Autoreninterview Nicole Siemer

(Copyright „Fotogen-Lingen)

Danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, ein kleines Interview mit uns zu machen! Wir freuen uns sehr auf Deine Antworten und sind gespannt, wie andere Autoren diesen Fragebogen ausfüllen werden.
Nochmal kurz etwas zum Bambusblatt: Wir sind ein Team aus zwei Autoren und einem verfressenen Panda. Wir arbeiten hart daran, dass es von uns kostenlose Geschichten geben wird. Außerdem gibt es den Blog, auf dem wir Rezensionen schreiben und eben auch die Interviews posten werden. Zudem toben wir uns auch im Thema Merch aus –so kann man Armbänder über unseren Etsyshop KeithLeBambou erwerben. Über Spreadshirt gibt es bereits das Motiv von einem Halloweenpanda Keith auf verschiedene Objekte gedruckt.

Natürlich steht es Dir frei, Fragen auszulassen. Das hier ist Dein persönlicher Bogen. Über lange Antworten freuen wir uns besonders, aber manchmal gibt es auch nicht so viel zu erzählen. Lies Dir am besten erst einmal den gesamten Bogen durch.

Viel Spaß!

0. Zunächst ein paar persönliche Fragen. Hier geben wir Dir Raum, Dich vorzustellen. Zum Beispiel Deinen (Autoren)Namen zu nennen, Deine bereits erschienenen oder bald erscheinenden Werke aufzulisten, etwas über Dein Alter oder Deine Social –Media Kanäle zu sagen:

Moin allesamt! Ich bin Nicole, 29 Jahre alt, wohne in Lingen im schönen Emsland und schreibe unter »Nicole Siemer« – was kein Pseudonym ist, sondern mein echter Name. Am liebsten schreibe ich unheimliche Geschichten. Ich bin sowohl Self-Publisherin bei Books on Demand als auch Verlagsautorin beim Empire-Verlag.
Aktuell haben wir April, mein Interview wird im Juli erscheinen, es kann also noch einiges passieren. Nach heutigem Stand findet ihr den Großteil meiner Kurzgeschichten auf meinem 3-Wörter-Blog. Dort »zaubere« ich monatlich aus drei willkürlichen Wörtern eine kleine Geschichte und hin und wieder erzähle ich auch von aktuellen Projekten. Ansonsten gibt es eine Anthologieveröffentlichung Zusammengewürfelt vom Verleger Verlag, da wurde meine Kurzgeschichte »Gebrochene Lady« zum Publikumsliebling im Genre Horror gewählt. Mindestens eine weitere Anthologie-Veröffentlichung folgt 2021.
Romane gibt es aktuell nur einen, da mein Debütroman Todessamen für eine Weile nicht erhältlich ist (eine Neuauflage ist in Planung – vielleicht ist sie ja bereits erschienen, wenn ihr dieses Interview lest). Akuma hat Ende März Einzug in den Buchhandel erhalten. Ein Horrorthriller, in dem das Thema Besessenheit aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachtet wird. Was bei diesem Projekt besonders spannend war, ist, dass es gleich auf zwei Wege erschienen ist. Die Printausgabe habe ich über Books on Demand veröffentlicht und die E-Book-Ausgabe läuft unter der Flagge des Empire-Verlags. Ungewöhnlich oder? Falls sich jemand dafür interessiert, wie es dazu kam, könnt ihr das gerne hier nachlesen:

Bis Juli dürfte, wenn alles nach Plan verläuft, noch ein weiterer Thriller erschienen sein und das wieder in Zusammenarbeit mit dem Empire-Verlag. Für das Wetk habe ich bislang nur den Arbeitstitel »Epiphanie – Sieh, was du getan hast, Eddie«, der sich durchaus noch ändern könnte. Es bleibt spannend 🙂

1. Erzähl gern etwas über Dich. Bist Du verheiratet, hast Du Kinder? Was auch immer Du erzählen willst und vielleicht auch, wie sich das in Deinen Autorenalltag mit eingliedert. Zum Beispiel wie Dein Ehepartner Dich beim Schreiben unterstützt.

Verheiratet bin ich nicht, habe aber eine Mitbewohnerin, was sich manchmal auch wie eine Ehe anfühlt. *kicher*
Außerdem habe ich zwei Katzen – Kyara (16 Jahre alt) und Spikey (11 Jahre alt).
Alle drei geben mir die Ruhe, die ich brauche. Spikey liegt meist bei mir im Büro und schnurrt leise, was sehr beruhigend ist (außer er entscheidet, dass es Zeit für eine Pause ist, weil er dann eine seiner berüchtigten Knuddelattacken startet). Kyara lenkt derweil meine Mitbewohnerin ab. Außerdem nutze ich die Mittagspause meines Brotjobs, um auch dort Autorenzulebeln (oder eher Autorinzulebeln … hm, nee, das klingt doof). Ist das ein Wort? Na, jetzt schon! *lach*

2. Welche Bücher sind die, die Du am liebsten selber liest?

Am liebsten alles von Stephen King. Langweilige Antwort, oder? Stimmt aber. Natürlich lese ich nicht nur seine Bücher, mein Regal platzt und mein Stapel Die-lese-ich-als-nächstes und meine Die-muss-ich-mir-noch-zulegen-Liste wachsen und wachsen. Aber der King ist mein Lieblingsautor.
Ich probiere mittlerweile gerne Neues aus und habe schon einige Bücher von lieben SP-KollegInnen entdeckt. Meine Die-muss-ich-mir-noch-zulegen-Liste besteht hauptsächlich aus Romanen von Self-PublisherInnen. Warum hat der Tag nur 24 Stunden?

3. Wen liest Du am liebsten? War er Deine Inspiration?

Da wären wir wieder beim King! *lacht* Tatsächlich war er nicht meine Inspiration. Ich würde behaupten, dass meine Mama mich inspiriert hat. Sie schrieb früher viele Tiergeschichten und hat mich mit ihrer Begeisterung fürs Schreiben angesteckt. Allerdings habe ich mich sehr schnell auf gruselwuseliges Zeug festgelegt. Mein erster abgeschlossener Roman, wenn man das so nennen darf, füllte ein komplettes Notizbuch und hieß Ed. Er handelte von dem Totengräber – Achtung! – Ed, der eine Horde Jugendlicher über einen Friedhof jagte. An viel mehr erinnere ich mich leider nicht, damals war ich um die sechs Jahre alt. Leider ist das gute Stück bei einem Wohnungsbrand zerstört worden.
In der Grundschule kaufte ich mir ein Buch über Vampire, das ich heute noch besitze und bevor ich durch meine Schwester auf Stephen King stieß, war ich großer R. L. Stine Fan.

4. Welches Projekt (nicht Buch) würdest Du gern umsetzen?

Eine Grusel-Tour! Ich möchte gerne mit einem Wohnmobil alle Orte abfahren, an denen es angeblich spuken soll. Ich würde zwischendurch im Freien kampieren, in die Sterne sehen und dabei all den unheimlichen Geräuschen lauschen, die die Natur in der Nacht zu bieten hat.

5. Wenn alles möglich wäre, was wäre Dein erster Wunsch?

Dass es möglich wäre, verstorbene Haustiere hinter der Regenbogenbrücke zu besuchen.
Oh, wow. Ich habe, ohne groß nachzudenken, das erste aufgeschrieben, das mir eingefallen ist. Das wäre tatsächlich ein schöner Wunsch. Das Tierleid zu beenden würde ich mit ein bisschen Geschick an den Wunsch anhängen. Da ich die Menschheit ebenfalls zu den Tieren zähle, schließt der Wunsch somit uns alle ein 🙂

6. Was ist die beste Geschichte, die Du nie (fertig) geschrieben hast?

Oh, uff. Das ist schwer. Früher habe ich viele Buffy und Akte X Fanfictions geschrieben und davon sind einige nicht fertig geworden, aber ob die nun das Beste sind …?
Ich möchte unbedingt mal die Geschichte eines Kannibalen erzählen. Also einer Person, die zu einem Kannibalen wird. Fragt mich nicht wieso, die Idee reizt mich seit Jahren. Vielleicht gelingt mir das ja irgendwann. Aber es ist nicht leicht, so einen Menschen sympathisch erscheinen zu lassen und im schlimmsten Fall wird es eine schlechte Nacherzählung von Hannibal Rising. Eins meiner Lieblingsbücher, nur so am Rande 🙂

7. Was möchtest Du als Autor noch erreichen?

Um ehrlich zu sein, kann ich aktuell nicht klagen. Ich habe mehr erreicht, als ich je zu träumen gewagt habe. Anfangs hatte ich meine Zweifel, ob ich überhaupt in der Lage bin, einen kompletten Roman zu schreiben, jetzt ist schon mein zweiter erschienen. Wegen meiner Selbstzweifel habe ich es gar nicht erst versucht, Verlagen mein Manuskript vorzulegen, und jetzt ist ein Verlag stattdessen auf mich zugekommen. Meine Leserunde platzt aus allen Nähten und eben habe ich zum ersten Mal eine Hörprobe von einer Bloggerin von Akuma gehört. Ich kann nicht einmal in Worte fassen, wie glücklich ich darüber bin.
Natürlich gibt es immer noch mehr zu erreichen, z. B., dass ich meinen Brotjob an den Nagel hängen kann und vom Schreiben leben könnte, aber jetzt gerade, bin ich glücklich, wie es jetzt ist.

Zwar stehen oben auch schon Fragen zu Dir als Autor direkt, aber gehen wir da jetzt mal ein wenig mehr drauf ein!

8. Welche Fehler beim Schreiben sind Dir über Dich selbst bekannt und welche ärgern Dich am meisten? Wie versucht Du sie loszuwerden oder akzeptierst Du sie einfach?

Ach, als AutorIn lernst du nie aus. Ich mache eine Menge Fehler und nicht selten habe ich einen Knoten im Hirn. Manchmal muss ich die einfachsten Wörter nachschlagen, weil ich vergessen habe, wie sie geschrieben werden oder ich überlege elendig lange, ob der Satzbau korrekt ist, und werde mit jeder Sekunde unsicherer. Ich weiß auch nach dem 1000sten Mal nicht, ob bei »abrupt« erst das B oder erst das P kommt. *lacht*
Am meisten ärgern mich meine Selbstzweifel und das ich mich teilweise echt verrückt mache, was zu den oben genannten Problem führt. Ich denke, ganz los werde ich sie nie, aber vielleicht ist das gar nicht falsch, denn so bleibt mein Ehrgeiz erhalten, besser zu werden und immer mehr zu lernen. Daher habe ich meine Zweifel akzeptiert und seitdem geht es mir deutlich besser damit. Das heißt nicht, dass sie nicht manchmal doch überhandnehmen und auch nicht, dass es keine Tage gibt, an denen ich aufgeben möchte, alles hinschmeißen möchte. Die gibt es. Aber ich weiß, dass die jeder Autor/jede Autorin hin und wieder hat und das schenkt Kraft und Mut.
Achso, im Marketing bin ich ebenfalls grottig. Ich stehe weder gerne im Mittelpunkt noch mag ich es, meine Erfolge anzupreisen. Aber auch hier werde ich langsam mutiger und falls jemand den x-ten Akuma-Hashtag nervig finden sollte, kann er ihn ja einfach stummschalten. 🙂

9. Für uns andere Autoren auch interessant: Wie läuft Dein Schreibprozess bei Dir ab? Von der Idee bis zur Korrektur?

Das könnte eine etwas längere Antwort werden.
Die Idee trifft mich meistens aus dem Nichts. Oft ist es eine Was-wäre-wenn-Frage oder ein neuer Blickwinkel auf Themen, die schon unzählige Male auf die gleiche Weise erzählt wurden. Danach gilt es herauszufinden, ob der Plot für einen Roman oder doch nur für eine Kurzgeschichte taugt. Das finde ich heraus, indem ich mit der Idee ein bisschen herumspinne. Meist schnappe ich mir ein leeres Blatt Papier und schreibe auf, was alles passieren könnte und dann findet sich die Antwort auf die Frage von ganz allein.
Bei Kurzgeschichten steht bei mir meist als Erstes die Handlung fest. Oft clustere ich oder schreibe einen kurzen Abriss, wie die Geschichte beginnt, was im Groben passiert und wie sie endet. Danach charakterisiere ich die Figuren anhand eines hervorstechenden Merkmals.
Mit dem groben Plot lässt es sich bei Kurzgeschichten gut arbeiten. Komme ich mal ins Stocken, schreibe ich wieder einen kurzen Handlungsabriss, wie es weitergehen könnte, gerne auch mit verschiedenen Szenarien. Ist die Geschichte beendet, lasse ich sie ein paar Tage bis zu einer Woche ruhen. Danach folgen drei Überarbeitungsdurchgänge. Logik, Satzbau und Grammatik und Rechtschreibung.
Bei einem Roman sieht das Ganze etwas anders aus. Hier beginne ich nach der groben Idee zunächst mit den Figuren. Die Hauptfiguren charakterisiere ich anhand eines Fragebogens, wie ihn Psychotherapeuten benutzen. Wenn ich nicht direkt ein Bild dazu habe, wie sie aussehen, suche ich meist bei Google nach Tierbildern. Ja, tatsächlich! *lacht* Nehmen wir Akuma zum Beispiel. Der Verlobte der Protagonistin, Erik, sollte besonders helle Augen haben, um einen Kontrast zu all der Dunkelheit darzustellen, die Kjara umgibt. Daher habe ich mir das Foto eines Huskys gesucht und schwupp, hatte ich ein genaues Bild von Erik vor Augen. Den Vorgang kann ich nicht groß beschreiben, die Bilder entstehen einfach.
Mit Nebenfiguren führe ich meist Interviews. Dann sollen sie sich mit ihren eigenen Worten vorstellen und mir erzählen, was ihr Ziel ist. Das klappt erstaunlich gut.
Stehen die Charaktere, erarbeite ich einen Kapitelplan. Jedes Kapitel wird grob zusammengefasst. Im nächsten Schritt, sofern mir das nicht währenddessen schon gelungen ist, füge ich die Ereignisse/Wendepunkte und Charakterentwicklungen hinzu. Und danach folgt der Szenenplan.
Ich brauche diese Planung, da ich sonst zu schnell ins Stocken gerate und so kann ich drauf losschreiben und weiß immer, was als nächstes passiert. Im besten Fall zumindest, denn manchmal haben die Figuren ihren eigenen Kopf und die Handlung dreht plötzlich in eine völlig andere Richtung. Aber dann plane ich eben um und weiter geht´s!
Die Rohfassung schreibe ich, so schnell es geht fertig. Am besten klappt das im November während des national novel writing month.
Die fertige Fassung lasse ich dann ruhen, allerdings deutlich länger als eine Kurzgeschichte. Danach lese ich den Roman in einem Rutsch und bessere aus, was mir auf den ersten Blick auffällt. Wegen meiner Planung habe ich selten größere Plotlücken und kann mich voll auf Satzbau, Spannungsaufbau und Grammatik konzentrieren. Wichtig ist mir auch, dass die Figuren möglichst dreidimensional erlebt werden, deswegen gibt es einen extra Korrekturdurchgang, bei dem ich nur auf die Figuren und ihre Entwicklungen achte. Bin ich mit dem Text einigermaßen zufrieden, konzentriere ich mich auf Füllwörter und Wortwiederholungen. Da ich meine Schwächen kenne, schreibe ich mir vorher schon alle störenden Wörter raus und gehe dann mit der Suchen-und-Ersetzen-Funktion den kompletten Text wieder und wieder durch. Und wenn das erledigt ist, geht das Manuskript ins Lektorat. Als AutorIn übersieht man so viel beim eigenen Text, daher halte ich es für zwingend notwendig, das Manuskript lektorieren zu lassen. Und auch Testleser sind superwichtig.

10. Wie bist Du auf das Genre gekommen, das Du schreibst?

Mich hat das Unheimliche schon immer fasziniert. In der Vorschule hatten wir einen Wald, den wir nicht betreten durften, weil es dort angeblich Hexen gab – was natürlich dafür gesorgt hat, dass alle die Hexen suchen wollten. Mein damaliger bester Freund und ich waren dauernd in dem Wald und haben uns auch andere Kreaturen vorgestellt, die uns an den Kragen wollten. Ich erinnere mich, dass wir einmal so lange verschwunden waren, dass die Lehrer eine Suchaktion starteten. Das gab Ärger. Aber wir hatten ein spannendes Abenteuer hinter uns.
Nach einem Umzug gab es gegenüber ein Haus, in dem ich nie Leute ein- und ausgehen sah, aber nachts brannte dort Licht. Ganz klar, ein Spukhaus! Meine Fantasie ging sogar soweit, dass ein wiederkehrenden Traum entstand, in dem ich von Mumien, Werwölfen und Geistern durch das Haus gejagt wurde. Den Traum hatte ich über Jahre.
Nachts schlich ich mich als Kind gerne vor den Fernseher und habe mir Horrorfilme angesehen. Das war nicht immer klug, denn dadurch passierte es, dass ich mit etwa sechs Jahren die The Shining-Miniserie gesehen habe. Noch heute überkommt mich in Gegenwart einer Badewanne ein mulmiges Gefühl, vor allem, wenn ich das Bad betrete, ohne das Licht einzuschalten. Auch Friedhof der Kuscheltiere hat mich traumatisiert. Manchmal, wenn ich sturmfrei habe und durch die Wohnung laufe, muss ich plötzlich an Zelda denken, der unheimlichen Schwester der Protagonistin Rachel und höre ihren grässlichen Ruf »Rrrrraaacheeelll!« Brrrr.
Und dann gab es noch das Jump-Scare-Erlebnis *lacht*! Da war ich schon etwas älter und saß vor dem PC. Ich habe irgendein Spiel gespielt, bei dem ich mithilfe der Maus ein Labyrinth durchqueren sollte. Die Lautsprecher des PCs waren voll aufgedreht. Plötzlich sprang ein Zombie ins Bild, der laut kreischte. Ich erschrak dabei so extrem, dass ich mit einem Satz ans andere Ende meines Zimmers sprang und mehrere Minuten mit wild pochendem Herzen auf dem Boden saß. Seitdem bin ich etwas empfindlich bei Jump-Scares und erschrecke mich nicht gerne. Eine coole Kombi für einen Horrorfan, hm? *lacht* zum Glück erschrecke ich mich nicht soooo leicht 🙂
Viele Jump-Scares vorhersehbar und dieses olle CGI in Horrorfilmen … ich fange am besten gar nicht erst an!

11. Warum hast Du mit dem Schreiben angefangen? Erzähl uns Die Geschichte!

12. Was motiviert Dich?

Anfangs mein Ehrgeiz. Die Frage, ob ich überhaupt schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Mittlerweile haben sich weitere Motivationen hinzugesellt. Nämlich die Unterstützung lieber Freunde und ihr Glaube an mich; zu wissen, dass es Menschen da draußen gibt, die sich auf die nächste Veröffentlichung freuen und eine ganz besondere Leserin, die mir quasi dauernd virtuell in den Hintern tritt, damit ich schneller arbeite *lacht*. Sie sagt, meine Geschichten machen ihr Freude und wenn ich dann auch noch höre, ich wäre jemandes Lieblingsautorin, was neulich der Fall war, platzt mir das Herz vor Glück.
Außerdem liebe ich es, zu schreiben. Das allein ist Motivation genug 🙂

13. Wie viel Schreibzeit hast Du?

Neben den Mittagspausen nutze ich die Montag-, Mittwoch- und Freitagabende. Gegen 19 Uhr starte ich und Autorenleble bis etwa 22 Uhr, selten länger. Mittwochs gibt es ab 20:15 Uhr immer eine kleine Unterbrechung, weil ich dann vor dem Fernseher klebe, genau wie eine Horde weiterer Tierdoku-Liebhaber und über Expedition ins Tierreich twittere. Wir nennen uns das ExpinT-Rudel 😀
Wenn ich samstags nicht zum Brotjob muss, nutze ich den Vormittag ebenfalls zum Schreiben, Überarbeiten und was man als Autorin eben so macht. Das immer etwa von 9 Uhr – 12 Uhr.
Sonntags bewege ich mich möglichst wenig. Dann ist schließlich Faulenztag, wie ich ihn zu nennen pflege *kicher*.

14. Lässt du Dich gerne auch mal ablenken?

Nein. Nie. Auf gar keinen Fall. Äh-äh. *räusper*
Na gut. Dauernd. Häufig durch Twitter. Wenn ich mir die x-te Tasse voll Kaffee hole, verfalle ich schon mal in längere Unterhaltungen mit meiner Mitbewohnerin und es passiert, dass ich mich zu den Rollmöpsen – also meinen Stubentigern – auf die Couch lege und eine Runde mit ihnen knuddle. Manchmal entscheiden aber auch die beiden, wenn es Zeit für eine Pause wird, besonders Spikey. Dann springt er auf meinen Schoss und verlangt nach Aufmerksamkeit. Aus Protest, wenn ich sie ihm nicht schenke, wird dann auch schon mal auf der Tastatur herumgetanzt.

15. Welches deiner Bücher magst Du selbst am liebsten und warum?

Derzeit arbeite ich an einem Kapitelplan für eine Geschichte, die mir sehr am Herzen liegt. Darin spielt das Thema Tierquälerei eine Rolle. Und ich kann schon verraten, hier bekommen diese Unmenschen endlich, was sie verdienen *evil-Lache*
Nach heutigem Stand ist mein Lieblingsbuch allerdings Akuma. Die Figuren, allen voran Akuma selbst, sind mir während des Schreibprozesses sehr ans Herz gewachsen. Akuma ist zwar ein Dämon, aber er hat Wünsche und Gefühle, wie wir alle. Außerdem bin ich besonders stolz darauf, das Thema Exorzismus mal aus einem völlig neuen Blickwinkel gezeigt zu haben und denke, dass auch Leser, die sonst wenig mit Horror am Hut haben, ihren Spaß mit der Geschichte haben würden.

16. Wie sieht in Deinen Augen der Alltag eines Autors aus? Die meisten nur Leser können sich nichts darunter vorstellen.

*Schlürft Kaffee* *sitzt auf dem Balkon und lauscht den Vögeln* *tippedi-tipp* harte Arbeit. Schlimmster Job der Welt!
Kch kch! Beides stimmt nicht so ganz. Als AutorIn sitzt man viel in kleinen Büros, in denen es möglichst wenig Ablenkung gibt und schon gar keine Menschen. Es ist ein einsamer Job. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen, da einige gerne in Cafés schreiben, dazu gehöre ich aber nicht. Ich brauche absolute Ruhe. Musik ganz, ganz selten und wenn, dann nur orchestral.
Als introvertierter Mensch stört mich die Einsamkeit nicht. Ich liebe die Ruhe und ich liebe das Schreiben. Aber das ist nicht alles, was zum AutorInnenleben gehört. Das Schreiben an sich ist tatsächlich nur ein kleiner Teil der Arbeit und schon dabei hat man mit Blockaden und Ablenkungen zu kämpfen. Neben Fantasie und guter Beobachtungsgabe, gehört auch viel Recherche dazu. Ich kann schlecht einen Roman über das alte Rom schreiben, wenn ich keine Ahnung habe, wie es dort zuging. Dann gibt es da noch die Überarbeitung. Als AutorIn wird viiiieeell überarbeitet und um ehrlich zu sein, macht das – jedenfalls bei mir – den Großteil der Arbeit aus. Rohfassungen sind in der Regel immer grottenschlecht. Die Überarbeitungen sind es, die einen Text veröffentlichungsreif machen. Ist das erst einmal geschafft, folgt das Marketing. Viiieeeell Marketing. Vor allem als Self-PublisherIn. Da reicht es nicht nur die Werbetrommel zu rühren »Halloo, hallo, hier folgt der Link zu meinem neuen Buch!«, nein, es müssen Verlosungen organisiert werden, Leserunden, Rezensionsexemplare müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, Marketingmaterial wie Flyer, Postkarten, Lesezeichen und dergleichen müssen erstellt werden.
Marketing kostet eine Menge Geld, wie auch schon das Lektorat, Korrektorat, das Cover, der Buchsatz, … soll ich weiter machen? *lacht*
Mit einem Verlag im Rücken habt ihr natürlich deutlich weniger Ausgaben. Aber ihr seid auch nicht der eigene Chef und müsst euren Gewinn teilen.
Ja, es stimmt. Das Autorenleben ist teuer, aber trotzdem ist es für mich der beste Job der Welt (bis auf das Überarbeiten. Ich kann es nicht ausstehen … Und im Marketing bin ich auch schlecht – aber hey, man kann nicht alles mögen). Selbst, wenn er mit viel Arbeit verbunden ist, gibt es dennoch Momente, wie die oben beschriebenen. Momente, in dem ich auf dem Balkon sitze und den Vögeln lausche, während ich zusammen mit meinen Figuren neue Abenteuer erlebe. Immer einen Kaffee in der Hand. Dokus, Serien und Filme zu schauen zählt zur Recherche, genau wie ein ausgiebiger Spaziergang im Wald, um neue Kraft und Inspiration zu tanken. Klingt toll oder? Ist es auch. Es gibt, wie in jedem Job, seine Licht- und Schattenseiten. Für mich überwiegt das Licht.

17. Wie stehst Du heute zu Deinen ersten Geschichten?

Neulich habe ich mir eine alte Fanfiction durchgelesen und mich köstlich amüsiert! Es ist nie verkehrt, sich hin und wieder ältere Werke zur Hand zu nehmen. Denn nur so bemerkt man, wie viel man sich verbessert hat, wie sich der Schreibstil verändert hat. Hin und wieder finde ich sogar Formulierungen, die mir gefallen und die ich gleich für ein späteres Projekt notiere.
In der Grundschule war ich in einer Theater-AG und habe in der fünften und sechsten Klasse selbst Theaterstücke geschrieben. Die haben eine Freundin und ich sogar vor der Klasse aufgeführt – aiaiai. Leider habe ich die Stücke nicht mehr, aber sie zu schreiben, hat eine Menge Spaß gemacht. Vielleicht sollte ich das mal wieder tun. 🙂

18. Was würdest Du jetzt gern an dieser Geschichte ändern?

Jetzt gerade schreibe ich an einer Kurzgeschichte für meinen 3-Wörter-Blog. Der Protagonist ist unsympathisch und nervt mich. Vermutlich werde ich noch einmal von vorne anfangen und die ganze erste Idee über den Haufen werfen. Passiert mir dauernd! *lacht*

Sie sind unabdingbar und gerne zickig. Die Figuren. Wir lieben und wir hassen sie und meistens kann sich der Leser gar nicht vorstellen, welches Leid wir manchmal mit ihnen erdulden mussten. Ohne sie geht es aber dennoch nicht. Erzähl uns gerne von ihnen!

19. Magst Du alle Deine Figuren?

Nein. Es gibt Unsympathen in meinen Romanen und Kurzgeschichten, die nicht nur fies sind, sondern wirklich ätzend. Aber hin und wieder braucht man eine Figur, die man hassen kann, findet ihr nicht?

20. Gibt es für die Figuren reale Vorbilder?

Jein. Jede Figur vereint verschiedene Charakterzüge und/oder Merkmale verschiedener Menschen, die ich kenne oder, mir im Vorbeigehen begegnet sind. Ich übernehme eine Person nie eins-zu-eins.

21. Fällt es Dir leicht, schwierige Figuren zu schreiben? Ganz gleich, weshalb genau sie schwierig sind.

Nein. Einen Charakterwandel glaubhaft darzustellen zählt meiner Meinung nach mit zu den schwersten Aufgaben des AutorInnenlebens. Das ist Anna-Lisa, sie ist 32 Jahre alt, hat blondes Haar und trägt gerne Kleider – das kann jeder. Aber das macht eine Figur lange nicht dreidimensional. Der Leser soll sich mit ihnen identifizieren, soll mit ihnen fiebern; sie sollen besonders sein, exzentrisch, hervorstechen. Figuren sind für mich nie leicht zu schreiben, ob nun generell schwierig oder eher gewöhnlich. Wie auch jeder Mensch, haben Figuren ihre Schichten und Abgründe, selbst Nebenfiguren.

22. Wann genau ist eine Figur schwierig für Dich?

Immer? *lacht* Ulkigerweise fällt es mir am leichtesten, über Figuren zu schreiben, die so ganz anders als ich sind. Meistens sind meine Hauptfiguren männlich. Je mehr Abstand ich zu ihnen habe, desto besser kann ich sie mir vorstellen. Handelt die Geschichte von einer kleinen Frau, die introvertiert ist und ein misanthrop *hust*, fällt es mir schwerer, die Figur handeln zu lassen. Misantrophen sind meine Hauptfiguren dennoch fast alle 🙂
Ob es anderen genauso geht? *macht sich Notizen für eine Twitter-Umfrage*

23. Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Ja. Ich habe mich einmal an einer Geschichte versucht, die zu autobiografisch war. Es gelang mir nicht, mithilfe der nötigen Distanz in die Geschichte zu finden. Zum Glück ist mir das relativ schnell klar geworden. Die Recherche bewahre ich für kommende Projekte auf.

24. Welche ist der Liebling Deiner eigenen Figuren? Wo kommt sie vor und magst Du sie uns vorstellen?

Akuma. Akuma ist ein Dämon, der es satthatte, in der Hölle Menschen zu foltern und von seiner Familie tyrannisiert zu werden. Er hat sich nie zugehörig gefühlt, da er zu gut ist, für einen Dämon, zu böse für einen Menschen. Aber dann lernt er Kjara kennen, eine Menschin, von deren Körper er Besitz ergreift und mit der eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht. Ich liebe die Geschichte der beiden und es war mir eine Freude, sie zu Papier bringen zu dürfen. Akuma musste gar nicht groß charakterisiert werden, er tauchte einfach auf und hat seine Geschichte erzählt.
Ich denke, er wird noch den ein oder anderen Gastauftritt in späteren Werken haben.

25. Hier geben wir Dir Raum, selber noch etwas zu Deinen Charakteren zu erzählen.

Ich versuche, meine Charaktere immer so lebensecht wie möglich darzustellen und so, dass keine Figur der anderen zu sehr gleicht. Außerdem spielen so gut wie all meine Geschichten in dem fiktiven Ort Grubingen, somit streue ich ständig kleine Easter Eggs ein, in denen z. B. Personen aus früheren Werken genannt werden oder gar auftauchen.
Es lohnt sich also, sich meine Bücher und Kurzgeschichten zu schnappen und auf Easter egg Suche zu gehen (Manchmal streue ich auch Stephen Kind Anspielungen ein – kch kch).
Die Namen der Charaktere sind in den seltensten Fällen zufällig gewählt. Wenn ihr mal Zeit und Lust habt, schnappt euch einen Namensduden oder googelt die Bedeutungen der einzelnen Figuren. Ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse für das ein oder andere Schmunzeln sorgen werden 🙂

Und da sind wir auch schon fast durch. Jetzt bitten wir Dich darum, ein Projekt oder DAS Projekt vorzustellen. Dabei wollen wir Dir viel Raum lassen.

26. Extra eine gemeinere Frage: Weshalb sollten Leser auf jeden Fall Dein Buch kaufen?

Für Akuma kann ich diese Frage blitzschnell beantworten: Weil er ein Horrorthriller ist, der die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft erzählt. Und weil er das Klischee »böser Dämon« über den Haufen wirft und den Leser einen völlig neuen Blickwinkel zeigt, was die Themen Exorzismus und Besessenheit betrifft. Nämlich einen humorvollen und zugleich tragischen.

27. Was sollen sich Leute am Ende Deiner Geschichte denken?

»Wie? Schon vorbei? Am besten, ich lese sie gleich noch mal.« *lacht*
Das wäre toll, aber mein Ziel ist es, die Leute zum Nachdenken anzuregen. Ein bisschen was Philosophisches kommt in jedem meiner Texte vor. Außerdem liebe ich es, die Leute zu überraschen und bemühe mich daher, möglichst twistige Plottwists einzubauen.

28. Was auch immer die Beweggründe dafür waren, wieso Du dieses Interview gemacht hast, bestimmt war da auch die Hoffnung, Werbung für Dich machen zu können, ganz gleich, ob du Deinen Lesestoff kostenfrei anbietest oder nicht. Diesen Raum wollen wir Dir hier gerne geben. Berichte uns über Dein Projekt oder die Projekte. Sag noch ein paar Abschließende Worte. Im welchen Format gibt es Dich zu lesen? Und zu welchem Preis? Hau in die Tasten!

Zum Schluss möchte ich dem lieben Team vom Bambusblatt und ihrem verfressenen Panda Keith danken, dass ich Teil dieser spannenden Interviewreihe sein durfte. Das hat mir eine Menge Spaß gemacht!
Wer mehr über mich und meine Projekte erfahren möchte, darf mir gerne auf Twitter folgen. Und schaut auch mal auf meinem Blog vorbei.
Meine Autorenseiten inklusive Veröffentlichungen findet ihr bei Loveleybooks und Amazon.

Danke fürs Lesen! Gruselwuselige Grüße

Eure Nicole

Hinweis: Die meisten Fragen sind aus der Community gefischt worden.

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