Rezension: Das Wunder von R (Francesca Cavallo)

(Copyright Cover: Mentor Verlag
Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Das Wunder von R“ ist ein illustriertes Kinderbuch über den Geist der Liebe und der Weihnacht, geschrieben von Francesca Cavallo und verlegt vom Mentor Verlag aus Berlin, erschienen am 30.09.2020.
Das Buch wurde uns freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und hat nun, wo wir langsam zur Weihnachtszeit kommen, endlich seinen Auftritt.


„Das Wunder von R“ hat zwar das empfohlene Alter von 8-10 Jahren, kann aber auch genau das Richtige für Erwachsene sein.
In diesem wunderschönen Buch geht es nicht einfach nur um eine Weihnachtsgeschichte. Es geht um Magie und es geht um die Liebe.
Isabella und Dominique sind zwei Frauen, die sich über alle Maße lieben und drei Kinder zu ihrer Familie zählen. Manuel, der bereits ganz gut lesen und schreiben kann, Camila, die Ruhigere, die aber ebenfalls schon etwas mit dem geschriebenen Wort anfangen kann, und die Jüngste im Bunde, Shonda, die gerade einmal gelernt hat, wie man krakelig ihren Namen zu Papier bringt, die ansonsten mit Lesen und Schreiben allerdings noch nichts am Hut hat.
Drei sehr junge Kinder also, die mit ihren Müttern fliehen mussten, weil die Regierung auf einmal beschlossen hat, dass homosexuelle Familien etwas sind, das nicht sein darf. Bevor die beiden Mamas also ins Gefängnis wandern und die Kinder ins Waisenhaus verfrachtet werden, flieht die Familie in die Stadt „R“, in der nicht nur die Straßennamen amüsant sind, sondern in der auch nie etwas Schlimmes passiert.
Was zunächst wundervoll klingt, zeigt allerdings bald seinen Preis. Denn Bürgermeister Öde macht seinem Namen alle Ehre und hält die Bevölkerung an ein Leben, das eintönig und langweilig ist. Fremde Menschen sind nichts, was man haben möchte, und man ignoriert sie am besten. Wenn jeder für sich bleibt, gibt es keine Katastrophen.

„Das Wunder von R“ überzeugte mich von Anfang an.
Zunächst haben wir eine wunderschöne Bindung, mit einem herrlich schönen Cover, das mich sehr an „Hinter verzauberten Fenstern“ von Cornelia Funke erinnert hat. Man sieht gleich die Magie, die dieses Buch ausstrahlen soll. Der leicht raue Umschlag des Hardcovers fühlt sich wundervoll in der Hand an.
Wenn man es aufschlägt und vorsichtig zwischen den dicken Seiten herumblättert, sieht man warme, schöne Illustrationen, genau richtig für ein Kinderbuch.

Was den Text betrifft, so fängt es sogleich mit einem Vorwort an, das einen nachdenken lässt. Die Autorin schreibt von ihren eigenen Erfahrungen und möchte selbst darauf hinweisen, dass auch Kinder das Thema Liebe bereits verstehen und dass Liebe tief verwurzelt im Herzen der Menschen ist.
Dieser Wunsch, dass zwar jede Liebe etwas Besonderes ist, aber homosexuelle Familien nicht mehr als etwas Außergewöhnliches sondern Normales betrachtet werden sollten, ja, dass sich auch Literatur, gerade Weihnachtsliteratur mehr an das Thema heranwagen sollte, spürt man in jeder Seite der Geschichte.
Natürlich muss ein erwachsener Kopf hier und da bedenken, dass es ein Buch für Kinder ist, aber vielleicht ist es auch genau an der Zeit, nochmals sein inneres Kind herauszulassen und einfach nur sein Herz zu öffnen, fortzugehen von eingefahrenen Erwachsenenmechanismen.
Doch auch, wenn man mit Kinderaugen auf die Figuren, die Stadt und die Geschichte blicken sollte, so habe ich dennoch eine kleine Anmerkung bezüglich der Logik. So lädt Dr. Leichtfuß unter einem Vorwand ein paar Erwachsene ein, den ich leider selbst für ein Kinderbuch als zu unglaubwürdig empfunden habe.
Auch so viele Kinder, anscheinend 230119, hätte ich in dieser Stadt nicht erwartet. Wenn man keine Fremden in seinem Leben zulässt, wie finden sich dann neue Familien zusammen? Gerade in einem Kinderbuch, das so sehr auf das Thema Liebe und Familie eingeht, stellte sich mit die Frage kontinuierlich immer wieder.
Gerade wegen dieser Fragen und eben, da es ein Buch für Kinder oder Familien ist, könnte ich mir eine ähnliche Geschichte sehr gut länger und für Erwachsene geschrieben vorstellen. Ich würde es auf jeden Fall lesen, denn auch wenn die Formatierung der wörtlichen Rede, keine Zeilenumbrüche, alle reden durcheinander, in einen Absatz gequetscht, ein wenig ungünstig war, hat mir die Geschichte sehr zugesagt.
Eine kleine Anmerkung habe ich allerdings noch, die sich jedoch nicht in eine Diskussion ausweiten sollte: Während das Vorwort zwar mit „liebe Leserinnen und Leser“ eingeleitet wurde, wurde an einer anderen Stelle im Vorwort und im Text darauf verzichtet. Im Fließtext ist so etwas immer schwieriger, aber gerade ein Kinderbuch hätte sich gut für ein „Für alle Postboten und Postbotinnen“ angeboten, statt lediglich die Postbotinnen zu erwähnen.

Mein Fazit

Ein unglaublich tolles Kinderbuch mit kleinen, winzigen, Anmerkungen meinerseits. Aber nicht nur ist es unglaublich schön aufgemacht, mit einer tollen Geschichte und liebenswerten Charakteren, nein, es vermittelt auch genau die richtigen Werte. Jede Familie ist gleich wert, ob nun zwei Männer, zwei Frauen oder Mann und Frau gemischt.
Oder wie ich das Buch gerne zusammenfasse: „In einer Stadt der Abgrenzung muss man die Nächstenliebe erst neu finden.“ Und finden lässt sich Liebe am leichtesten mit den Augen eines unvoreingenommenen Kindes.
Danke für dieses schöne Buch, das ich meinen Neffen auch noch schenken werde.

Wer es seinem Kind selbst gern vorlesen möchte, kann dies für 24,90€ gerne machen! Es lohnt sich sehr.
Zu finden ist das Buch zum Beispiel hier*
Und wenn das Buch euch gefallen hat, lasst es alle wissen. Nutzt zum Beispiel den Hashtag #DasWunderVonR!

Geschrieben von Judith

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