Rezension: For 100 Days (Lara Adrian)

Lara Adrian - For 100 Days
(Cover Copyright: LYX Verlag / Foto Copyright: Das Bambusblatt)

„For 100 Days – Täuschung“ von Lara Adrian, erschienen am 24. April 2017 im Lyx Verlag, ist der erste Band der Erotiktrilogie um die beiden Protagonisten Avery Ross und Dominic „Nick“ Baine und ihre Liebe mit unerwartetem Ursprung.

Avery ist nicht gerade eine jener Frauen, die man als Glückskind benennen würde. Im Gegenteil, gerade ihre Vergangenheit ist äußerst düster und unschön.
Ihre Mutter sitzt im Gefängnis und sie selber lebte, bis zu deren Tod, bei ihrer Großmutter in der Kleinstadt, ehe es sie nach New York zieht, um als Künstlerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Leider geht dieser Plan nicht wirklich auf und Avery bleibt in ihrem kleinen Kellnerjob gefangen, der kaum für die Miete und zum Überleben reicht.
Noch dazu wohnt sie in einem schäbigen, von Kakerlaken verseuchten Apartment, von denen es hunderte in New York gibt. Und ihr steht die Obdachlosigkeit bevor, denn der Gebäudekomplex wurde verkauft und sofern sie ihr Dach über dem Kopf nicht kaufen und auf einmal bezahlen kann oder will, muss sie dort verschwinden. Neben der Tatsache, dass sie mit der Miete deutlich zurückliegt.
Als dann auch noch die Galerie ihre Bilder rauswerfen möchte und Avery der Verzweiflung nahe ist, zeigt sich endlich einmal ein Hoffnungsstreifen am Horizont.
Eine ihrer Kunden, eine sichtlich nervöse und wunderschöne Frau, überlässt ihr aus der Not heraus den Schlüssel zu ihrem Luxusapartment und einen Umschlag mit einigen tausend Dollar und verschwindet für die Arbeit drei Monate ins Ausland, während Avery die Pflanzen gießen und die Wohnung hüten soll.
Von da an scheint es endlich den Berg hinaufzugehen, denn nicht nur ist die Wohnung ein Traum, sie kann ihre Schulden bezahlen und hat zumindest für drei Monate ein Heim, sondern einen absoluten Traummann als Nachbarn gab es gratis oben auf.
Und der scheint einer wilden Affäre nicht abgeneigt.
Dominic „Nick“ Baine ist reich, arrogant und gutaussehend und hat aus der Vergangenheit sein eigenes Kreuz zu tragen. Er ist nicht nur der temporäre Nachbar von Avery, sondern ist auch noch auf andere Art mit ihrem Leben verbunden. Und von dem Tag an, da sie das erste Mal miteinander schlafen, wird er mehr und mehr in ihr Leben gezogen. 100 Tage, drei Monate, die eine Menge für beide Protagonisten verändern sollten.

Der Schreibstil, und damit die Sprache, ist meistens sehr solide gehalten, wie man es von dieser Autorin auch kennt. Geschrieben ist das Ganze mit Hilfe des Ich–Erzählers aus Averys Sicht und erlaubt es einem damit, ihn flüssig zu lesen. Allerdings gibt es sehr viele Wiederholungen. So leckt sich Avery stetig die Lippen, die eigentlich mittlerweile trocken und brüchig sein müssten.
Dass es sich vor allem aber um einen Erotikroman handelt, merkt man sehr schnell. Zwar ist der Schreibstil nach wie vor flüssig, die erotischen Szenen aber sind übertrieben lang, „unerotisch“ geschrieben und oftmals sehr erzwungen.
Die Charaktere sind nicht schlüssig und die Geschichte nur fades Beiwerk, das kaum das Interesse oben halten kann.
Zu Avery kann man trotz des Ich–Erzählers keine wirkliche Beziehung aufbauen. Es ist sehr anstrengend mit ihr, sie verhält sich nicht im Charakter und ihre schreckliche Vergangenheit ist sehr schnell zu erahnen, wodurch ihre kryptischen Andeutungen einfach nur noch nervig sind.
Trotz allem, was sie früher durchmachen musste, verhält sie sich nicht danach, sodass es einfach wie „solche Protagonisten haben immer eine schreckliche Vergangenheit, also muss ich Nick und Avery das auch anhängen“ wirkt. Damit ist die Autorin nicht sonderlich originell, sondern reitet diese doch eher nervige Welle mit.
Aber ohnehin besteht die gesamte, so gut wie gar nicht vorhandene, Geschichte nur aus Klischees, ist sehr vorhersehbar und nicht wirklich spannend. Man könnte sogar sagen, dass alles nur geschieht, damit die beiden Protagonisten erneut einen Grund haben, miteinander zu schlafen.
Am meisten hat mich jedoch das Ende gestört. Avery war die meiste Zeit nicht sonderlich ehrlich zu Nick, erst in einer gewissen Szene verrät sie ihm die schrecklichste Sache, die in ihrer Jugend geschah und die ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat. Für diese Szene finde ich kaum die richtigen Worte.
Nick will Avery nicht verletzen, beteuert dies sogar immer wieder, behält seine Geheimnisse aber soweit bei sich und misst, auf seine äußerst scheinheilige Art, mit zweierlei Maß.
Er behauptet sogar, dass diese ersten 100 Tage nach Averys Geschmack verliefen, dabei war Nick sehr dominant und bestimmend und Avery ihm willig ergeben, und möchte als Wiedergutmachung, dass die nächsten 100 Tage von ihm bestimmt werden. Obwohl er gerade, gut zwei Minuten früher, herausgefunden hat, was sie damals so zerrissen hat. Ein Angebot, das so keinen Sinn ergibt.
Noch weniger Sinn macht es nur, wie Avery darauf reagiert.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der zumindest mir nicht gerade die Schuhe von den Socken gezogen und mich auch bisher nicht dazu verleitet hat, mir den zweiten Band zu Genüge zu führen.

Mein Fazit

„For 100 Days“ war ein Buch, das ich direkt zur Veröffentlichung als Leserundenexemplar bekommen habe. Worüber ich wirklich dankbar war, denn ich hätte mich sehr über das Geld, das ich beim Kauf verloren hätte, geärgert. Die ersten 65 Seiten lassen sich mit dem lockeren Schreibstil sehr gut runter lesen. Das Cover lädt geradezu zum Kauf ein. Und auch die Funktion, dass man es kostenlos als E-Book über „Papego“ weiterlesen kann, ist eine super Sache.
Aber das war es dann auch schon wieder.
Avery ist ein äußerst schwacher und, für ihr Leben, sehr unlogischer Charakter. Lara Adrian hat versucht, die beiden Protagonisten nur von einer Liebesszene in die nächste zu treiben und diese dabei unnötig lang und unschön formuliert geschrieben. Zwar ist ein Erotikroman selbstredend gespickt mit Sexszenen und auch die Handlung ist oftmals nicht die Beste, aber dieses Buch treibt es auf eine neue Spitze.
Es ist keine seichte Lektüre, sondern nur anstrengend zu lesen. Die Handlung ist äußerst durchschaubar und von Logiklöchern zerrissen.
Sogar Averys Vergangenheit ist schnell erahnt und erraten und wird von ihr dennoch lange Zeit nicht offen gelegt.
Ehrlich gesagt, scheint sie ohnehin in ihrem Kopf nur drei oder vier Gedanken zulassen zu können, die dann Seite für Seite herum kreisen.
Leider keinerlei Kaufempfehlung von mir.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„For 100 Days“ bei Thalia*

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