Rezension: Die Melodie des Meeres

Unsere Bewertung:

Bewertung: 4.5 von 5.

Die Melodie des Meeres ist ein irischer Animationsfilm aus dem Jahr 2014, der nicht nur das Siegel „Prädikat besonders wertvoll“ erhielt, sondern auch beim Europäischen Filmpreis 2015 in der Kategorie bester Animationsfilm gewann.
Regie führte Tomm Moore, das Drehbuch stammt aus der Feder von Will Collins, die Musik ist von Bruno Coulais komponiert worden und den Schnitt führte Darragh Byrne.
Die Produktion schloss sich aus den Namen Claus Toksvig Kjaer, Tomm Moore, Ross Murray, Frederik Villumsen und Paul Young zusammen.

Die Melodie des Meeres führt den Zuschauer direkt in die Szene ein, wie die als Mensch lebende Selkie Bronagh ihrem ersten Kind, ihrem Sohn Ben, die keltischen Lieder des Meeres und die Geschichten der Fabelwesen lehrt, während sie mit ihm die Wand für das kommende Geschwisterchen streicht.
Es ist eine liebevolle und ruhige Szene, die bald darauf von Vater Conor unterbrochen wird, der Ben ins Bett schicken möchte. Dort schenkt Bronagh ihrem Sohn die Muschelflöte, die einem die Melodie des Meeres ins Ohr wispern kann.
Dann jedoch schlägt die Szene um. Bronagh, hoch schwanger, erleidet auf einmal starke Krämpfe und ihr Haar beginnt sich zu verfärben. Um ihr ungeborenes Kind zu retten, stürzt sie aus dem Leuchtturm, in dem sie mit ihrer Familie lebt, hinaus und in die Fluten des Meeres.
Während sie verschwindet, kann der Vater nur noch seine neugeborene Tochter aus den Wellen bergen.
An Saoirse sechsten Geburtstag kommt die eigentliche Handlung zu ihrem Beginn. Das Mädchen spricht nicht, aber sie betrachtet gern das Meer und versucht, ihrem älteren Bruder nahe zu sein, der sie jedoch als Störenfried wahrnimmt und sich lieber nur mit seinem Hund und den Geschichten seiner Mutter befasst. Er hat Angst vor Wasser und drängt seine kleine Schwester immer wieder zurück.
In der Nacht stiehlt Saoirse die Muschelflöte ihres Bruders und findet ihr eigenes Selkiefell, doch als ihr Verschwinden bemerkt wird, nimmt ihr Vater dies als Anlass, die Geschwister bei seiner Mutter unterzubringen, damit ihnen nichts geschieht. Nicht ahnend, dass er Saoirse so nicht nur vom Meer trennt, sondern ihr und der Welt ein schreckliches Schicksal aufbürdet.

„Die Melodie des Meeres“ ist mir in der Bibliothek aufgefallen, als wir eigentlich nach Recherchematerial für den zweiten Teil von David und Gabriel gesucht haben. Da die Bibliothek hier gerade umgebaut wird, konnten wir nicht alle PCs benutzen und mussten auf die in der Kinder- und Jugendabteilung ausweichen und dort habe ich dieses wunderschöne Cover mit dem schönen Titel ausgemacht.
Die Inhaltsangabe erinnerte mich sehr an David, der als Halbsirene zwischen dem Leben als Mensch und dem Leben im Meer gefangen ist, und so musste ich Roberta den Film unter die Nase halten.
Wir haben uns dazu entschlossen, den Film einfach mal auszuleihen und auszuprobieren. Zum Glück!
„Die Melodie des Meeres“ hat keine Altersbestimmung und ist unserer Meinung nach etwas für die meisten Menschen, ob groß oder klein. Lediglich als Eltern würde ich vielleicht den Film vorschauen (ihn zweimal zu sehen, ist aber kein Verbrechen), da der Verlust der Mutter zum Beispiel thematisiert wird.
Neben Dingen, die vielleicht nicht gerecht für jedes Kind sein könnten, kommt hinzu, dass kleinere Zuschauer gewiss nicht alle Parallelen und Symbole erkennen. In unseren Augen ist das jedoch kein Grund, einem jüngeren Kind diesen Film zu verwehren.
Aber jetzt zur eigentlichen Rezension. Wie man eventuell bemerkt, ist dies die erste Rezi auf diesem Blog, die sich nicht auf ein Buch bezieht, und damit bin ich gerade ein wenig unsicher, wie genau ich das angehen soll. Seht es mir bitte nach, bei den Büchern musste ich mich auch erst reinfuchsen.
Die Animationen haben uns erst an französische Produktionen erinnert, aber anhand der Namen, Legenden und der geschriebenen Wörter ist uns rasch aufgefallen, dass es eher ein irischer Film ist. Die Szenen waren ganz am Anfang noch etwas gewöhnungsbedürftig für mich, doch dieses Problemchen hatte sich bereits nach fünf Minuten restlos geklärt und ich bin eingetaucht in eine Geschichte voller liebevoller Charaktere, einer ordentlichen Portion Mystik und Magie und in Gefühle. Richtig, Gefühle. Gewiss auch, weil ich David vor Augen hatte, doch auch jemand, der nicht unsere Werke mitschreibt, wird wohl mitgerissen werden auf dieser herrlich traurigen Reise zweier Kinder. Zweier Geschwister, die endlich miteinander auskommen und die ihren Platz in der Welt finden müssen. Zweier kleiner Helden, die über sich hinauswachsen, um die Welt und die Welt der Fabelwesen zu retten. Zweier mutiger Geschöpfe, die so klein anfangen und ihrer Angst direkt ins Auge blicken und sie an den Hörnern packen und mit ihr ringen.
Unterstrichen wird dies von wunderschöner Musik, die uns Gänsehaut auf die Arme gezaubert hat. Ein Film, den wir unbedingt selber kaufen wollen. Und ganz nebenbei vermittelt er im Ansatz die schönen Legenden des irischen Volkes, mit denen ich mich schon immer gerne auseinandergesetzt habe.

Mein Fazit

Ein unglaublich schöner Film, für Jung und Alt, der uns mit seinen Animationen, Farben, Symbolen, Charakteren, der Musik und dem Rundumpaket mehr als überzeugen konnte.
Seine 93 Minuten fliegen einfach nur dahin und am Ende hatten wir beide Tränen in den Augen.
Weil dieser Film uns so sehr überzeugen konnte, mussten wir einfach eine jener Rezensionen schreiben, die wir schon so lange machen wollten, nämlich die, die sich nicht auf ein Buch beziehen, aber die uns dann doch irgendwie immer wieder zwischen den Fingern durchgeflutscht sind.

Geschrieben von Judith

Linksektion

„Die Melodie des Meeres“ bei Thalia*

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