Rezension: Die schönste und die traurigste aller Nächte (Maurício Gomyde)

Maurício Gomyde - Die schönste und die traurigste aller Nächte
(Copyright Cover: Rowohlt Polaris / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

Der Frauen- und Liebesroman „Die schönste und die traurigste aller Nächte“ von Maurício Gomyde, erschienen am 20.08.2019 im Rowohlt Polaris Verlag, erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, die sich nicht nur aus den Augen verloren haben, sondern die auch gegen die Zeit ankämpfen.
Das Buch wurde uns freundlicherweise via Vorablesen zur Verfügung gestellt.

Victor erlebte im Alter von sechzehn Jahren, dass er eine besondere Fähigkeit hat, die für ihn jedoch eher ein Fluch ist. Genau an seinem Abschlussabend zeigt sich zum ersten Mal, dass starke Gefühle in ihm eine Zeitreise auslösen.
Wann immer er besonders glücklich ist, reist er zurück und erlebt den Moment nochmal. Wenn er dagegen in Trauer versinkt, überspringt er die Zeit, teilweise vergehen so Tage, in denen er quasi nicht existiert und woanders wieder aufwacht.
Victor versteht diese Gabe nicht und protokolliert darum jeden Sprung genau, versucht, die Auslöser festzuhalten und irgendwo Hilfe zu finden oder sich zumindest soweit zurückzuziehen, damit er keine starken Gefühle mehr erleben muss. So wird er Winzer in Italien, ehe er nach dem Tod seiner Mutter zurück nach Brasilien zieht und sich dort von seinem Erbe ein kleines Gut kauft. Alles scheint langsam einen gewohnten Rahmen anzunehmen, obwohl Victor sich wie ein gestrandeter Fisch fühlt.
Da bekommt er eine E–Mail von einem ehemaligen Schulkameraden, der ihn zum Klassentreffen, zwanzig Jahre nach dem verhängnisvollen Abschlussball, einlädt und nach einigem Zögern sagt er zu.
Amanda, die an den meisten Zeitsprüngen Schuld hat und die Victor nach einer Explosion vor siebzehn Jahren für tot gehalten hat, ist ebenfalls auf der Feier und erkennt ihren Schwarm von damals sofort wieder. Gefangen in einer unschönen Ehe brodeln die alten und starken Gefühle für Victor direkt wieder hoch und die beiden nähern sich aneinander an und ihre Liebesgeschichte, gegen die Widrigkeiten und die Zeit, findet einen neuen Anfang.

Die Geschichte von Victor und Amanda ist einfach wunderschön. Victor kann zunächst nicht entscheiden, ob, wann und wie er in der Zeit herumreist, sondern kann lediglich die Auslöser einkreisen und versuchen zu vermeiden, denn seine Psyche leidet darunter und, wie sich herausstellt, auch sein Körper. Das große Geheimnis trennt ihn von anderen Menschen und zwingt ihn in die Einsamkeit.
Bis er Amanda wieder trifft, die er für tot gehalten hatte und die für ihn nach wie vor die Liebe bedeutet, obwohl sie sich so lange nicht mehr gesehen haben. Sie ist für ihn wunderschön, klug und witzig. Amanda schreibt gerne und Literatur ist ihr Steckenpferd. Sie bewahrt sie davor, den Verstand zu verlieren, selbst als ihre Eltern bei einer Explosion sterben und als sie in einer kalten und unschönen Ehe gefangen nicht den Mut findet, ihren Mann zu verlassen.
Bis sie Victor wieder findet und endlich lernt, wieder nach vorne zu schauen.

Die Aufmachung des Buches ist wirklich schön. Das Cover ist ein Traum, die neuen Kapitel werden mit Zahl, Name des Charakters, dessen Sicht genutzt wird, und Palmenwedeln eingeleitet. Immer mal wieder stehen auf den Seiten Zitate oder literarische Glücksnüsse und die, die es nicht mehr ins Buch geschafft haben, sind hinten aufgelistet.
Der Schreibstil ist äußerst leicht gestaltet, schnell abgehandelt und gerade die Dialoge sind unglücklich gehalten. Sie gehören zu jenen, die eher aussehen wie ein Übungsdialog oder ein Interview und sie strecken sich über das ganze Buch hinweg. Passend zum einfachen Schreibstil hat man auch hier den Ich–Erzähler, was vor allem bei Victor nervig ist, da er der typische männliche Protagonist ist, der einem seitenweise die Ohren voll jammern muss.

Die Geschichte ist voller Klischees, was mir hier und da negativ aufgefallen ist, allgemein aber nicht so schlimm wie bei manch anderem Buch. Nur hin und wieder veranlassen diese Klischees einen dazu, über eine gewisse Unlogik den Kopf zu schütteln.
So ist dieser Fluch vererbbar, doch der Vater hat nie mit seinem Sohn darüber gesprochen, auch wenn er es bereits bei ihm nach dem ersten Sprung erkannt hat. Und Victor geht davon aus, dass sein Sohn es nicht haben wird. Sein Sohn ist noch sehr jung und bei ihm selbst kam die Gabe auch mit sechzehn erst zu tragen und er hat niemanden, den er danach fragen könnte.
Das Ende ist ein wenig gemein und lässt gespannte Leser gewiss auf einen zweiten Teil hoffen.

Mein Fazit

Ich kann dem Buch eine Kaufempfehlung geben, für all jene, die nach einer schönen Liebesgeschichte mit einem einfach gehaltenen Schreibstil suchen. Wer sich ganz in solche Seiten vergraben kann, wird mit diesem Buch für 16€ mehr als glücklich werden.

Für alle anderen würde ich erst einmal eine Leseprobe empfehlen. Leider gibt es sehr viele Klischees und der Schreibstil ist wirklich sehr einfach gehalten und die Dialoge sind ein großer Kritikpunkt.

Es gibt spannende Momente und Wendungen und eine ausgefallene Geschichte mit zwei schönen Protagonisten, auch wenn Victor sehr viel jammert und zumindest mir damit irgendwann auf die Nerven gegangen ist. Die unlogischen Wendungen kann man mit einem zugedrückten Auge gerne übersehen.
Die Aufmachung des Buches dagegen ist wunderschön und verspricht stimmige Stunden mit Victor und Amanda.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Die schönste und die traurigste aller Nächte“ bei Thalia*

1 Kommentar zu „Rezension: Die schönste und die traurigste aller Nächte (Maurício Gomyde)“

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