Autoreninterview: Awen Eibner

Autorin Awen Eibner Wellenflügel Trilogie Band 1 Die Tiefen des Sees
(Copyright: Awen Eibner)

Danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, ein kleines Interview mit uns zu machen! Wir freuen uns sehr auf Deine Antworten und sind gespannt, wie andere Autoren diesen Fragebogen ausfüllen werden.
Nochmal kurz etwas zum Bambusblatt: Wir sind ein Team aus zwei Autoren und einem verfressenen Panda. Wir arbeiten hart daran, dass es von uns kostenlose Geschichten geben wird. Außerdem gibt es den Blog, auf dem wir Rezensionen schreiben und eben auch die Interviews posten werden. Zudem toben wir uns auch im Thema Merch aus – so kann man Armbänder über unseren Etsyshop KeithLeBambou erwerben. Über Spreadshirt gibt es bereits das Motiv von einem Halloweenpanda Keith auf verschiedene Objekte gedruckt.

Natürlich steht es Dir frei, Fragen auszulassen. Das hier ist Dein persönlicher Bogen. Über lange Antworten freuen wir uns besonders, aber manchmal gibt es auch nicht so viel zu erzählen. Lies Dir am besten erst einmal den gesamten Bogen durch.
Viel Spaß!

0. Zunächst ein paar persönliche Fragen. Hier geben wir Dir Raum, Dich vorzustellen. Zum Beispiel Deinen (Autoren)Namen zu nennen, Deine bereits erschienenen oder bald erscheinenden Werke aufzulisten, etwas über Dein Alter oder Deine Social–Media Kanäle zu sagen:

Hi! Ich bin Awen Eibner, Autorin von überwiegend High-Fantasy und Selfpublisherin. Zu finden gibt’s mich auf Twitter, Goodreads und meinem Blog (aweneibner.at). Derzeit arbeite ich daran, meine erste Trilogie zu beenden und mich auf ein drittnächstes Projekt festzulegen. Ansonsten schreibe ich hauptsächlich Rezensionen.

1. Erzähl gern etwas über Dich. Bist Du verheiratet, hast Du Kinder? Was auch immer Du erzählen willst und vielleicht auch, wie sich das in Deinen Autorenalltag mit eingliedert. Zum Beispiel wie Dein Ehepartner Dich beim Schreiben unterstützt.

2. Welche Bücher sind die, die Du am liebsten selber liest?

Mit Abstand gut durchdachte High-Fantasy. Besonders am Herzen liegen mir Weltenbau, insbesondere das Magiesystem, und Drachen.

3. Wen liest Du am liebsten? War er Deine Inspiration?

Der einzige Autor, von dem ich eine lächerlich große Zahl an Büchern gelesen habe, ist Terry Pratchett. Obwohl ich einzelne seiner Werke verehre, ist er für mich nur in einer Hinsicht eine Inspiration – er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass allein durch Wortwahl Situationen lustig werden können. Und wenn man sie durch Wortwahl lustig machen kann, was kann man noch alles mit ihnen anstellen, indem man auf die Sprache achtet?

4. Welches Projekt (nicht Buch) würdest Du gern umsetzen?

Ich würde es wirklich gerne hinbekommen, zwei Schlauchpflanzen miteinander zu kreuzen. Eine blühende habe ich schon, jetzt fehlen nur noch eine zweite und Recherche, wie ich die Befruchtung und das Auskeimen am besten hinbekomme.

5. Wenn alles möglich wäre, was wäre Dein erster Wunsch?

Etwas ganz Langweiliges: Vollkommen gesund zu sein. Die ganzen kleinen Wehwehchen wegzubekommen und mittels des Wunsches auch gröbere Sachen zu vermeiden.

6. Was ist die beste Geschichte, die Du nie (fertig) geschrieben hast?

Wahrscheinlich 80 Prozent meiner de facto aufgeschriebenen Geschichten. In der Phase vor dem Schreiben, wenn meist noch nicht einmal ein Plot steht oder die Welt gut ausgebaut ist, sehe ich das ganze Potenzial, was sich mit der Geschichte machen und erzählen lässt. Die Umsetzung ruiniert dieses Potenzial, weil sie ein Was-sein-Könnte auf ein Ist festlegt. Nicht dass ich mit dem Ist zwingend unzufrieden bin – es ist halt nicht mehr all das, was es hätte sein können.

7. Was möchtest Du als Autor noch erreichen?

Auf finanzieller Ebene: Keinen Verlust mehr zu machen. Unpraktischerweise möchte ich gleichzeitig die Qualität meiner Bücher verbessern, was hohe Kosten insbesondere fürs Lektorat mit sich bringt.

Zwar stehen oben auch schon Fragen zu Dir als Autor direkt, aber gehen wir da jetzt mal ein wenig mehr drauf ein!

8. Welche Fehler beim Schreiben sind Dir über Dich selbst bekannt und welche ärgern Dich am meisten? Wie versuchst Du, sie loszuwerden, oder akzeptierst Du sie einfach?

Die Liste der Fehler, die ich in meinem Geschreibsel sehe, ist unübersichtlich lang, aber hier ein kleiner Auszug: Dialoge (mit Fragezeichen; ich mag sie, aber einige meiner Leser empfinden sie als zu langgezogen); dass ich mich beim Weltenbau verzettele; dass ich das mit der Wortwahl noch immer nicht so hinbekomme, wie ich das gerne hätte; dass ich viel zu viele Passiv-Konstruktionen verwende, was den Sätzen den Punch nimmt.
Aber am ärgsten stören mich meine Charaktere. Während ich in Bezug auf den Weltenbau und den Schreibstil das Gefühl habe, zumindest grob zu wissen, was ich tue/wo ich mir Anregungen, Feedback und Hilfe holen kann, fühlen sich bewusste Charakterisierungen an wie dieser eine tote Fisch, den man mit der Zange einfach nicht aus dem Aquarium rausbekommt, weil er ständig davonflutscht. Ich denke nicht, dass ich vollkommen unfähig bin, gute und interessante Charaktere zu schreiben, aber es fällt mir schwer.
Auch deswegen, weil ich nicht genau weiß, wie ich das Problem lösen kann. Bei meinen anderen kann ich die Quelle allen Übels festnageln und mir ein Vorgehen überlegen, wie ich sie wegbekomme (Schreibübungen, genaues Überarbeiten, strukturiertere Planung). Bei Charakteren fehlt mir das weitestgehend, sodass ich erst einmal die Fehlerquellen finden muss, bevor ich sie stopfen kann.
Ich muss mich mit Figuren theoretischer auseinandersetzen und plane, mir dazu etwas Wissen anzulesen. Auch wenn ich noch nicht weiß, wo ich mit dem Lesen beginnen soll.

9. Für uns andere Autoren auch interessant: Wie läuft Dein Schreibprozess bei Dir ab? Von der Idee bis zur Korrektur?

Langwierig. Ideen habe ich genug; dieses Chaos zu etwas umzuformen, das genug Material für einen Roman liefert, ist bereits schwieriger. Vor dem Schreiben überlege ich mir die relevanten Details zu meiner Welt (die meistens komplett erfunden ist), die Charaktere und den sehr groben Plot. Der tatsächliche Schreibprozess dauert zwischen drei Monaten und zwei Jahren, dann lasse ich das Typoskript mehrere Monate liegen, überarbeite es grob, setze es meinen Menschenopfern (sprich: Betalesern) vor, lasse es zerfetzen und beginne dann mit der eigentlichen Überarbeitung: Szenen neu anordnen/überarbeiten/entfernen/hinzufügen, Füllwörter, Floskeln und Phrasen entfernen, mit geröteten Augen (der Teil ist wichtig!) den Bildschirm anstarren und Sätze umformulieren, das einige Male wiederholen, alles ausdrucken, noch einmal Korrekturen für Wortwahl, Satzbau, Satzlänge und dergleichen anmerken, das ins Typoskript einarbeiten, dabei auch auf Rechtschreibung und Grammatik achten, und dann geht’s endlich ins Korrektorat. Danach kommen noch einige letzte Korrekturen, die aber meist recht flott gehen.
Das Ziel ist es, vor dem Korrektorat noch ein Lektorat zwischenzuschalten, weil es den Text enorm verbessert.

10. Wie bist Du auf das Genre gekommen, das Du schreibst?

Auf dem Weg des jugendlichen Lesers. Als junge Teenagerin habe ich keine Fantasy gelesen, sondern vor allem Krimibücher. Mit der Zeit, inspiriert durch eine jährlich von meiner Schule veranstalteten „Buchmesse“ und meine Freundinnen, wechselte das zu Animal Fantasy (beispielweise „Silberflügel“), und zuletzt bin ich bei „Eragon“ und anderen High-Fantasy-Reihen gelandet. Zwar ist nicht jeder meiner Texte High-Fantasy, aber ohne phantastisches Element komme ich nicht aus.

11. Warum hast Du mit dem Schreiben angefangen? Erzähl uns die Geschichte!

Der Grund ist mir nicht bekannt – irgendwann habe ich als Volksschülerin begonnen, Geschichten über Sommerurlaube und Pferde in A5-Hefte zu kritzeln. Nach einigen Jahren bin ich auf den PC übersiedelt und etwa 2011 habe ich es geschafft, einen längeren Text, technisch gesehen ein Roman-Typoskript, zu beenden. Deswegen setzte ich den Beginn meines Schreibens mit etwa 2011 an.

12. Was motiviert Dich?

Im Idealfall der Flow, der sich bei einer gelungenen Session einstellt. Ansonsten aber zwei Faktoren: Einerseits die Tatsache, dass ich etwas erschaffe, das vorher nicht da war und über das ich absolute Kontrolle habe, und dass mir ohne dieses Schaffen einfach etwas fehlt.

13. Wie viel Schreibzeit hast Du?

Das hängt sehr stark vom Monat ab. Manchmal nähert sich die Zeit dem Nullpunkt an (2-3 Stunden/Monat), manchmal komme ich auf zwanzig bis dreißig Stunden monatlich rauf.

14. Lässt du Dich gerne auch mal ablenken?

Sicher. Woher soll ich denn sonst wissen, dass ich schreiben sollte?

15. Welches Deiner Bücher magst Du selbst am liebsten und warum?

Derzeit dürfte das der dritte Teil der Wellenflügel-Reihe sein. Ich bin nicht zu 100 Prozent mit ihm zufrieden, aber das Finale ist schön großartig geworden und ich habe bei der Überarbeitung einige Dinge berücksichtigt, die mir bei Band eins und zwei noch unbekannt waren.

16. Wie sieht in Deinen Augen der Alltag eines Autors aus? Die meisten nur Leser können sich nichts darunter vorstellen.

Da ich nicht einmal nebenberuflich, sondern nebenbei schreibe, sieht mein Alltag vordergründig sehr langweilig aus. Abgesehen von vereinzelten Schreib- und Überarbeitungsstunden am Nachmittag tut sich da nicht viel.
Der größte Unterschied liegt im Hintergründigen. Etwa dass ich im einen Moment aus der U-Bahn starre und im nächsten zehn Minuten lang ein Konzept für eine neue Welt notiere. Oder dass ich mir Bilder alter Häuser und Bäume einspeichere, weil ich sie als Inspiration verwenden kann, de facto aber meist kein zweites Mal anschaue. Oder dass ich bei einem Vortrag unnötig genau mitschreibe, weil ich das Thema in einem der Ideenhaufen, die vielleicht mal ein Buch werden, einbauen möchte. Und noch einiges mehr, das nebenbei im Alltag mitläuft.

17. Wie stehst Du heute zu Deinen ersten Geschichten?

Versenkt sie in der Donau.

18. Was würdest Du jetzt gern an dieser Geschichte ändern?

Schwer zu sagen, weil so wenig an den Dingern funktioniert oder gut geworden ist, dass es am einfachsten wäre, alles zu löschen und nochmal bei Null zu beginnen. Also: Plot, Charaktere, Weltenbau, und natürlich Aufbau und Stil des Texts.

Sie sind unabdingbar und gerne zickig. Die Figuren. Wir lieben und wir hassen sie und meistens kann sich der Leser gar nicht vorstellen, welches Leid wir manchmal mit ihnen erdulden mussten. Ohne sie geht es aber dennoch nicht. Erzähl uns gerne von ihnen!

19. Magst Du alle Deine Figuren?

Schwer zu sagen, aber ich denke, die Antwort lautet Nein. Viele, insbesondere die Nebendarsteller, sind mir relativ gleichgültig. In gewisser Weise ist mein Verhältnis zu meinen fiktionalen Opfern sehr distanziert, auch deswegen, weil ich mit ihrer Konstruktion nicht selten Probleme habe und sie als eine Art Maschine ansehe, die meistens nicht funktioniert. Erfreulicherweise habe ich keine Ausbildung im Maschinenbau und finde nicht einmal YT-Tutorials dazu, also ja. Nein.

20. Gibt es für die Figuren reale Vorbilder?

Nein. Es ist gut möglich, dass die Inspiration von einer realen Person kommt und mein Hirn mir das nicht mitteilt, aber bewusst verwende ich keine realen Menschen als Blaupausen für meine Figuren.

21. Fällt es Dir leicht, schwierige Figuren zu schreiben? Ganz gleich, weshalb genau sie schwierig sind.

Wie oben schon angeklungen ist, fällt mir fast nichts in Bezug auf Figuren leicht – nicht einmal, alle diese Fragen zu beantworten. Schwierige Figuren fallen zu einhundert Prozent in diese Kategorie.

22. Wann genau ist eine Figur schwierig für Dich?

Ich habe eine Art Default-Charakter, der sich quasi automatisch einstellt. Die Figuren dauerhaft, sprich über die dreihundert Seiten, die meine Romane meistens in etwa lang sind, nicht wieder in diesen Default zurückfallen zu lassen, ist für mich schwierig. Anders gesagt: Die einzigen Figuren, die leicht sind, sind die, die wahrscheinlich nicht gut sind.

23. Musstest Du auf Grund einer Figur schon einmal ein Werk abbrechen?

Nein.

24. Welche ist der Liebling Deiner eigenen Figuren? Wo kommt sie vor und magst Du sie uns vorstellen?

Ich glaube, das ist Min, dessen Name ich vielleicht noch ändern werde. Er kommt im noch in der Überarbeitungsphase feststeckenden Projekt Yttrium vor und ist ein Amphitere, also eine Schlange mit Vogelflügeln, die vollständig aus Erbium besteht, einem silbrigen Metall (Seltenerdmetall, um genau zu sein). Er dient als Kommunikationszentrale eines inzwischen in Verruf geratenen Hauses, da er mit jedem Individuum aus diesem telepathisch Kontakt aufnehmen kann. Derzeit ist er ein Nebencharakter, aber mal sehen, was ich in der Überarbeitung für ihn bereithalte.

25. Hier geben wir Dir Raum, selber noch etwas zu Deinen Charakteren zu erzählen.

Und da sind wir auch schon fast durch. Jetzt bitten wir Dich darum, ein Projekt oder DAS Projekt vorzustellen. Dabei wollen wir Dir viel Raum lassen.

26. Extra eine gemeinere Frage: Weshalb sollten Leser auf jeden Fall Dein Buch kaufen?

Da die restlichen Projekte noch Jahre brauchen werden, um zu fertigen Romanen heranzureifen, gestikuliere ich mal zur Wellenflügel-Trilogie hin. Sie beginnt als recht harmlose Geschichte über ein Mädchen, das sich in eine Möwe verwandeln kann, ihre magischen Kräfte entdeckt und das Verschwinden ihres Vaters ergründet, entwickelt sich aber recht schnell zu einem Familiendrama zwischen ihr, ihrem Bruder, ihrer Mutter und der Kirche, dem auch Menschenleben zum Opfer fallen. Und natürlich seien hier auch die Finale von Band zwei und drei erwähnt. Sie sind schön warm geworden. 🙂

27. Was sollen sich Leute am Ende Deiner Geschichte denken?

„Woah.“ Das wäre so das Ziel.

28. Was auch immer die Beweggründe dafür waren, wieso Du dieses Interview gemacht hast, bestimmt war da auch die Hoffnung, Werbung für Dich machen zu können, ganz gleich, ob du Deinen Lesestoff kostenfrei anbietest oder nicht. Diesen Raum wollen wir Dir hier gerne geben. Berichte uns über Dein Projekt oder die Projekte. Sag noch ein paar abschließende Worte. In welchem Format gibt es Dich zu lesen? Und zu welchem Preis? Hau in die Tasten!

Derzeit habe ich zwei kurze Texte im Angebot, die sich gratis auf meiner Webseite finden, zusammen mit Rezensionen von überwiegend High-Fantasy-Titeln.
Am 29. Januar werde ich meine erste Trilogie beenden, die „Wellenflügel“-Reihe. Sie ist an reifere Jugendliche gerichtete High-Fantasy mit Wassermagie, einem Familiengeheimnis und Gestaltwechseln. Später sterben ein paar Figuren. Der Normalpreis liegt bei 3,99€ pro E-Book, aber anlässlich der Veröffentlichung des dritten Teils wird es eine kleine Preisaktion geben.

Awen Eibner Wesbite

Hinweis: Die meisten Fragen sind aus der Community gefischt worden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s