Rezension: The Hunger – Die letzte Reise (Alma Katsu)

Alma Katsu - The Hunger: Die letzte Reise
(Copyright Cover: Heyne Verlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Der im Deutschen am 13. August 2018 erschienene Roman „The Hunger – Die letzte Reise“, veröffentlicht durch den Heyne Verlag, entstammt der Feder von Alma Katsu und nimmt die historische Reise des Donner Trecks von der Ostküste der USA zur Westküste auf und verwebt sie mit einer alten, im Horror angesiedelten, Legende.

Die Donnerparty brach im Jahr 1846 auf, um sich auf den Weg von Springfield in Illinois nach Kalifornien zu machen. Da die rund neunzig Frauen, Männer und Kinder allerdings vom Pech verfolgt wurden, zu spät und zu langsam aufgebrochen waren und sich auf eine neuartige Strecke verlassen wollten, wurden sie inmitten der Berge vom Winter überrascht. Rund die Hälfte dieser Menschen starb und sollte niemals an ihrem Ziel ankommen. Bis heute ranken sich viele entsetzliche Gerüchte über das Geschehene, doch niemand kann genau sagen, was damals wirklich passiert ist.

Alma Katsu nahm dieses doch sehr bekannte historische Ereignis auf und webte daraus eine düstere und von einem Fluch belastete Geschichte, die von verschiedenen Protagonisten erzählt wird.
So beginnt die Handlung eher harmlos mit einem Gespräch, schlägt allerdings schnell in die erste spannende Szene um, als von einem verschwundenen Jungen berichtet wird. Dieser wird kurz darauf tatsächlich gefunden, ist allerdings nicht mehr am Leben und schrecklich zugerichtet.
Die Siedler, zwar sehr davon betroffen, ließen sich allerdings nicht von diesem Vorfall beirren und wanderten weiter, selbst als immer mehr Menschen verschwanden und sie an immer weiteren Spuren solcher Taten vorbeikamen. Dieser Fehler sollte ihnen allerdings erst dann auffallen, als es für sie zu spät war.

„The Hunger – Die letzte Reise“ weckte schon vor Monaten meine Neugierde, als ich es im Buchladen entdeckt hatte. Da ich zurzeit dank Red Dead Redemption 2 sehr auf dem Westerntrip bin, es leider meiner Meinung nach aber wenig gute Medien zu dem Thema gibt – der Grund, weshalb ich es früher immer mit dem Genre versucht und doch wieder aufgegeben habe – war ich umso begeisterter, dieses Buch gefunden zu haben. Vor allem mit einer dunklen Geschichte drum herum, da ich Horror und alte Legenden sehr liebe.
Aus Ermangelung von Geld habe ich es an diesem Tag allerdings nicht mitgenommen und Wochen später von meinen Eltern auf einem Flohmarkt geschenkt bekommen. Meine Spannung wuchs weiter, hatte ich meiner Mitbewohnerin doch versprochen, dass sie es zuerst lesen dürfe. Diese jedoch hatte zu viele andere Bücher, die sie ablenkten und letztendlich habe ich das Versprechen auf einen Vorschlag hin mit Schokolade frei gekauft.

Man kann also eventuell jetzt ein wenig nachvollziehen, wie gespannt ich auf „The Hunger“ war. Ich wusste, der Schreibstil war gut, da ich schon einmal ins Buch reingeschaut hatte. Dann kam allerdings erst einmal die Enttäuschung.

Der Roman hat einen wundervollen Schreibstil, nach wie vor. Das ganze Buch über sind die Szenen schön gestaltet und das Wortbild ist herrlich entspannend nach vielen Büchern mit schlechtem Schreibstil – liest man meine alten Rezensionen durch, versteht man hoffentlich, was ich meine – lediglich ein paar Szenen waren zu lang oder zu kurz. Manchmal schien es Alma Katsu da ein wenig schwer zu fallen, die Mitte zu finden. Zumindest in meinen Augen. Eine Rezension ist und bleibt selbstredend eine subjektive Einschätzung!

Auch die Geschichte musste, trotz der spannenden Anfansgszene, zwar erst ihre Fahrt aufnehmen, doch das habe ich nicht einmal als schlecht empfunden. Im Gegenteil. Zwar mag – und schreibe – ich Bücher, die mitten im Geschehen anfangen und einen direkt mitziehen, sehr, aber exakt so verhält es sich auch mit Büchern, die einem erst einmal Brocken hinwerfen und sich natürlich entwickeln. Noch dazu war der Spannungsbogen das gesamte Buch über da und ab der Mitte konnte ich den Roman nur schwerlich aus der Hand legen.

Warum also Enttäuschung?

Die einfache Antwort: Die Charaktere. Es war nicht so, als wären die Charaktere schlecht oder langweilig an sich. Doch ihre Sichten waren mitunter sehr anstrengend. Die Story ist langsam gehalten und somit wird man die ganze Zeit mit sehr vielen Namen, vor allem durch doppelte Namensvergabe, verwirrt und die Charaktere haben ihr eigenes Weltbild. So sollte es sein und so ist es gut. Aber am Anfang gingen sie mir sehr auf die Nerven. Stanton hat einfach gefühlt jede Frau angesabbert und vor allem Tamsen zehrte sehr an meinem Geduldsfaden, sodass ich den Rest des Buches nur dann genießen konnte, als ich ihre Kapitel lediglich überflogen habe.
Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist der Vorname eines deutschen Einwanderers, der Jacob und nicht Jakob heißt. Vor allem verwirrend, da es einen anderen Jacob gibt, der erst plötzlich erwähnt wird.

Mein Fazit

„The Hunger – Die letzte Reise“ war lang von mir ersehnt und wurde an zwei Tagen, zwischen denen durch Unlust allerdings mehrere Wochen lagen, gelesen. Die ersten hundert Seiten konnten durch die Charaktere hier und da schon äußerst zäh werden, obwohl Alma Katsu ihr Werk ansonsten sehr gut aufgebaut und mit einem klaren, schönen Schreibstil versehen hat. Die Geschichte und der Spannungsbogen bauen sich dabei langsam auf.

Nachdem ich dem Werk eine zweite Chance geben oder zumindest fair und ehrlich eine Abbruchrezension verfassen wollte, freute ich mich umso mehr, dass die Geschichte ab der Mitte des Buches Fahrt aufnahm und die meisten Figuren, bis auf Tamsen, deutlich angenehmer zum Lesen wurden. Ich konnte schlussendlich den Roman kaum mehr aus der Hand legen, rätselte mit, ob es sich wirklich um eine Krankheit, einen Fluch oder um Bestien handelte, und musste auch nach den letzten Seiten lange Zeit an das Ende denken. Mittlerweile bin ich sogar bereit, „The Hunger“ nochmals zu lesen und dieses Mal hoffentlich mehr zu genießen.

Damit hat „The Hunger – Die letzte Reise“ mich ein wenig ratlos dastehen lassen. Kann ich das Buch empfehlen? Ja, würde ich sagen. Denn wie gesagt, der Schreibstil und die Geschichte sind packend, hin und wieder ein wenig widerlich und allgemein gut aufgebaut. Die Figuren sind sehr im Charakter und fallen gewiss nicht jedem so negativ wie mir auf.

Außerdem fühlt sich der Umschlag, Paperback/ Klappenbroschüre, herrlich in den Händen an und hinter dem wunderschönen Cover verbergen sich 448 Seiten, samt einem Kapitel über die Historie hinter der Geschichte. Zu erweben ist das Ganze dann für 14,99€.

Viel verkehrt kann man eigentlich nicht machen. Sogar mir hat ab der Mitte das Buch mehr als Spaß gemacht. Das Herumknobeln allein war es schon wert!

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„The Hunger – Die letzte Reise“ bei Thalia*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s