Interviewrunde 2: Robert Deiss – Autor

Willkommen in der zweiten Runde der Interviews. Dieses Mal haben wir die Fragebögen je nach Tätigungsfeld umgestellt. Wenn Du Inspiration beim Ausfüllen brauchst, so stehen Dir eine Menge Autoreninterviews auf dem Blog zur Verfügung.
Behalte im Kopf: Das hier ist Dein Interview und Du darfst jeder Zeit Fragen auslassen!
Was Du allerdings nicht darfst – und da gab es in der letzten Runde teilweise wirklich Probleme mit:

  • Fragen auslassen ist in Ordnung, aber bitte lösche sie nicht aus dem Dokument, sondern lass sie stehen.
  • Verändere nichts an der Formatierung. Also was kursiv ist, bleibt kursiv, was dick ist, bleibt dick etc.
  • Verändere nicht die Reihenfolge der Fragen und bitte sieh möglichst davon ab, Fragen miteinander zu kombinieren!
  • Bitte schick das Interview als .doc oder notfalls als .docx (oder Papyrus) Format ein und nicht als zum Beispiel Apple Format.
  • Schick uns gerne noch Fotos von Dir oder Deinen Werken dazu. Links ebenso (diese speisen wir dann vernünftig mit ein). Bitte gib uns die Copyright-Angaben dazu.
  • Lies es am besten Korrektur, wir werden es nämlich nicht machen 🙂
  1. Fangen wir klassisch an. Möchtest Du uns etwas – oder auch viel – über Dich verraten?
    Wieso schreibst Du? Welche war Deine erste Geschichte? Wie sieht es mit Deinem Alltag aus? Familie, Job, Heimat, Haustiere? Was auch immer Du uns wissen lassen möchtest! Dieser Punkt gibt Dir die Freiheit, über Dich selbst zu erzählen. Immerhin bist Du der interessanteste Charakter in Deiner ganz eigenen Geschichte.

Angefangen hat es mit dem Schreiben, als ich im Sommer 2018 auf dem Campingplatz in Frankreich eine kreative Schreibübung ausprobiert hatte. Aus der eigentlich kurzen Übung ist ein über 600 Seiten schweres Buch entstanden, das gleichzeitig mein Debütroman „Der 6. Kreis – Fremde“ geworden ist.
Bevor dieses Jahr unser Sohn auf die Welt kam, war es gar kein Problem, jeden Tag ca. acht bis zehn Seiten zu schreiben (Die (un-)fertigen Skripte stapeln sich digital). Da meine Frau und ich selbständig sind, sind wir immer recht flexibel gewesen. Es geht nun zwar immer noch ganz gut, aber ab und an stellt der Kleine unseren gesamten Alltag komplett auf den Kopf.
Ansonsten genießen wir unser Leben auf dem Land, wo wir im eigenen Garten abseits vom Trubel schreiben und sein können.

  1. Was hast Du bereits veröffentlicht? Wo kann man etwas von Dir finden? Verlag, Selbstverlag, gemischt, alles kostenfrei auf Deiner Website? Oder doch auf Seiten wie Fanfiktion?

Fantasy-Roman: Der 6. Kreis – Fremde (HC und TB überall erhältlich / E-Book bei Amazon)

Kurzgeschichten mit losem Bezug zum 6. Kreis: Die verlorenen Schriften I, II, III (Als E-Books bei Amazon erhältlich)

„Mama, Papa & Knöpfchen – Zwei Schwangere reden mehr als eine(r)“ (TB überall erhältlich, E-Book bei Amazon)

Alle Bücher haben wir im Selbstverlag mit Amazon und/oder BoD/Twentysix veröffentlicht.

  1. Gibt es Mitautoren? Stell sie ruhig vor! Haben sie auch etwas einzeln veröffentlicht? Du darfst gerne etwas Werbung machen! Wenn nicht, kannst Du es Dir vorstellen oder hattest einmal welche?

Bisher habe ich nur gemeinsam mit meiner Frau an unserem Schwangerschaftsbuch geschrieben. An für sich habe ich kein Problem damit, auch einmal ein Gemeinschaftswerk mit einer anderen Person als meiner Frau zu schreiben. Es muss eben passen.

  1. Kennst Du den NaNo? Wenn ja, wie machst Du dort mit? Welche Erfolge hattest Du bereits? Oder siehst Du nur gerne zu, wie wir anderen Autoren uns im Schlamm wälzen? Hast Du noch nie davon gehört?

Tatsächlich musste ich erstmal googlen, was das ist. Verrückte, aber irgendwie auch nette Idee. Allerdings ist Schreiben für mich nie ein Wettbewerb gewesen, sondern eher eine Art der Meditation und vielleicht auch eine Art Zuflucht vom Alltagswahnsinn. Ich werde es mir wohl mal ansehen, wie das so abläuft.

  1. Bist Du in einem Schreibforum aktiv? Warst Du es? Oder hältst Du nichts davon?

Ich bin bisher in keinem Forum aktiv (Außer LB zählt dazu …). Das liegt daran, dass meine Zeit meist recht kurz ist und ich diese direkt zum Schreiben nutze. Abgesehen davon habe ich ein eingeschworenes Team, mit denen ich mich analog über verschiedene Texte austausche (bin da doch noch recht Steinzeitmäßig).

  1. Welche Art Schreiber bist Du? Plotter? Pantser? Plantser? Oder doch eher etwas anderes?

Bei mir läuft Schreiben immer nach Gefühl, also bin ich wohl vor allem ein Pantser. Da ich mich aber auch viel mit meiner Frau über die Skripte auseinandersetze und ab und an natürlich auch Hintergründe ergründen und planen muss, bin ich wohl auch ab und an ein Plantser. Plotten ist für mich gar nix. Kleine Anekdote: Ich hatte mal vor vielen Jahren versucht, einen Krimi zu schreiben. Da ich ein kleiner Perfektionist bin, wollte ich natürlich alles genau durchdacht und strukturiert haben, sodass nachher jeder über die Auflösung des Falls beeindruckt ist. Da dies aber mit so viel Kopf zu tun hatte, konnte ich mein Herz irgendwann nicht mehr dazu motivieren mitzumachen. Sprich: Es ist eine zwar durchdachte, aber leere Geschichte geworden. Respekt vor allen großen Krimiautoren!

  1. Gehörst Du zu den Schreibern, die alles in einem Dokument runter rattern und dann korrigieren oder zu denen, die für jedes Kapitel ein eigenes Dokument haben? Oder wie machst Du das?

Ich rattere alles in einem Dokument runter, weshalb ich auch zu alternativen Schreibprogrammen tendiere, da Word mit großen Textmassen nicht umgehen kann und das in der Vergangenheit schon zu seeeeeehr viel Frust geführt hatte.

  1. Welche Freizeitaktivitäten hast Du, die Dir beim Schreiben helfen? Zum Beispiel Bogenschießen oder Reiten.

Ganz unterschiedlich:
Reisen (Camper), Yoga, Fitness, Boxen, (polit.) Gespräche und Auseinandersetzung zu verschiedenen Themen, Gitarre spielen, Singen …

  1. Welches Genre bedienst Du am Liebsten und weshalb eigentlich?

Fantasy ist mein absolutes Lieblingsgenre. Das liegt einmal daran, dass mich selbst Fantasy-Romane (v.a. ältere Bücher) schon immer sehr verzaubert haben. Fantasy-Welten sind so schön und voller Bilder und Poesie. Noch in keinem anderen Genre konnte ich so tief eintauchen, wie bei einem guten Fantasy-Buch. Kein anderes Genre lässt meine Augen wieder leuchten wie zu Kindertagen. Kurz: Es macht einfach riesig Spaß, seinen Gedanken und Ideen freien Lauf zu lassen, ohne dabei an die Grenzen zu stoßen, die man in der Wirklichkeit beachten muss.

  1. Papier, Laptop, Notebook, Notizblock, Sprachmemos, Handy, Tablet, Bleistift, Füller, Kuli, malst Du Portraits oder Karten? Nenn uns Deine kleinen Helferlein. Auch gerne Programme – wie Papyrus! Gerne mit Empfehlungen.

Da ich häufig nachts aufwache und Ideen habe, liegt in Reichweite mein Handy, auf dem ich mir schnell Notizen aufschreiben kann.
Sonst nutze ich v.a. mein Macbook Pro, da Apple meiner Meinung nach einfach viel geeigneter ist, wenn man mit großen Textmassen, Grafiken und Programmiersprachen umgehen möchte (abgesehen davon hat man deutlich seltener mit nerviger Maleware, Abstürzen und lahmendem System zu kämpfen) als Windows.
Da ich bisher meine Karten selbst zeichne, nutze ich nicht nur das typische analoge Arsenal, sondern auch noch ein iPad Pro mit Procreate und Sketchbook sowie dem iPencil, Photoshop und zum Setzen der Bücher LaTeX (Kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen. Hat man sich eingearbeitet, will man es nicht mehr hergeben. Und das Beste: Es ist umsonst und hat ‘ne riesen Community, die einem so gut wie jede Frage beantworten kann. Und das noch ziemlich schnell. Wer noch immer Angst vor Codiersprache hat, sollte mal „LaTeX für Buchautoren“ von Helmut B. Gohlisch lesen. Das ist einfach geschrieben und fängt wirklich bei Null an.).
Da ich mit Word bei Texten über 300 Seiten echt Probleme hatte, bin ich jetzt mit Papyrus Autor am Arbeiten. Wirklich ein super Programm (nicht nur zum Schreiben, sondern auch hinsichtlich des Dudenkorrektors, Timeline, Stilanalyse, Lesbarkeit, Charakterdatenbank, u.v.m.). Und wenn man sich überlegt, wie viel einem an Frust usw. erspart bleibt, dann lohnt sich der Kauf auch vollends (von irgendwas müssen die Entwickler ja auch leben). Man merkt, dass dort beim Programmieren mitgedacht wurde.

Da hatten wir nun die Fragen bezüglich Deiner Selbst. Je mehr Du uns erzählen willst, umso besser. Viele Autoren hatten in der letzten Runde Angst, dass sie viel zu viel geschrieben hätten. Aber das hat dann doch keiner geschafft (keine Herausforderung 😉 ).
Im Gegenteil hatten die meisten, die solche Angst hatten, kein außergewöhnlich langes Interview, also gibt es keinen Grund zur Sorge.

  1. Man kennt es ja, eigentlich sollte man niemals seine Helden treffen. Manchmal ist es jedoch ganz cool – uns ist das zum Beispiel ein Mal passiert – hast Du schon einmal Deinen (Buch-)Helden getroffen oder würdest Du gerne? Wie ist es gelaufen/ wie würdest Du es Dir vorstellen?

Also eigentlich würde ich gern so gut wie jeden Charakter meines Buches mal treffen. Ob, um sie zu unterstützen, gegen sie zu kämpfen, oder auch mal einfach nur, um zu quatschen. Aber wenn ich mich jetzt auf einen Charakter festlegen müsste, wäre es wohl die liebe kleine Trollfrau Maki (aus dem 6, Kreis), die bisher allen Leser*innen, von denen ich gehört habe, stark ans Herz gewachsen ist. Auch wenn mir ihr Insekteneintopf gern erspart bleiben darf. Ich erweitere das frech einfach mal noch um einen Ort, denn wie gern würde ich den Wald der Träume besuchen …

  1. Wo wir gerade bei Helden sind. Die Charaktere sind unsere (Anti-)Helden und halten uns auf Trab. Wie wichtig ist Dir ihre Tiefe? Oder magst Du es beim Lesen/Schreiben eher, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Zum Beispiel die Reise an sich und all ihre Spannung?

Mir ist die Entwicklung der Charaktere sehr wichtig. Weshalb es auch manch Leser*in aufgestoßen ist, dass gerade Quinn (Hauptperson 6. Kreis) im ersten Buch noch recht unberechenbar ist. Er entwickelt sich vom Jugendlichen zum Erwachsenen und ist mit seinen Aufgaben häufig so überfordert, dass er sich nicht immer richtig verhält. Auch erfährt man noch nicht so viel von ihm. Man soll ihn während der Bücher Stück für Stück kennenlernen, ohne gleich schon alles zu wissen. So wie das im echten Leben auch häufig der Fall ist (zumindest habe ich noch keinen Menschen mit Biografie-Schild um den Hals in der echten Welt herumspazieren sehen). Trotzdem lernt Quinn im Laufe der Trilogie dazu und wird sich festigen. Wir alle kennen doch die anstrengenden Zeiten des inneren Wachsens. Die sind nie sonderlich angenehm, zeigen uns nicht nur von den guten Seiten und das darf man gern auch in Büchern mehr lesen, finde ich.

  1. Wie viel Ärger bringen Dir Deine Figuren? Gehören sie, wie bei uns beim Bambusblatt, zu denen, die sich selbst benennen und Dir ihre Geschichte erzählen oder hast Du alles fest im Griff?

Oh, meine Figuren haben mich schon um den Verstand gebracht. Ob es Quinn war, der sich einfach total daneben benommen hat, oder aber, weil jemand gestorben ist, der mir am Herzen lag. Aber es gab auch schon Situationen, in denen ich selbst lachend am Schreibtisch saß oder fast aufgesprungen wäre vor Freude aufgrund einer Charakterhandlung. Alles dabei. Eine Achterbahn der Gefühle.
Kurz: Nein. Ich habe gar nichts im Griff und meine Figuren zeigen mir ihre Welt ganz unverblümt (manchmal zu unverblümt).

  1. Oben wird es schon halb gefragt, aber: Nutzt Du Zeichnungen für Deine Charaktere? Programme, um sie genau zu erfassen, mit Stammbaum, Aussehen und dergleichen?

Ja und nein. Stammbäume usw. entstehen während des Schreibens und werden von mir festgehalten. Allerdings war ich noch nie mit einem Bild eines Charakters zufrieden, den man von vorn gesehen hat. Abgesehen davon möchte ich niemandem die eigene Fantasie rauben, indem ich Gesichter zeichnerisch vorgebe. Das ist dann wie bei Buchverfilmungen. Meist hat man sich die Personen eben doch anders vorgestellt und das enttäuscht dann nur.

  1. Die Frage gab es bereits beim letzten Mal, doch: Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Abbrechen nicht, aber pausieren. In einem meiner Skripte stirbt eine Person, von der ich es nie erwartet hätte. Das hat mich so aus dem Konzept gebracht, dass ich wirklich getrauert habe (das klingt verrückt, ich weiß). Immer wieder wollte und habe ich den Text verändert, aber jedes Mal bin ich im Leeren gestanden. Es hatte kein Weg daran vorbeigeführt und das hat dann ein halbes Jahr gedauert, bis ich weiterschreiben konnte, weil ich schlichtweg keine Lust mehr hatte.

  1. Wie sieht es mit realen Vorbildern aus?

Für die Figuren gibt es eigentlich keine Vorbilder. Klar, man wird von Buchcharakteren, echten Menschen und dem Leben immer beeinflusst und inspiriert. Aber, dass ich sagen könnte ‚Der Quinn, der ist wie der Horst aus der Zwillingsallee 18 in Haigerloch‘ … Das gibt es bei mir nicht.
Dafür habe ich ab und an ein paar Eastereggs versteckt, wenn man das bei Büchern so nennt … Aber die muss jeder selbst entdecken (bisher wurde noch (fast) keines entdeckt, was mich diebisch freut).

  1. Welche ist Deine beste Figur? Beziehungsweise Deine am meisten Geliebte? Und welche ist genau das Gegenteil?

Das ist einfach: Die kleine Trollfrau Maki und der weise Feuermagier Marten werden von mir am meisten geliebt. Der Eismagier Korbinian ist nicht gerade mein bester Freund. Aber auch hier kenne ich durch meine Skripte die Geschichten hinter den Personen und kann teilweise den Verlauf ihrer Entwicklung verstehen. Deshalb habe ich keinen Hass auf Korbinian und manchmal sogar Mitleid.

  1. Wenn Du ungehorsame Figuren hast, wie würdest Du sie manchmal am liebsten „bestrafen“ (oder machst es im Buch sogar) oder was würdest Du ihnen gerne einmal freundlich ins Gesicht schreien?

Fast jede Figur aus meinen Büchern wollte ich schon helfen, sie schütteln oder auch mal bekämpfen, aber das musste ich immer mit mir ausmachen. Auf die Bücher hatte das (hoffentlich) keine allzu große Auswirkung.

  1. Hast Du schon mal einen Charakter getötet, bei dem Du das eigentlich nicht wolltest? Denkst Du da an Konsequenzen? Oder hat doch mal einer überlebt, der eigentlich seine Zeit hinter sich hatte?

Oh, ja … Siehe Frage 15. Stephen King hat einmal in einem Vorwort zum ‚Der dunkle Turm‘ davon gesprochen, dass er bei jedem Buch die Sorge hat, dass einer seiner Lieblinge das Zeitliche segnen muss. Damals dachte ich ‚Dann lass sie eben nicht sterben und erspare uns Leser*innen diese Qual‘. Heute verstehe ich es sehr gut. Ich hatte noch nie eine Schreibblockade, doch jedes Mal, wenn ich in der laufenden Geschichte ein unumgängliches Schicksal abwenden wollte, kam ich beim Schreiben nicht weiter. Und nicht jedes Mal hat es gleich Sinn gemacht, warum diese und jene Person sterben mussten.

  1. Hat eine traurige Szene in Deinen eigenen Werken Dich wirklich, und nicht nur so dahin gesagt, zu Tränen gerührt, weil die Figuren Dir so am Herzen lagen? Muss auch keine negative Szene sein, vielleicht haben sie sich endlich geküsst oder gar geheiratet? Vielleicht hast Du auch nicht mit ihnen gefühlt, sondern warst einfach nur sehr erleichtert, dass sie es gebacken bekommen haben?

Oh, ständig. Gerade wenn es zur Sache geht (nicht erotisch gemeint), war ich nach dem Schreiben häufig fix und alle. Ob bei Kämpfen, hitzigen Gesprächen, oder krassen Ereignissen (liegt vielleicht aber auch daran, dass ich nahe am Wasser gebaut bin …).

Dann gehen wir nun einmal in die letzte Etappe!

  1. Als Autor bist Du vermutlich selbst Leser. Beschreibe uns doch gerne Deinen perfekten Leseabend, Lesemorgen oder wie auch immer Du liest. Ist das Notizbuch dabei stets gezückt? Stürzt Du Dich direkt auf jedes neue Werk Deines Lieblingsautors oder bist Du da eher „gildenfrei“ oder entspannt?

Der perfekte Abend sieht so aus: Kind schläft, Frau liest ebenfalls und ich bin nicht müde (es gibt doch nichts Schlimmeres, als dass man lesen mag und einem bei der ersten Seite schon ständig die Augen zufallen). Natürlich gehört dazu auch ein gutes Buch, in dem ich für die nächsten Stunden verschwinden kann.
Bei Büchern achte ich meist schon auf die Autoren. Denn häufig bin ich auf tolle Cover reingefallen. Aber das beste Cover bringt nichts, wenn der Text leer ist. Also meistens verlasse ich mich nicht auf Hypes oder Rezensionen, sondern gehe in den Buchladen und schmökere, bis ich ein passendes Buch gefunden habe. Außer natürlich, wenn von einem meiner Lieblingsautor*innen ein neues Buch erschienen ist.

  1. Hast Du Dich schon einmal an eine Lesung getraut? Vielleicht ja nicht in einer Buchhandlung, aber eine Wohnzimmerlesung oder über einen Discordserver für Autoren? Das alles kommt ja immer mehr. Oder willst Du – verständlicherweise – niemanden einfach in Deine Wohnung lassen? Traust Du Dich laut vorzulesen?

Jein. Ich war nur mal bei einer Lesung meiner Frau beteiligt. Selbst habe ich noch keine Lesung veranstaltet, was jetzt während Covid-19 auch super schwierig ist.
Da ich meiner Frau häufig vorgelesen habe, ist das für mich kein Thema für mich vorzulesen. Aber in der eigenen Wohnung würde ich nun doch keine Lesung abhalten.

  1. Wo wir gerade bei Mut sind: Hast Du Dich schon einmal etwas getraut zu schreiben, bei dem Du am Ende dennoch da gesessen und Dich für mutig gehalten hast oder dumme Kommentare befürchten musstest?

Also tatsächlich habe ich bei jeder Buchveröffentlichung erstmal ein beklemmendes Gefühl. Da schreibt und arbeitet man so lange an einem Buch und nachher kommt da irgendjemand her und urteilt darüber. Aber mittlerweile wird es besser und zumindest die Selbstzweifel werden etwas weniger (oder man geht vielleicht auch besser damit um).
Aber explizit ging mir das tatsächlich bei unserem Schwangerschaftsbuch so (Mama, Papa & Knöpfchen – Zwei Schwangere reden mehr als eine(r)). Da nicht ich, sondern meine Frau eher Bücher in der Richtung schreibt, war ich anfangs noch nicht ganz so Feuer und Flamme bei der Idee ein Buch zu schreiben, in dem wir über unsere Schwangerschaft erzählen. Ich als Fantasy-Autor … Als wir uns aber entschieden haben, dass wir wirklich ohne Zurückhaltung jegliche Gedanken, alle Fettnäpfchen, alle Hochs und Tiefs mit einbringen, war ich auch auf den Zug aufgesprungen. Am Ende ist ein echt humorvolles Buch rausgekommen, aber als es erstmal veröffentlicht wurde … Puh, da kam ich mir schon so vor als wäre ich nackt über die Einkaufsstraße einer größeren Stadt gelaufen. Und da Schwangerschaft ein ziemlich heiliges Thema ist, hatte ich schon Sorge, ob wir mit manchen Aussagen und Pannen den ein oder anderen Shitstorm auslösen könnten. Glücklicherweise war das bisherige Feedback dann doch nicht Shitstormlastig.

  1. Frage an (ehemalige) Selfpublisher: Machst Du Deine Cover selber oder leistest Du Dir einen Designer? Wie läuft es bei Dir in die ein oder andere Richtung ab?

Also für die Cover haben wir einen Grafiker und selbst für die eigens entworfenen Karten und Illustrationen lassen wir den Grafiker nochmal drüber gehen, dass es auch wirklich passt.

  1. Wie holst Du Dir Rezensenten? Wo findest Du sie? Welche Tipps (auch Blogs, wenn diese die Empfehlungen erlauben) hast Du?

Also da ich selbst häufig nicht viel auf Rezensionen gebe (teilweise gekauft, teilweise aufgrund der Fanbase entstandene 5*-Bewertungen usw.), forciere ich das nicht sonderlich. Die meisten Rezensionen bei mir entstehen allerdings durch analoge und digitale Leserunden. Bloggererfahrung habe ich leider nicht immer die beste gemacht, weshalb ich dort nur wenig unterwegs bin.

  1. Wie gehst Du mit Rezensionen, negativ und positiv, um? Welche Tipps oder Anmerkungen hast Du für andere Autoren?

Also anfangs hat mich jede Rezension getroffen. Die Guten, weil ich Sorge hatte, ob ich diese weiterhin nicht enttäuschen werde und die Schlechten, weil ich danach das Gefühl hatte, ich wäre der größte Versager. Mittlerweile habe ich aber einfach einen größeren Abstand dazu gewonnen. Die Geschmäcker sind verschieden und man darf nie vergessen, dass es nun mal Menschen gibt, die gern ausführliche Bücher lieben wie Tolkien und welche, die Bücher lieben, die super schnell in Fahrt geraten wie z.B. Harry Potter. Oder natürlich diejenigen, die beide mögen.
Für die einen bedeuten drei Sterne viel, für andere wiederum ist eine drei-Sterne-Bewertung ein Ritterschlag, weil sie das Buch mit den Weltbestellern vergleichen. Da sehen drei Sterne neben einem Tolkien (fünf Sterne) – Buch gleich ganz anders aus. Lange Rede kurzer Sinn: Man kann es nie allen recht machen und wenn man sich beim Schreiben darauf konzentriert, es allen recht machen zu wollen, wird man nur Mittelmaß schaffen. Man sollte sich einfach auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen, daran wachsen und die Rezensionen eher als Hinweis auf mögliche Besserung verstehen. Man sollte sich die Frage stellen: Hat mir die Person damit helfen können oder war es reines Bashing? Mehr nicht.
Einfach gesagt, ich weiß und es wird mir wahrscheinlich auf ewig einen kurzen Stich versetzen, wenn jemand wieder eines meiner Bücher kritisieren sollte, aber so ist das nun mal mit Kreativität. Manche sehen in einem roten Fleck an der weißen Wand den neuen Picasso, andere würden es eher im Kindergarten aufhängen.

  1. Für alle, die schon mal beim Verlag veröffentlicht haben: Wie läuft dieser Prozess ab? Gibt es Tipps von Deiner Seite? Vor allem Geheimtipps und „nicht nur“, dass man es immer weiter versuchen soll? Wie ist das Gefühl, sein Werk in einer Buchhandlung zu sehen?
  1. Auch an die Selfpublisher, wie ist das Gefühl, sein Buch in der Handlung zu sehen? Und wie kommt ihr dorthin? Sprecht ihr zum Beispiel die Händler an?

Es ist ein schönes Gefühl. Wir versuchen es immer mit regionalen Buchhändlern. Am besten ist es, wenn es nicht zu kleine Buchhandlungen sind, denn die ganz kleinen sind leider meist nicht in Bücherdatenbanken wie Adlibris usw. vertreten und können damit nicht auf Kommission bestellen.
Sonst muss man den Händlern nämlich Bücher auf eigene Kommission geben und davon kann ich nur abraten (seehr schlechte Erfahrungen damit gemacht).

  1. Möchtest Du jemanden grüßen? Menschen danken? Ihnen hier eine Spalte zur Verfügung stellen?

Huhu meine kleine Familie 😛
Alle, die bis jetzt durchgehalten haben. Ihr seid spitze

  1. Wie beim letzten Mal möchten wir Dir hiermit die Möglichkeit geben, Dich anzubringen, Deine Werke anzupreisen, Werbung zu machen. Und/oder ein Schlusswort hinzuzufügen.

An Alle Freunde von Fantasy, frei von wilden Sexeskapaden und Körperbeschreibungen à la Twilight (Stichwort: Edwards Brust – no hate): Schaut doch mal ‘ne Leseprobe von „Der 6. Kreis – Fremde“ an. Vielleicht ist die Art der Fantasy was für euch (Als HC und TB überall erhältlich wo es Bücher gibt. E-Book bei Amazon).

Weitere Geschichten:

„Die verlorenen Schriften I-III“ (aktuelle Themen wie Verschwörungsmythen, Machtgier und Umwelt in drei Kurzgeschichten in die Welt des 6. Kreises eingebettet, aber unabhängig).

Solltet ihr mehr an ‘realen‘ Büchern interessiert sein, gibt es auch noch weitere Bücher von uns (meiner Frau und mir):
Mama, Papa, Knöpfchen und ich – Zwei Schwangere reden mehr als ein(r) (Kera und Robert Deiss – unverblümt, ehrlich und humorvoll)
Hässliches Entlein war gestern (Kera Deiss über ihre überwundene Essstörung – Finalist beim Kindle Storyteller X – Award von 2017)+
Lieblingskörper – Wohlfühlich statt Wunschgewicht (Kera Deiss: Ein Jahresbegleiter und Ratgeber mit Übungen, Texten und Ausmalmandalas für etwas mehr Selbstfindung -garantiert ohne ‚die sechs Schritte zum Bliblablubb‘-)
Vom Mädchen zum Model: Faszination Germany’s Next Topmodel (Kera Deiss – populärwissenschaftliche Auseinandersetzung)

Sonst sind wir noch auf Facebook und Twitter vertreten. Unter „Kera und Robert Deiss“ solltet ihr uns finden.

Da ich in Schlussworten schlecht bin gibt’s ein High5 und ein Tschö mit Ö. Merci!

Robert

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