Rezension: Gespräch mit einem Vampir (Anne Rice)

(Copyright Cover: Goldmann Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Gespräch mit einem Vampir“ von Anne Rice erschien im Original erstmals 1976 als „Interview with the Vampire“, bei uns im Deutschen hat es mehrere Ausgaben mit unterschiedlichen Titeln erhalten.
Erstmals erschien es in Deutschland 1978 als „Schule der Vampire“, später als „Gespräch mit dem Vampir“ 1989, als „Interview mit einem Vampir“ 1994 und als „Gespräch mit einem Vampir“ 2004. Letzteres ist die Ausgabe, die ich gelesen habe und auf die ich mich in dieser Rezension auch beziehen werde. Sie wurde vom Goldmann Verlag herausgebracht, der sich auch der Folgeteile angenommen hat.

„Gespräch mit einem Vampir“ ist der Auftakt der Chronik der Vampire der US-amerikanischen Schriftstellerin und wurde 1994 auch als „Interview mit einem Vampir“ verfilmt mit Tom Cruise, Brad Pitt und einer noch sehr jungen Kirsten Dunst in den Hauptrollen.

Die Geschichte beginnt mit dem Vampir Louis, der einem jungen Sterblichen von seinem Leben erzählen möchte und sich dafür auf ein Interview mit ihm einlässt, das die ganze Nacht andauert. Er erzählt davon, wie er auf der Plantage seiner Familie in Louisiana gelebt hat, bis sein Bruder starb und eines Nachts der Vampir Lestat zu ihm kam, schön und verlockend. Louis, der nicht mehr leben wollte, aber auch nicht den Mut hatte, seinem Leben selbst ein Ende zu bereiten, lässt sich von dem Vampir um den Finger wickeln und wird von ihm verwandelt.
Er ist fasziniert von der Art, wie er nun die Dinge sieht, doch schnell wird ihm klar, dass Lestat diese Faszination und den Wissensdurst nicht teilt. Stattdessen findet der ältere Vampir unbändige Freude im Töten.
Louis fällt regelrecht in ein Loch aus Melancholie und Selbsthass, in ein Dilemma zwischen seinem Verlangen nach Blut und Tod und seinem moralischen Empfinden. Als er sich endlich dazu durchringen kann, Lestat zu verlassen, verwandelt dieser ein kleines Mädchen, Claudia, in einen Vampir und die Katastrophe nimmt schließlich ihren Lauf.

Ursprünglich gab es zu den Vampiren nur eine Kurzgeschichte, letztendlich hat Anne Rice jedoch einen Roman daraus gemacht, in dem sie den frühen Tod ihrer Tochter verarbeitet. Sie beschäftigt sich in „Gespräch mit einem Vampir“ mit Themen wie der Unsterblichkeit und ihrer Bedeutung, in allen Charakteren auf unterschiedliche Art verkörpert. Über die Details möchte ich in diesem Fall gar nicht so viele Worte verlieren, denn die sind für die ganze Geschichte sehr wichtig und das würde nur unnötig spoilern.
Ich habe das Buch zum ersten Mal gelesen, als ich 15 war. Schon damals wurde es zu meinem absoluten Lieblingsbuch, aber ich denke, dass ich erst jetzt, 13 Jahre später, die richtige Tiefe verstehen kann, die dahintersteckt. Es ist auf jeden Fall keine Geschichte, die man mal eben so nebenbei lesen kann oder sollte. Und auch dem Schreibstil merkt man an, dass die Entstehung des Romans schon einige Jahrzehnte zurückliegt. Wenn man darüber aber hinwegsehen kann oder das vielleicht sogar mag und sich die Zeit und Geduld nimmt, sich auf diese Geschichte einzulassen, erlebt man eine tiefgründige Reise durch die Jahrhunderte. Man merkt deutlich, wie viele Gedanken Anne Rice sich bei ihrem Roman gemacht hat und wie viel Leidenschaft und Herzblut dahinterstecken.

Die Geschichte wird sehr von den Charakteren getragen. Es ist Louis, der von seinem Leben erzählt, und seine Melancholie tropft wirklich aus jeder Seite. Das mag in manchen Momenten anstrengend sein, macht aber auch den einmaligen intensiven Erzählton der Geschichte aus. Lestat, der sich wenig um Louis‘ Gejammer kümmert, bildet einen guten Gegenpol dazu und Claudia siedelt sich irgendwie in ihrer Mitte an. Gemeinsam sorgen die drei dafür, dass „Gespräch mit einem Vampir“ nie langweilig und nur selten etwas langatmig wird.
Ich würde sagen, mit knapp 300 – wenn auch sehr klein bedruckten – Seiten gibt es ein kurzweiliges Lesevergnügen her, doch das bietet die Thematik einfach nicht. Wer sich dennoch nicht abgeschreckt fühlt, dem kann ich die Vampirchronik nur ans Herz legen. Alleine die Figuren und ihre Beziehungen untereinander sind es wert.

Wenn es einem gefällt, sollte man auf jeden Fall auch die Folgebände lesen, denn Louis erzählt die ganze Geschichte aus einer sehr persönlichen Sicht, die sich in vielen Punkten von Lestats Empfinden stark unterscheidet. In den folgenden Teilen lernt man Lestat besser kennen, aber auch Vampire wie Armand und Marius kommen zu Wort und schleichen sich unter Umständen in die Herzen der Leser.

Mein Fazit

„Gespräch mit einem Vampir“ mag ein wenig altbacken und mit der Bedeutung der Unsterblichkeit auch keine seichte Lektüre sein, doch meiner Meinung nach lohnt es sich total. Die Vampire sind hier noch eher klassisch angehaucht (wenn man die ganz alten Vampire einmal außer Acht lässt). Sie sind überirdisch schön, müssen Blut trinken (und töten meistens gerne) und verbrennen in der Sonne. Viele von ihnen kämpfen mit dem Dilemma, das die Unsterblichkeit mit sich bringt, und suchen sich in ihrem untoten Leben immer wieder neue Gefährten, mit denen sie einen Teil dieser Reise teilen können.
Wer gewillt ist, sich auf diese melancholisch dramatische Geschichte um die Bedeutung der Unsterblichkeit einzulassen, wird eine spannende Reise erleben, die nicht nur von Blut trinken und töten geprägt ist, sondern ganz klar auch von Faszination und Liebe.

Geschrieben von Roberta


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Website der Autorin

Unsere Rezension zu Band 2 „Der Fürst der Finsternis“
Unsere Rezension zu Band 3 „Die Königin der Verdammten“
Unsere Rezension zu Band 4 „Nachtmahr“
Unsere Rezension zu Band 5 „Memnoch der Teufel“
Unsere Rezension zu Band 6 „Armand der Vampir“
Unsere Rezension zu Band 7 „Merrick“
Unsere Rezension zu Band 8 „Blut und Gold“

Unsere Rezension zu „Pandora“ aus der Neuen Chronik der Vampire

9 Kommentare zu „Rezension: Gespräch mit einem Vampir (Anne Rice)“

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