Rezension: Dornenthron (Boris Koch)

Boris Koch - Dornenthron
(Copyright Cover: Droemer-Knaur / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Am 27. März 2020 als eBook und am 01. April 2020 als Print erschien im Droemer-Knaur Verlag mit „Dornenthron“ die Neuinterpretation diverser Märchen, die sich dank Boris Koch zu einer spannenden Geschichte vermengt haben.

Als das alte Kaiserreich durch einen Fluch in den Untergang gestürzt wurde, rangelten die Menschen um die Herrschaft und so spaltete sich das Land in mehrere Königreiche auf, in denen, hunderte Jahre später, nicht viel mehr von dem alten Kaiserreich übrig geblieben sind als einige Ruinen einer alten Hochkultur und verschiedene Geschichten, denen ohnehin nur noch durch Kindern Glauben geschenkt wird.
Als einer dieser Könige trotz Jahre der Dürre weiter an seinen feisten Lebensstil festhält und immer mehr Menschen zu tyrannisieren beginnt, als Helden ihre Liebe verlieren und Mütter ihre Söhne, als die Menschenopfer beginnen, um den Regen aus den Taschen der Götter zu kitzeln, machen sich mehr als unterschiedliche Figuren auf, um, vorher wissend oder nicht, dasselbe Ziel zu erreichen. Die alten Ruinen, in denen die Kaisertochter nach wie vor schlafen und denjenigen heiraten soll, der sie von ihrem Bann befreit und das alte Kaiserreich wieder vereint.

Dieses Buch habe ich entdeckt, mir gekauft und es gelesen, weil ich mit der lieben RomanTipps eine private Leserunde machen wollte und sie mich auf dieses Buch angesprochen hat.

Ich persönlich hätte nicht erwartet, dass der Schreibstil gut sein würde oder mir die Geschichte Spaß brächte, da ich, ehrlich gesagt, mit einer typischen Märchennacherzählung gerechnet habe: Unausgereifter Schreibstil und alles nur sehr seicht und verworren zusammengeschustert. Die Liebe grundsätzlich im Vordergrund.

Tatsächlich haben mich aber bereits die ersten Seiten überzeugt. Der Schreibstil hat nur geringe Aussetzer, die ich bisher bei jedem guten Buch gefunden habe. Die Charaktere, ob man sie mag oder nicht, sind alle gut dargestellt und bringen einem die Geschichte näher. Gewiss hat man sich hier und dort über ihre Ansichten oder Entscheidungen aufgeregt, doch so sollte es auch sein – immerhin sollten sie echte Menschen verkörpern. Die meisten Figuren mochte ich auch. Am meisten aufgeregt hat mich der Narr Arlac. Wann immer er einen Part hatte – was zum Glück nicht allzu häufig war – verging mir die Lust auf das Buch ein wenig. Und dennoch muss ich betonen, dass er einfach ein nerviger Charakter war, der Schreibstil oder seine Geschichte jedoch nicht der Grund für die Leseunlust waren. Der einzige Kritikpunkt bei den Charakteren, der mir wirklich im Gedächtnis geblieben ist, war die zu hohe Anzahl von Figuren. Alle machen sich auf einmal gleichzeitig auf, jeder von woanders, alle aus unterschiedlichen Gründen, manche mit den Ruinen als festes Ziel von Anfang an, andere dagegen werden von ihrer Suche dorthin geführt. Die Anzahl der Protagonisten samt treuer rechter Hand war zu überladen.

Hauptsächlich störte mich an dem Schreibstil die Wiederholung einiger, weniger, Sachen. So sagen, gerade am Anfang, die Charaktere immerzu „He“. Außerdem haben mir ein paar mehr magische Wesen als Drachen, Lindwürmer und Einhörner gefehlt, vor allem, da alles lediglich erwähnt wird. Erst recht die Lindwürmer haben in mir irgendwann eine große Abneigung erzeugt, da jeder Charakter sie gefühlt tausend Mal erwähnt, man ihre Abbilder überall findet – als gebe es keine anderen magischen Wesen, die Kinder oder Erwachsene als interessant empfinden könnten – gesehen hat man direkt aber nie einen.Auch schien der Autor die Erwähnung von „Schwänzen“ (Spoiler, es sind keine flauschigen Tierschwänze gemeint) als wichtig einzustufen.

Der andere große Kritikpunkt war, dass manchmal Kapitel eingeschoben waren, die nur wenige Sätze lang waren. Als hätte Boris Koch nicht gewusst, wie genau er von einer Szene kommen oder die Zeitsprünge möglichst galant angehen soll. Vor allem das Ende kommt dadurch sehr plötzlich. Auch wenn ich von Anfang an geahnt habe, dass es mehr als einen Teil geben wird, war dies zu abrupt.

Mein Fazit

„Dornenthron“ von Boris Koch hat etwas geschafft, das nur wenige Bücher bei mir schaffen. Obwohl ich nichts erwartet habe – da Märchenadaption – hat es sich zu einem Roman entwickelt, bei dem ich geraume Zeit lang keinerlei Ahnung hatte, was ich kritisieren „soll“ bis auf die stetige Wiederholung von „He“.
RomanTipps und ich waren beide mehr als begeistert und die Geschichte hat einen richtig mit hineingezogen. Zwar bin ich nicht der Meinung, dass „Dornenthron“ richtig „krass“ an manchen Stellen ist, wie man so schön sagt, doch das Werk hat mich von meiner Furcht, es sei zu seicht, befreit.
Die Figuren sind zwar zu viele, aber sie waren alle sehr gut geschrieben und die meisten mochte ich auch. Wortwiederholungen kamen in dem gelungenen Schreibstil auch nur wenige vor.
Alles umfassend kann ich sagen: Ein Buch, das sehr viel Spaß gemacht hat. Gute Figuren auf ihren eigenen spannenden Reisen zum selben Ziel. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung und auf weitere Werke aus der Feder von Boris Koch.
Das eBook kostet übrigens 9,99€ und die Print Ausgabe kann man bereits für 14,99€ erwerben. Bei 432 Seiten beweist Droemer-Knaur damit einmal mehr, dass sie zumeist sehr faire Preise haben.

Geschrieben von Judith

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Verlagsseite des Buches
„Dornenthron“ bei Thalia*

Eine weitere Meinung zu „Dornenthron“ findet ihr auf dem Blog RomanTipps.

3 Kommentare zu „Rezension: Dornenthron (Boris Koch)“

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