Rezension: Die Insel unter dem Meer (Isabel Allende)

Isabel Allende - Die Insel unter dem Meer
(Copyright Cover: Suhrkamp/Weltbild / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Die Insel unter dem Meer“ der chilenisch-US-amerikanischen Schriftstellerin Isabel Allende erschien erstmals im Jahr 2009. Die auf dem Foto abgebildete Version ist die Lizenzausgabe von Weltbild aus dem Jahr 2011.

Isabel Allende schildert farbenfroh und lebenswirklich die Geschichte der Mulattin (Anm. d. Red.: Das Wort wird in unserem eigenen Sprachgebrauch natürlich nicht verwendet, ist aber Teil der Sprache des Romans und wird daher auch in dieser Rezension genutzt) Zarité, von allen lediglich Tété genannt, die im jungen Alter an den französischen Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain verkauft wird. Sie lernt, als Haussklavin den Haushalt zu führen und sich um die Kinder zu kümmern.
Wie es damals unter den Sklavenbesitzern so üblich war, holt sich auch Valmorain die hübscheste Sklavin seiner Farm ins Bett und zeugt Kinder mit ihr.
Durch diese familiären Bande an ihn gekettet, bleibt Tété nichts anderes übrig, als bei ihrem Herrn zu bleiben – selbst als die Sklavenaufstände beginnen und sie fliehen müssen. Dennoch erkämpft sie sich Stück für Stück ihre Freiheit.

Isabel Allende zeichnet mit „Die Insel unter dem Meer“ ein umfangreiches Bild über das Leben der Sklaven und Plantagenbesitzer, sowie über die Sklavenaufstände, die Ende des 18. Jahrhunderts auf Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, stattgefunden haben. Sie führt den Leser von den dortigen Plantagen über Kuba bis nach New Orleans in Louisiana. Immer begleitet man dabei Zarité und ihren Herrn Valmorain.
Allerdings bekommt man von der Autorin ein wirklich umfassendes Bild übermittelt, das sich nicht nur auf diese beiden Figuren bezieht. Der Erzähler ist ein allwissender Erzähler und nur alle paar Kapitel bekommt man einen kurzen Abschnitt aus Tétés Sicht zu lesen. Das baut zwar einige Distanz zu den Charakteren auf, sorgt aber auch dafür, dass man das ganze Drumherum erfährt, was es wiederum sehr interessant macht.
„Die Insel unter dem Meer“ liest sich wie eine spannende Geschichtsstunde über die Kolonialzeit und die Sklavenaufstände in der Karibik, erzählt anhand von Zarités Leben als Sklavin, die sich ihre Freiheit erkämpft – auf so ganz anderem Wege als die meisten Sklaven, von denen man sonst in dieser Geschichte liest. Ganz ohne Gewalt und Blutvergießen, aber dennoch mit beachtlicher Beharrlichkeit.

Ich kann die Schriftstellerin dieses Romans wohl guten Gewissens als Lieblingsautorin meiner Mutter bezeichnen und so kam auch ich schon früh mit ihren Büchern in Kontakt. Ich kann nicht älter als 12 oder 13 gewesen sein, als ich das erste Mal eines ihrer Werke gelesen habe. In dem Fall „Die Stadt der wilden Götter“. Auch das Buch hat mir damals schon sehr gut gefallen. Den zweiten Teil davon las ich ziemlich schnell darauf, danach verlor ich die Autorin zwar nicht aus den Augen, aber ein wenig das Interesse an ihren Büchern.
Vor einer Weile war ich bei meiner Mutter und hatte tatsächlich nichts mehr zu lesen, das mich in dem Moment interessiert hätte. Deswegen schlug sie mir „Die Insel unter dem Meer“ vor und da man mich bekanntlich mit Meer immer locken kann und es durch das Sklaventhema, die Karibik und den Voodooaspekt gut zu unseren eigenen Geschichten passte, war ich schnell überzeugt.

Und ich muss sagen: Enttäuscht hat mich Isabel Allende auf keinen Fall.
Der allwissende Erzähler hat es zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig für mich gemacht, da diese Art von Erzählform normalerweise nicht in mein Beuteschema fällt. Verbunden mit den gut recherchierten Informationen über die geschichtlichen Hintergründe bedurfte das Buch sehr viel Konzentration beim Lesen. Aber ich bin tatsächlich schnell in die Geschichte hineingekommen, was mich selbst überrascht hat, und hatte viel Lesefreude dabei. Es war unheimlich interessant, Zarités Geschichte – verwoben mit denen aller anderen – zu verfolgen und dabei noch so viel lernen zu können, auch für das eigene Schreiben.

Mein Fazit

„Die Insel unter dem Meer“ von Isabel Allende ist sicherlich nicht für jeden etwas. Nicht nur ist es hier und da manchmal recht harter Tobak, geht es doch um das Leben der Mulattin Zarité, die schon als kleines Mädchen eine Sklavin war – es ist durch all die lehrreichen Informationen auch ein recht anspruchsvolles Buch, das beim Lesen viel Konzentration bedarf. Bei diesem Buch richtig abzuschalten, ist schwer.
Dafür belohnt es einen aber auch mit einer interessanten Geschichte und sehr vielem, das man lernen kann, wenn man ihm diese Chance gibt.
Für mich war es – auch aufgrund unserer eigenen eBook-Reihe, die in der Karibik spielt und sich hier und da mit diesen geschichtlichen Hintergründen beschäftigt – genau das richtige Buch, um es in den letzten Wochen zu lesen.
Wer sich also für die Sklavenaufstände auf Saint-Domingue, den Voodookult, die Zuckerrohrplantagen und New Orleans interessiert, sollte auf jeden Fall mal einen Blick in „Die Insel unter dem Meer“ werfen. Trotz meiner Anmerkung, dass es sicherlich nicht das richtige Buch für jeden ist, möchte ich es dennoch jedem empfehlen.

Geschrieben von Roberta

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Die Insel unter dem Meer“ bei Thalia*

1 Kommentar zu „Rezension: Die Insel unter dem Meer (Isabel Allende)“

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