Rezension: Das gefälschte Herz – Die Neraval-Sage 2 (Maja Ilisch)

(Copyright Cover: Hobbit-Presse / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Mit „Das gefälschte Herz“ erschien am 14. März 2020 endlich die Fortsetzung zu „Das gefälschte Siegel“, dem ersten Teil der Neraval-Sage, von der deutschen Schriftstellerin Maja Ilisch geschrieben und in der Hobbit-Presse bei Klett-Cotta verlegt.

Tymur ist mit seinen drei Gefährten Kevron, Lorcan und Enidin in das Nebelreich der Alfeyn gereist, um die mächtige Zauberin Ililiané zu finden, die damals an Damars Seite gegen den Erzdämon kämpfte. In ihrem Gepäck haben sie die Schriftrolle, in die der Dämon eingeschlossen ist, aber niemand von ihnen kann sich sicher sein, ob dies wirklich noch der Fall ist. Sind sie alle noch sie selbst? Können sie sich gegenseitig noch vertrauen?
Diese Frage stellt man sich im ersten Teil sehr oft und dann endet das Buch mit einem Cliffhanger, der alles noch mehr in Frage stellt.
Das Problem – und das meine ich wirklich positiv – ist, dass es im zweiten Band direkt so weiter geht.

Nach dem Mord an Ililiané kommt verstärkt die Frage auf, ob Tymur noch Tymur ist oder doch schon lange vom Dämon besessen. Da hilft es auch keinesfalls, dass man in „Das gefälschte Herz“ nun auch aus seiner Sicht lesen kann, denn er macht es einem wirklich nicht leicht. Man lernt im zweiten Band einen ganz anderen Tymur kennen, als man ihn aus „Das gefälschte Siegel“ zu kennen glaubt. Maja Ilisch schafft mit Tymurs Kapiteln eine völlig neue Möglichkeit zum Spannungsaufbau und bringt damit einen frischen Wind in die Geschichte.
Geschichte und Charaktere sind konstant weiter erzählt und entwickeln sich dementsprechend sehr logisch. Lorcan bringt mit seinen Kapiteln noch immer eine gewisse Ruhe rein, auch wenn man ihm seine Verzweiflung deutlich anmerkt und damit auch seine Funktion als Ruhepol etwas abnimmt.
Dass Kevron hin und wieder ein wenig durchdreht, dabei aber auch mal über sich hinauswächst und mutiger wird, als er sonst immer scheint, hat mir sehr gut gefallen. Ihn und Lorcan mag ich nach wie vor sehr gerne.
Und auch Enidin hat mir in diesem Teil tatsächlich besser gefallen – auch wenn sie oft immer noch zu arrogant ist, um mir sympathisch zu werden. Aber auch sie entwickelt sich damit logisch und nachvollziehbar und das ist super. Schließlich kann keine Figur in ihrer Entwicklung eine 180° Wende durchmachen.
In meinen Augen war es auch eine sehr gute Entscheidung, sie später von der Gruppe zu trennen. Das hat ihren Kapiteln eine eigene Spannung gegeben und sie sehr lesenswert gemacht. Und birgt die Möglichkeit, noch einmal ganz andere Dinge zu offenbaren.

Während Maja Ilischs Hauptaufmerksamkeit noch immer auf den Charakteren zu liegen scheint, bekommt aber auch die Handlung mehr Tiefe. Was daran liegen mag, dass sie sich nun – ohne die Reise mit einem Ziel wie das Nebelreich – besser mit den Figuren mitentwickeln kann.
Auch der Schreibstil ist dementsprechend sehr auf die Charaktere bezogen, aber das macht dieses Buch auch aus. Er ist konstant gut, lässt sich flüssig lesen und Maja Ilisch versteht es, Gefühle und Gedanken herüberzubringen.

Das Cover ist wieder wunderschön und passt sich perfekt an jenes von „Das gefälschte Herz“ an und auch hier muss ich einfach wieder betonen, wie wahnsinnig weich die Seiten sind. Es macht nicht nur wegen der tollen Geschichte so viel Spaß, sie umzublättern.

Mein Fazit

„Das gefälschte Herz“ hat meine hohen Erwartungen sogar noch übertroffen. Der Vorgänger gehört zu meinen Jahreshighlights aus 2019 und Teil 2 wird es sicher in die Highlights dieses Jahres schaffen. Maja Ilisch hat ein Talent dafür, mich mit ihren Charakteren und Wendungen zu überraschen, denn auch hier gibt es natürlich wieder einen gemeinen Cliffhanger und wirklich viele, viele Dinge, die ich so niemals erwartet hätte.
Wie auch schon „Das gefälschte Siegel“ macht „Das gefälschte Herz“ einen wundervollen Gesamteindruck und trägt zudem noch einen äußerst passenden Titel. Es reiht sich perfekt an den Vorgänger an und hat mir noch besser gefallen.
Wer also noch überlegt hat, ob er die Reihe lesen sollte, dem kann ich nur eine klare Empfehlung aussprechen. Für mich ein High-Fantasy-Roman, wie man ihn eher selten findet.

Geschrieben von Roberta

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Das gefälschte Herz – Die Neraval-Sage 2“ bei Thalia*

Unsere Rezension zum ersten Teil der Neraval-Sage „Das gefälschte Siegel“ findet Ihr hier.
Und eine weitere Meinung zu „Das gefälschte Herz“ könnt ihr auch auf dem Blog Roman-Tipps lesen.

Diese Rezension ist auch unter Monerls Linkparty März 2020 verlinkt.

5 Kommentare zu „Rezension: Das gefälschte Herz – Die Neraval-Sage 2 (Maja Ilisch)“

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