagssuche betrifft. Von anderen Autor*innen weiß ich allerdings, dass auch die Suche nach einer Literaturagentur schwierig sein kann, bzw. dass viele Agenturen nur sehr gezielt Autorinnen aufnehmen. Ich würde als Autorin auf Verlagssuche mir auf jeden Fall Kleinverlage heraussuchen und nach solchen mit passenden Verlagsprogrammen schauen. Und genau lesen, in welcher Form Manuskripte oder Exposés angenommen werden, das steht in den meisten Fällen auf der Verlagswebseite. Hier gibt es übrigens eine nicht vollständige Liste deutschsprachiger Kleinverlage.
In einem Kleinverlag stehen die Chancen meistens besser als bei den großen Publikumsverlagen, auch für Nachwuchsautor*innen.

  1. Auch an die Selfpublisher, wie ist das Gefühl, sein Buch in der Handlung zu sehen? Und wie kommt ihr dorthin? Sprecht ihr zum Beispiel die Händler an?

Ich habe bisher noch keines meiner Bücher in einer Buchhandlung gesehen. Ich hoffe, dass ich eventuell mal später einen meiner viktorianischen Krimis für den Dryas Verlag in einer Buchhandlung finde.

  1. Möchtest Du jemanden grüßen? Menschen danken? Ihnen hier eine Spalte zur Verfügung stellen?

Vielen Dank an alle, die dieses Interview gelesen haben. Ich möchte mich auch bei allen Leuten bedanken, die meinen Büchern einen Teil ihrer Lesezeit schenken, ich weiß das sehr zu schätzen.

  1. Wie beim letzten Mal möchten wir Dir hiermit die Möglichkeit geben, Dich anzubringen, Deine Werke anzupreisen, Werbung zu machen. Und/oder ein Schlusswort hinzuzufügen.

Vielen Dank an euch für das Interview! Ich bin hier zu finden:
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Die 21 Cover von Amalia Zeichnerin.
(Copyright Amalia Zeichnerin)

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