Autoreninterview: Matthias Thurau

Autor Matthias Thurau
(Copyright Foto: Matthias Thurau)

0. Zunächst ein paar persönliche Fragen. Hier geben wir Dir Raum, Dich vorzustellen. Zum Beispiel Deinen (Autoren)Namen zu nennen, Deine bereits erschienenen oder bald erscheinenden Werke aufzulisten, etwas über Dein Alter oder Deine Social–Media Kanäle zu sagen:

Mein Name ist Matthias Thurau, ich bin 34 Jahre alt, lebe in Dortmund und habe bisher zwei Bücher als Selfpublisher veröffentlicht, den Roman Sorck und den Gedichtband Alte Milch. Ich schreibe außerdem für meinen Blog (Papierkrieg.Blog), auf dem Artikel über Literatur allgemein, Selfpublishing, eigene Erfahrungen, über Philosophisches und über Details eigener Veröffentlichungen erscheinen. Wer sich für mich als Autor interessiert oder einfach gerne nachdenkt, sollte auf jeden Fall dort vorbeischauen. Man findet mich meist auf Twitter (@MT_Papierkrieg), aber auch auf Instagram (MT_Papierkrieg) und seltener auf Facebook.

1. Erzähl gern etwas über Dich. Bist Du verheiratet, hast Du Kinder? Was auch immer Du erzählen willst und vielleicht auch, wie sich das in Deinen Autorenalltag mit eingliedert. Zum Beispiel wie Dein Ehepartner Dich beim Schreiben unterstützt.

Keine Frau, keine Kinder, kein Geld – nur Literatur. Okay, das ist etwas zu hart. Ich habe einen älteren Bruder und Eltern, die mich auf ihre Weise unterstützen, und Freunde, die mir helfen, testlesen, Werbung machen und Cover designen. Die meiste Zeit verbringe ich allein. Das führt dazu, dass ich um niemanden herum planen oder arbeiten muss, wenig Rücksicht nehmen muss und meinen Weg komplett so gehen kann, wie ich es möchte. Freiheit ist mir wichtig.

2. Welche Bücher sind die, die Du am liebsten selber liest?

Am liebsten habe ich schon immer anspruchsvollere Literatur gelesen, die gerne einen Touch Surrealismus oder Fantastischen Realismus in sich haben darf. Zu meinen Favoriten zählen Hesse, Kafka, Kehlmann, Nooteboom, Borges, aber auch Camus, Hermann Burger und andere. Ich lese außerdem gern Graphic Novels und Comics, gelegentlich Lyrik, Essays und Sachbücher.

3. Wen liest Du am liebsten? War er Deine Inspiration?

Die Liste der Lieblingsautoren ist recht lang (s.o.) und jeder einzelne hat mich auf andere Weise inspiriert. Hesse stand die meiste Zeit ganz oben. Seine Art, das Innenleben der Figuren auf die Außenwelt zu übertragen, war ein starker Einfluss. Die bizarren und beklemmenden Welten Kafkas und das Labyrinthische darin finden sich auch in meinen Werken. Sich von Borges inspirieren zu lassen, ist einfach, aber die Benennung dessen, was man genau von ihm übernommen haben könnte, ist umso schwieriger. Von Camus habe ich einen Teil der Philosophie und von Burger die Liebe zu schwieriger Sprache, wenn ich auch lange nicht so talentiert und wissend bin, wie er es war.
Meine Inspiration stammt aus vielen verschiedenen Quellen, aber Literatur, die ich selbst liebe, zählt natürlich dazu.

4. Welches Projekt (nicht Buch) würdest Du gern umsetzen?

Verfilmungen meiner Geschichten oder die Umwandlung in Graphic Novels würde ich gern sehen, aber das könnte ich nicht selbst umsetzen. Das müsste ich anderen überlassen. Auch würde ich gern mal wieder hören, wie eines meiner Gedichte vertont wird. Früher habe ich mich häufiger mit einem Freund getroffen, wir tranken und redeten und irgendwann setzten wir uns hin und schrieben einen Song: Musik und Gesang von ihm, Text von mir. Am Ende der Nacht hatten wir einen aufgenommenen Song. Oder ich schickte ihm einen Text und einige Tage später gab es ein Lied dazu. Das war super.
Ich würde gern mit Musikern aus den Bereichen Drone, Ambient, Sludge oder anderen dunklen, experimentellen Genres zusammenarbeiten, um Tracks mit gesprochenem Text aufzunehmen. Die wenigsten werden mit der Erklärung etwas anfangen können, daher hier eine Liste mit Beispielen, wie das aussehen könnte:

Acid Bath – The Beautiful Downgrade oder Old Skin
Jesu / Sun Kil Moon – Beautiful You
Årabrot & Karin Park feat. John Doran – Gun Lore

Meine Gedichte dürften ziemlich gut zu so einem Projekt passen und ich bin ein großer Musikfan, also los!

5. Wenn alles möglich wäre, was wäre Dein erster Wunsch?

Da fielen mir viele Wünsche ein, aber nicht dabei wäre ein Wunsch nach Erfolg meiner Bücher. Wenn ich wüsste, ich wäre nur erfolgreich aufgrund eines magischen Wunsches, wäre das eine Art Selbstbetrug und ich wäre eben nicht aufgrund der harten Arbeit und der guten Ideen erfolgreich. Ich habe mich lange gequält und tue es noch immer, um Arbeiten abzuliefern, auf die ich stolz sein kann. Das würde ich mir selbst nehmen, wenn ich mit Zauberwünschen hantieren könnte und würde.
Außerdem ist die Vorstellung gruselig. Würde mir jeder Wunsch erfüllt werden, bedeutete dies, dass es eine Wesenheit oder etwas gäbe, die einerseits weitestgehend allmächtig und andererseits so gleichgültig (oder böse?) wäre, dass sie jeden Wunsch erfüllt, unabhängig vom Inhalt.
Lustige Story dazu: Als Teenager habe ich abends vorm Schlafengehen Lebenszeit gegen Wünsche getauscht mit allem, was möglicherweise in der Dunkelheit zuhörte. Ich biete ein Jahr meines Lebens für … . Fast alle diese Wünsche gingen in Erfüllung. Ob das nun meine Leistung war oder ob die Abrechnung noch kommen wird, kann jede*r frei entscheiden.

6. Was ist die beste Geschichte, die Du nie (fertig) geschrieben hast?

In Ideen, die mir wirklich gut gefallen, beiße ich mich fest und arbeite daran, bis sie funktionieren. Entsprechend gibt es meines Wissens nach von mir keine Geschichten, die gleichzeitig besonders gut und ungeschrieben wären. Allerdings gibt es ein Romanmanuskript, das ich nie veröffentlicht habe. (Eigentlich zwei, aber wer nimmt das schon so genau?) Dieses Manuskript ist verwirrend, spielt mit Identitäten, ist surreal und mehrfach verschachtelt, hat aber einige Elemente, die mich nie wieder losgelassen haben. Vielleicht werde ich es irgendwann einmal stark überarbeiten und veröffentlichen, aber vorerst liegt es als Rohfassung herum.

7. Was möchtest Du als Autor noch erreichen?

Weltruhm! Aber ernsthaft, ich möchte nichts Anderes, als vermutlich alle anderen Schreibenden auch: schreiben, veröffentlichen und etwas Anerkennung dafür ernten. Wenn es spezieller sein soll, würde ich sagen, dass ich mindestens einen Band mit Erzählungen veröffentlichen will, um das Dreigespann zu vervollständigen: Roman, Gedichtband, Erzählband. Außerdem würde ich gern mit einem Verlag zusammenarbeiten für den nächsten Roman oder die nächsten Romane, um größere Reichweite zu bekommen. Ich hätte gern, dass man meinen Namen mit guter und ausgefallener Literatur in Verbindung bringt, selbst wenn man nie etwas von mir gelesen haben sollte. Im Grunde ist es sehr simpel: Ich möchte mich ein Leben lang schrifstellerisch verwirklichen.

Zwar stehen oben auch schon Fragen zu Dir als Autor direkt, aber gehen wir da jetzt mal ein wenig mehr drauf ein!

8. Welche Fehler beim Schreiben sind Dir über Dich selbst bekannt und welche ärgern Dich am meisten? Wie versuchst Du, sie loszuwerden, oder akzeptierst Du sie einfach?

Manchmal vergesse ich, dass die Leserschaft nicht sieht, was ich im Kopf sehe. Ich halte meine Geschichten also zu knapp und lasse Beschreibungen aus, die notwendig wären. Daran versuche ich mich beim Schreiben zu erinnern, aber meist hilft nur rigoroses Überarbeiten. Fehler darf man nicht akzeptieren, wenn man es ernst meint mit dem Schreiben. Daher besteht der Großteil der Arbeit an einem Werk bei mir im Überarbeiten, wieder und wieder und wieder, bis ich zufrieden bin und keine Fehler mehr finden kann.

9. Für uns andere Autoren auch interessant: Wie läuft Dein Schreibprozess bei Dir ab? Von der Idee bis zur Korrektur?

Die grundsätzliche Idee taucht meist einfach auf. Manchmal muss sie allerdings erarbeitet werden, wenn beispielsweise das Thema einer Anthologie vorgegeben ist. Dann ist Brainstorming angesagt. Ist die Idee erstmal da, notiere ich mir alles, was mir dazu einfällt, in Stichpunkten, bis sich eine gewisse Struktur ergibt und die passenden Figuren. Üblicherweise beginnt nämlich alles mit einer Plotidee und nicht mit einer Figurenidee. Danach erarbeite ich mir die Details der Figuren und des Plots. Manchmal, um in die richtige Stimmung zu kommen, schreibe ich auch ein wenig drauflos. Ich schreibe meist von vorn nach hinten, bis die Geschichte fertig ist. Dann lege ich sie weg und komme eine Weile später zurück zu ihr, um mit der Überarbeitung zu beginnen. Ich versuche den Kern der Geschichte für mich selbst zu erkennen, den man zu häufig im ersten Schreibprozess nicht wahrnimmt, obwohl er da ist und man ihn selbst erschafft. Habe ich die Grundidee gefunden, kann ich sie weiter herausarbeiten durch zusätzliche Szenen und Bilder oder Streichung vorhandener. Danach wird das Manuskript wieder weggelegt, um Abstand zu gewinnen. Der Vorgang wiederholt sich immer wieder. Meist mache ich 5-10 Überarbeitungsrunden, je nach Länge und Komplexität der Geschichte. Testleser*innen kommen auch irgendwann ins Spiel. Dann folgt das Korrektorat und ich bin fertig. Ein Lektorat wäre eigentlich auch Teil des Vorgangs, aber das liegt leider noch außerhalb meines Budgets.

10. Wie bist Du auf das Genre gekommen, das Du schreibst?

Es fällt nicht leicht, ein einziges Genre zu finden für meine Geschichten. Nur wenige lassen sich direkt einordnen. Was ich schreibe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hängt mit dem zusammen, was ich lese und immer gelesen habe. Es schien mir natürlich beziehungsweise benötigte gar keine bewusste Entscheidung am Anfang. Über Genres mache ich mir erst Gedanken, wenn es darum geht, die fertigen Geschichten einzuordnen, damit sie besser gefunden werden können. Man könnte mein Genre im entferntesten Sinne der Fantastik zuordnen, obwohl es mit Fantasy, wie wir es meistens verstehen, nichts oder extrem wenig zu tun hat. Allerdings mache ich auch gerne Ausflüge in andere Genres. Wie gesagt, Freiheit ist mir wichtig. Ich lege mich nicht fest.

11. Warum hast Du mit dem Schreiben angefangen? Erzähl uns die Geschichte!

In der Grundschule habe ich bereits Geschichten geschrieben, aber das zähle ich nicht mit. Bewusst angefangen habe ich als Teenager, ich war vielleicht 13 oder 14 Jahre alt. Damals war es Lyrik. Ich hatte eine schwere Zeit und kam mit meinen Mitschülern nicht klar. Gleichzeitig war ich unfähig, meine Probleme auszusprechen oder zu beheben. Also habe ich geschrieben. In Gedichten konnte ich alles ausdrücken, was in mir vorging, ohne es direkt auszusprechen oder zu benennen. Die Metaphern erlaubten es. Entsprechend düster und traurig waren die Texte. Es ergab Sinn für mich. Nicht nur konnte ich einen Teil meiner Wut loswerden, ich setzte mich außerdem von anderen ab, indem ich schrieb, denn das tat nun wirklich nicht jeder. Vielleicht ist mir das Schreiben deswegen so wichtig, weil es mich in einer entscheidenden Entwicklungsphase begleitet und mir geholfen hat.
Ein zweiter Anfang begann für mich mit 30, nachdem ich wieder einige sehr harte Jahre hinter mir hatte. Im Rückblick kann ich mein Leben zwischen 12 und 30 nur in harte und sehr harte Jahre gliedern, wenn ich auch viel Spaß und viele schöne Momente hatte. Dann fand ich meine Motivation endgültig und tat, was ich immer tun wollte: Schreiben.

12. Was motiviert Dich?

Schreiben ergibt Sinn, alles andere geschieht nur. Um halbwegs zu funktionieren, brauche ich einen Sinn in dem, was ich tue. Ich glaube an keinen höheren Sinn (Gott oder Schicksal), brauche aber etwas, an das ich glauben kann, um weiterzumachen. Also ist es nur logisch, sich einen Sinnersatz zu suchen, etwas, das einen am Leben hält. Für mich ist das Literatur. Dafür habe ich mich bewusst entschieden und bei der Entscheidung bleibe ich. Ohne Schreiben existiere ich nur, mit lebe ich. Ein roter Faden, der mein Leben zusammenhält.

13. Wie viel Schreibzeit hast Du?

So viel, wie ich will oder aushalte. An guten Tagen arbeite ich den ganzen Tag an literarischen Projekten, an weniger guten lasse ich mich zu sehr ablenken. Pausen, Urlaube und Freunde stellen natürlich Ausnahmen dar. Ich brauche allerdings auch viel Zeit, da ich langsam arbeite. Zu denen, die ein Buch in wenigen Wochen fertigstellen können, habe ich nie gehört.

14. Lässt du Dich gerne auch mal ablenken?

Nicht gerne, aber zu häufig. Der Satz sagt schon viel über mich aus. Ich bin unzufrieden, wenn ich mich zu viel ablenken lasse, und muss mich zu Pausen zwingen. Häufig übernimmt das mein Körper. Ist ein Projekt abgeschlossen, werde ich erstmal krank. Vielleicht opfere ich zu viel, ich weiß es nicht. Aber anders kann ich es nicht.
Wovon ich mich allerdings gerne ablenken lasse, sind die relativ seltenen Besuche von Freunden und die relativ häufigen Konzertbesuche. Auf einem kleinen Metal-/Doom-/Sludge-Konzert alles zu vergessen und die Sau rauszulassen, ist extrem befreiend. Außerdem versuche ich regelmäßig Sport zu treiben. Verrückterweise war ein Grund, damit anzufangen, dass ein fitterer Körper es mir erlaubt, länger konzentriert zu arbeiten.

15. Welches Deiner Bücher magst Du selbst am liebsten und warum?

Es sind ja erst zwei und die beiden sind schwer zu vergleichen: ein Roman und ein Gedichtband. Ich bin auf beide stolz. Wenn ich mich unbedingt für ein Buch entscheiden müsste, wäre es wohl der Roman, weil Sorck einen Neuanfang für mich bedeutet und beweist, dass ich zeit- und arbeitsintensive Projekte erfolgreich abschließen kann. Außerdem ist Sorck einfach ein gutes und sehr ungewöhnliches Buch. Die wenigsten werden so etwas bisher gelesen haben und das gefällt mir.

16. Wie sieht in Deinen Augen der Alltag eines Autors aus? Die meisten nur Leser können sich nichts darunter vorstellen.

Ich kann da nur für mich sprechen. Aber bei mir ist es simpel: Aufstehen, arbeiten, Mittagspause, arbeiten, Sport, Abendessen, arbeiten, Entspannungsprogramm. Jeden Tag (mit wenigen Ausnahmen).
„Arbeiten“ bedeutet bei mir neben dem Schreiben noch Recherche, Kommunikation (mit Autor*innen, Distributoren, Testleser*innen, Blogger*innen), Besuche in Buchläden, um meine Werke anzubieten, überarbeiten, Interviews etc.

17. Wie stehst Du heute zu Deinen ersten Geschichten?

Zunächst muss ich überlegen, welche ich als meine „ersten Geschichten“ definieren würde. Die Grundschulgeschichten kenne ich nicht mehr. Die Experimente mit Anfang 20 zählen auch kaum. Es waren vereinzelte Versuche, Traumgeschichten oder Prosagedichte. Vielleicht sind da interessante Ideen bei, aber ich würde sie so heute nicht mehr schreiben. Die Geschichten, mit denen ich vor etwa 4 Jahren meine jetzige, ernsthafte Schreibphase begonnen habe, gefallen mir noch immer. Ich würde sie überarbeiten, bevor ich sie veröffentliche, aber ansonsten stehe ich dazu.
Jede Geschichte hat ihre Zeit und ihre Berechtigung, selbst wenn sie aus welchem Grund auch immer nicht veröffentlicht wird. Man selbst ändert sich, die Zeit ändert sich und die Sicht auf die Geschichten ändert sich ebenfalls. Das nimmt ihnen nicht die Berechtigung. Jeder Beweis meiner schriftstellerischen Tätigkeit macht mich auch ein Stück weit stolz.

18. Was würdest Du jetzt gern an dieser Geschichte ändern?

Literatur entsteht aus der Zeit heraus, in der sie geschaffen wurde. Würde man nicht irgendwann abbrechen, könnte man Werke endlos überarbeiten, um sie an die neuen Gegebenheiten, Kenntnisse und Vorlieben anzupassen. Entsprechend würde ich meine alten Geschichten anpassen, damit sie mir besser gefielen, aber das wäre unsinnig, oder? Lieber schreibe ich neues Material.

Sie sind unabdingbar und gerne zickig. Die Figuren. Wir lieben und wir hassen sie und meistens kann sich der Leser gar nicht vorstellen, welches Leid wir manchmal mit ihnen erdulden mussten. Ohne sie geht es aber dennoch nicht. Erzähl uns gerne von ihnen!

19. Magst Du alle Deine Figuren?

Meine Figuren sind mir nicht alle sympathisch, tatsächlich sind das die wenigsten. Aber ich mag sie, weil sie notwendig sind, ich sie erschaffen habe und ich verstehe, warum sie sind, wie sie sind. Sie vervollständigen die Welt ihrer Geschichten und sind nicht wegzudenken. Mag ich also das Schreiben, mag ich auch meine Geschichten und damit die Figuren. Würde ich mit ihnen abhängen wollen? Nein, mit den meisten nicht.

20. Gibt es für die Figuren reale Vorbilder?

Reale Vorbilder gibt es nur insofern, dass mal hier und mal dort ein Charakterzug auftaucht, eine bestimmte Reaktion, die ich faszinierend fand, eine Sprechweise oder ein Teil des Aussehens echter Personen. Keine meiner Figuren stellt eine reale Person dar, weder mich noch irgendwen sonst.

21. Fällt es Dir leicht, schwierige Figuren zu schreiben? Ganz gleich, weshalb genau sie schwierig sind.

Wären es schwierige Figuren, wenn es mir leicht fiele, sie zu schreiben? Da ich weiß, warum eine Figur ist, wie sie ist, ist sie auch nicht schwierig für mich. Das Problem liegt darin, sie zu verstehen, bevor man sie in eine Geschichte einpflanzt.

22. Wann genau ist eine Figur schwierig für Dich?

Eine Figur wird für mich schwierig, wenn sie mir charakterlich völlig widerstrebt. Man findet immer wieder Personen, die Dinge tun und sagen, die überhaupt keinen Sinn ergeben aus der eigenen Perspektive. Sie haben ihre Beweggründe und Überzeugungen, aber es ist schwierig, diese zu erkennen oder gar nachzuvollziehen. Will man eine Figur erschaffen, die eine solche Person darstellt, kommen Probleme auf. Schafft man es aber, die Motivation solcher Personen (ob nun erfunden oder real) herauszuarbeiten, hilft das nicht nur beim Schreiben, sondern auch im Alltag. Wir können nur erfolgreich bekämpfen, nur erfolgreich ändern oder nur erfolgreich mit etwas kooperieren, was wir auch verstehen. Das macht die scheinbar Irrationalen und jene, die niemals versuchen, andere zu verstehen, so gefährlich.

23. Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein, das ergäbe keinen Sinn für mich. Steht die Figur der Geschichte im Weg, muss die Figur zurechtgebogen werden. Ich glaube nicht an die völlige Verselbständigung einer Figur, sondern an ihren Platz im Gesamtkonstrukt. Wenn sie nicht mehr ins Konstrukt passt, hat man einen Fehler gemacht. Ist die Figur wichtiger als das Konstrukt, muss dieses geändert werden.

24. Welche ist der Liebling Deiner eigenen Figuren? Wo kommt sie vor und magst Du sie uns vorstellen?

Im Augenblick wäre das wohl Eva aus meinem Roman Sorck. Eva arbeitet auf dem Kreuzfahrtschiff, auf dem der Großteil der Geschichte spielt, aber sie tut das nur, um ihre Träume zu finanzieren. Sie hat klare Ziele, feiert gern, aber kennt ihre persönlichen Grenzen und verliert niemals völlig die Kontrolle, sondern gibt sie höchstens freiwillig und immer nur scheinbar ab. Sie ist meiner Meinung nach die stärkste Person im Buch und weiß als einzige genau, was sie will. Eva tut, was sie muss, um erreichen zu können, was sie will. Eigentlich hätte sie mehr Auftritte verdient.

25. Hier geben wir Dir Raum, selber noch etwas zu Deinen Charakteren zu erzählen.

Meine Figuren sind meist Außenseiter, nicht hochintelligent und nicht dumm. Sie haben eine besondere Perspektive auf die Welt, einige Macken und mehrere schwerwiegende Probleme. Keine passt wirklich in die Gesellschaft, auch wenn manche es versuchen. Nur eine wichtige Figur im neuen Romanprojekt ist etwas anders, ein treuer und vorbildlicher Staatsdiener, zumindest an der Oberfläche.

Und da sind wir auch schon fast durch. Jetzt bitten wir Dich darum, ein Projekt oder DAS Projekt vorzustellen. Dabei wollen wir Dir viel Raum lassen.

26. Extra eine gemeinere Frage: Weshalb sollten Leser auf jeden Fall Dein Buch kaufen?

Der Roman Sorck ist besonders, weil der Schreibstil einzigartig ist, die Sprache neu, die Geschichte ungewöhnlich, die Ideen unverbraucht und die versteckten Bezüge, Details und Bilder mannigfach. Der Roman ist außergewöhnlich und, wie oben bereits gesagt, hat vermutlich kaum jemand ein ähnliches Buch schonmal gelesen.
Alte Milch, der Gedichtband, ist ebenfalls aufgrund der ungewöhnlichen Sprache und Ideen lesenswert. Philosophisches, Rauschartiges, Gefühle und Autorendasein wurden in Gedichten verpackt, deren Stil wenig zu tun hat mit Texten, die man in der Schule zu lesen gezwungen wurde.
Beide Werke regen zum Nachdenken an und das ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Aspekte guter Literatur.

27. Was sollen sich Leute am Ende Deiner Geschichte denken?

Meine Hoffnung ist, dass Leserinnen und Leser während der gesamten Lektüre nachdenken und nicht bloß danach. Sie sollen eigene Ideen und neue Perspektiven entwickeln, generell zum Nachdenken angeregt werden und nicht mehr die selben sein, die sie noch waren, bevor sie mein Buch in die Hand genommen hatten. Es geht mir darum, Feuer zu legen im Verstand und Menschen zu berühren.

28. Was auch immer die Beweggründe dafür waren, wieso Du dieses Interview gemacht hast, bestimmt war da auch die Hoffnung, Werbung für Dich machen zu können, ganz gleich, ob du Deinen Lesestoff kostenfrei anbietest oder nicht. Diesen Raum wollen wir Dir hier gerne geben. Berichte uns über Dein Projekt oder die Projekte. Sag noch ein paar abschließende Worte. In welchem Format gibt es Dich zu lesen? Und zu welchem Preis? Hau in die Tasten!

Wer mich genauer kennenlernen möchte, guckt sich am besten auf Papierkrieg.Blog um, wo es auch alle Links zu meinen Veröffentlichungen, Kooperationen, Interviews, Zeitungsartikel etc. gibt, oder folgt mir auf Twitter.
Beide Bücher, Sorck und Alte Milch, gibt es überall im Handel als Taschenbuch und Ebook. Am besten kauft man sie im lokalen Buchhandel, um die Geschäfte zu unterstützen, das Standing von Selfpublishern zu verbessern und mich bei Händlern bekannter zu machen, wenn man schon dabei ist.
Ich freue mich über jeden einzelnen Buchverkauf und über jede Rückmeldung. Danke für Euer Interesse!

Sork kaufen
Alte Milch (Buch) kaufen
Papierkrieg Blog

Hinweis: Die meisten Fragen sind aus der Community gefischt worden.

1 Kommentar zu „Autoreninterview: Matthias Thurau“

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