Rezension: Der Fürst der Finsternis (Chronik der Vampire 2) (Anne Rice)

Anne Rice - Der Fürst der Finsternis (Chronik der Vampire 2)
(Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Der Fürst der Finsternis“ von Anne Rice ist der zweite Teil der Chronik der Vampire, im englischsprachigen Original unter dem Titel „The Vampire Lestat“ erschienen und bei uns in Deutschland vom Goldmann Verlag publiziert.

„Der Fürst der Finsternis“ bildet zwar den zweiten Teil der Chronik, ist jedoch kein direkter Nachfolger von „Gespräch mit einem Vampir“, denn in diesem Buch begleiten wir nicht Louis auf seiner Reise, sondern seinen Schöpfer Lestat.
Nach den Ereignissen aus dem ersten Band hat Lestat sich zur Ruhe gebettet und Jahrzehnte lang geschlafen. Als er nun wieder aufersteht, schreiben wir bereits das Jahr 1984 und aus allen möglichen Lautsprechern dröhnt Rockmusik. Lestat ist augenblicklich begeistert und fasst einen Entschluss. Er will sich diesen schillernden Gestalten anschließen und auf einer Bühne stehen. Er möchte, dass die Menschen ihn kennen. Aber vor allem möchte er damit auch seine alten Gefährten aus ihren Verstecken und zu sich locken, ob er damit einen Krieg riskiert oder nicht. Denn so flegelhaft Lestat auch sein mag, auch ihm ist klar, dass die anderen seiner Art nicht begeistert sein werden, wenn er all ihre Geheimnisse ausplaudert.
Welche genau das sind, erfahren wir als Leser in der Autobiografie, die er daraufhin schreibt und aus der der Großteil des Buches besteht.
Dort schildert uns Lestat von seinem Leben im Frankreich des späten achtzehnten Jahrhunderts, als er noch ein Sterblicher und vom verarmten Landadel war. Er erzählt uns, wie er mit 21 Jahren nach Paris reist, um dort Schauspieler am Theater zu werden, wie er vom Vampir Magnus aus seinem Zimmer entführt und zum Untoten gemacht wird.
Schon etwa zu dieser Zeit treffen wir dabei auf einen alten Bekannten aus „Gespräch mit einem Vampir“: Armand, über den wir hier wesentlich mehr erfahren.
Aber im Laufe der Geschichte lernen wir auch immer weitere Vampire kennen, die auch in den späteren Büchern noch wichtige Rollen spielen werden. So zum Beispiel Marius de Romanus, der Lestat seine eigene Geschichte erzählt und dabei „jene, die bewahrt werden müssen“ ins Spiel bringt. Dieser Erzählstrang bildet die gut durchdachte Vorgeschichte zum Folgeband „Die Königin der Verdammten“. Aber Marius erzählt uns auch mehr über die Vampire an sich und auch hier wird deutlich, wie sehr sich die Sichtweise von ein und derselben Geschichte unterscheiden kann. Denn natürlich greift Lestat auch die Geschehnisse aus „Gespräch mit einem Vampir“ auf, erzählt dabei aber seine Sicht der Dinge, die sich in vielen Punkten sehr stark von Louis‘ unterscheidet. Spätestens das rückt Lestat in ein deutlich sympathischeres Licht.

Obwohl der Schreibstil sich nicht allzu sehr vom Vorgänger unterscheidet, wirkt er in diesem Buch deutlich ausgereifter, und auch die behandelten Themen sind im Grunde noch dieselben. Wie geht man mit der Unsterblichkeit um, wenn sie einem einmal geschenkt oder aufgezwungen wurde? Was ist das Böse oder Gute? Und was davon hat man als Vampir eigentlich selbst verdient?
Die Chronik der Vampire bleibt also gewohnt philosophisch, ohne dabei zu vergessen, dass sie auch Unterhaltungsliteratur darstellt.

Mein Fazit

„Der Fürst der Finsternis“ bildet ein wundervolles Bindestück zwischen „Gespräch mit einem Vampir“, da wir hier mehr über Lestat und seine Beweggründe erfahren, und „Die Königin der Verdammten“, da in diesem Band die folgende Geschichte bereits aufgebaut und eingeleitet wird – und das nicht nur, weil das Buch mit einem gemeinen Cliffhanger endet.
Wir treffen Charaktere aus „Gespräch mit einem Vampir“ wieder wie zum Beispiel Armand und am Ende der Geschichte erwartet uns auch ein stimmiges Wiedersehen mit Louis.
Wir erfahren mehr über die Vampire im Allgemeinen, lernen schon später wichtige Figuren kennen und gewohnt philosophisch bleibt Anne Rice in ihrem Roman auch.
Wer also „Gespräch mit einem Vampir“ genossen hat, wird sicherlich auch „Der Fürst der Finsternis“ lieben und es kaum erwarten können, den darauffolgenden Band „Die Königin der Verdammten“ zu lesen.


Geschrieben von Roberta


Linksektion

Website der Autorin

Unsere Rezension zum Vorgänger „Gespräch mit einem Vampir“
Unsere Rezension zur Forsetzung „Die Königin der Verdammten“

10 Kommentare zu „Rezension: Der Fürst der Finsternis (Chronik der Vampire 2) (Anne Rice)“

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