Rezension: Traumprinz (David Safier)

David Safier - Traumprinz
(Copyright: Rowohlt Taschenbuch Verlag)

Der Roman „Traumprinz“ von David Safier erschien am 27.10.2016 im Rowohlt Taschenbuch Verlag und erzählt die magische Geschichte der liebeskranken Comiczeichnerin Nellie, die eines Tages ein mehr als spezielles Skizzenbuch findet und sich so ihren Traumprinzen erschafft.

Die liebeskranke Berlinerin Nellie jobbt in einem Comicladen, zeichnet selber gerne und leidet einmal mehr an Liebeskummer, als ihr eine äußerst merkwürdige Zeichenkladde in die Hände fällt.
Ohne großartig einen weiteren Gedanken zu verschwenden, nimmt sie sie mit und zeichnet den für sich perfekten Mann auf eine der Seiten. Ein Traumprinz mit Mut und Muskeln soll es sein. Der aus einem fernen Land zu ihr stoßen und ihr Herz im Sturm erobern würde.
Kurz darauf entspringt der Märchenprinz tatsächlich dem Papier und steht im nächsten Moment vor Nellie, die ihren Augen und Ohren nicht trauen kann. Der Prinz sieht nicht nur aus wie ihr Traummann, er hält sich auch für echt und will nun zurück in sein magisches Königreich.
Nellie, mehr oder minder dazu gezwungen, bietet ihm ihre Hilfe an, nicht wissend, wie sie ihn in ein von ihr erdachtes Königreich bringen soll, von dem sie nicht einmal sicher ist, ob es dieses wirklich gibt.
Gleichsam sind auch noch andere an der magischen Zeichenkladde interessiert und beginnen mit der Jagd auf die beiden.
Und als wäre das nicht genug, verliert Nellie in all dem Chaos ihr Herz an ihren Prinzen, ist er doch schließlich irgendwo alles, was sie von einem Mann erhofft hat.

Dieses Buch ist nichts für die Leser, die immer nur einen seriösen Schreibstil und eine vollkommen ausgearbeitete Story haben wollen.
Der Schreibstil ist in der Ich-Perspektive verfasst und durch wunderschöne, leider teils aber spoilerartige, Zeichnungen unterstützt. Die Zeichnungen passen perfekt zu Nellie, deren Leben nur aus ihren Bildern zu bestehen scheint.
Hinzu kommt die schöne Mischung aus flachem, leicht sarkastischen Humor, der sehr gut zu dem eher flapsigen Schreibstil passt. Nur manchmal wirkt er einfach zu erzwungen, um witzig zu sein.
Wie bereits oben erwähnt, ist dieses Buch nichts für Leser, die zu viel Wert darauf legen und sich bei einem entspannten Schreibstil eher nicht angesprochen fühlen.
Das Buch bringt einem mehr als einmal zum Glucksen – wenn man auf so einen Humor steht – und ist mit seiner Schreibart wirklich ausgezeichnet dazu geeignet, in stressigen Zeiten in aller Ruhe ein paar Seiten lesen zu können.
Der lockere Schreibstil wirkt sich allerdings auch auf gewisse Weise negativ auf die Charaktere und die Handlung aus.
Die Szenen hätten zum Teil mehr ausgearbeitet werden können. So wirkt es eher, als würde die Handlung nur so dahin fliegen, während sich alles um Nellies sehr wiederholende Gedanken dreht. Nicht zuletzt dadurch, dass das „Adlerprinzip“ von Tolkien angewandt wird und gerade im richtigen Moment die eine Sache zur Konfliktbewältigung auftaucht oder einem Charakter einfällt.
Zwar liebe ich die Protagonisten und zum Teil auch die Nebencharaktere, allerdings leidet ihre Charakterentwicklung auch ein wenig unter dem schnellen Plot. So wirkt es ziemlich unecht, wie schnell sich manche der Figuren an die Magie der Kladde gewöhnen oder sich in einer brenzligen Situation weiterentwickeln. Es geht quasi von jetzt auf gleich ohne Zwischenschritte.
Das schlägt sich auch teils bei der manchmal doch ziemlich merkwürdigen Logik der Charaktere nieder. Mir ist durch Jahre des selber Schreibens bewusst, dass Figuren niemals perfekt sein dürfen. Im Gegenteil, sie sollten auch unlogisch handeln. Fehler machen. Merkwürdige Ansichten haben. Und oftmals ist das dem Autor auch gut gelungen. Allerdings handeln die Figuren des Öfteren sehr frustrierend.
So wird an einer Stelle, in der den Protagonisten die Zeit unter den Nägeln weg brennt, erstmal Minuten über eine völlig unwichtige Sache sinniert.
Einen weiteren Logikfehler findet man direkt am Ende, was die Kladde betrifft, aber dafür muss man es selber lesen, ich möchte hier nicht spoilern.

Mein Fazit

Vielleicht nicht das beste Buch des Autors, aber für mich definitiv ein Gutes, um dem Stress des Tages zu entkommen.
Zwar hat das Buch viele Klischees und unlogische Charaktere, doch auch einen guten, teils flachen Humor, der ab und an ein wenig zu erzwungen wirkt und sich gut in den flapsigen Schreibstil für Zwischendurch eingliedert.
Aber gerade die Charaktere liegen einem schnell am Herzen. Vor allem, da selbst der Prinz nicht perfekt ist. Zwar besitzt er ein unglaubliches Aussehen, er ist immerhin gezeichnet und erdacht, allerdings hat sein Charakter Fehler.
Ebenso wie Nellies. Die keine klischeehafte Schönheit ist und auch keine Disneyprinzessin.
Das Buch ist für all jene, die einen entspannen Nachmittag haben wollen, mit zum Beispiel einem Tee und etwas Schokolade.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Traumprinz“ bei Thalia*

Weitere Rezensionen zu Büchern von David Safier:
Jesus liebt mich
Plötzlich Shakespear

2 Kommentare zu „Rezension: Traumprinz (David Safier)“

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