Rezension: Die Rhapsody-Saga 1: Tochter des Windes (Elizabeth Haydon)

Elizabeth Haydon - Die Rhapsody Sage 1: Tochter des Windes
(Copyright: Piper Verlag)

„Tochter des Windes“, in Deutschland 2003 beim Piper Verlag erschienen, ist der Auftakt der Rhapsody Saga von Elizabeth Haydon. Das Original erschien bereits im Jahr 1999 mit dem Titel „Rhapsody: Child of Blood“.
Im Auftaktband der Saga erlebt der Leser die Anfänge von Rhapsodys Geschichte, wie diese ihre beiden neuen Begleiter Achmed und Grunthor kennenlernt und mit ihnen gezwungenermaßen aus der Heimat flieht, die Wurzel des Weltenbaums entlang klettert und in einer Zukunft landet, in der sich die Welt bereits komplett gewandelt hat.

Das Mädchen Emily hatte dem Jungen ihres Herzens an ihrem 14. Geburtstag ihre Jungfräulichkeit geschenkt und gemeinsam hatten sie sich, obwohl sie sich nur einen Tag kannten, eine wundervolle Zukunft ausgemalt.
Doch am nächsten Tag war der Junge ihrer Träume fort und Emily am Boden zerstört, hatte ihrer Familie Schande bereitet und keinen Heiratskandidaten vorzuweisen. Also verließ sie das Elternhaus, um nach ihrer Liebe zu suchen und aus ihrem Leben etwas zu machen. 
Gezwungenermaßen fing Emily, nun Rhapsody, als Prostituierte an, ehe sie sich den Studien als Benennerin – Musiker, die durch ihre Wahrheitspflicht mit ihrer Musik Magie wirken können – zuwandte.
Doch diese Kraft schützt Rhapsody eines Tages nur halbwegs, als ein alter Verehrer wie angekündigt auftaucht und sie zu ehelichen gedenkt. Die junge Frau flieht und läuft zwei Männern in die Arme, die sie durch ihre Magie als Brüder adoptiert und mit denen ihr die weitere Flucht gelingt.
Ihre neuen Begleiter, Achmed und Grunthor, nehmen Rhapsody mit zum Weltenbaum, über dessen Wurzel sie vor den dunklen Mächten fliehen wollen, die ihre langen Krallen nach ihnen ausgestreckt haben.
Doch dem Weltenbaum liegt eine ganz eigene Magie inne.
Die Gefährten ändern sich auf mehr als eine Weise und als sie schlussendlich auf der anderen Seite wieder hinaustreten, ist die ganze Welt nicht mehr dieselbe. Viel Zeit ist vergangen, viele Kriege hatten stattgefunden und Reiche sind gestürzt oder neu errichtet worden.
In all dieser Fremde müssen die Gefährten nicht nur lernen, sich neu zurechtzufinden, sondern ihre Hascher, selber von magischer Natur, drohen ihnen erneut auf die Fersen zu rücken.

Der Stil ist ganz klar der eines älteren High-Fantasy-Romans. 
Die Geschichte ist in Kapitel eingeteilt und diese sind in Absätze eingegliedert. Es kommen sehr viele Figuren zu Wort, manche sogar nur für einen einzigen kurzen Part. Oftmals wechselt die Sicht zu einer Mischsicht, in der zum Beispiel Rhapsody und Achmed miteinander reden und beider Gedanken teils vernehmbar sind. Damit verwischt oftmals die klare Linie.
Der Schreibstil gliedert sich in den Erzählungsstil ein, wirkt hier und da ein wenig alt, aber sehr kompetent und ausdrucksstark. Einzig stört es nach einer Weile, dass dort Formulierungen zu finden sind wie „dass sie, Rhapsody, diesen Weg gehen würde“, obwohl es klar ersichtlich ist, welche Figur gemeint war. Auch stößt es hin und wieder an, wie oft Bezeichnungen wie „sie umarmte die Schwester“ benutzt wurden. 
Ansonsten ist die Sprache passend zum Genre und vermittelt ein starkes Bild einer Welt, die die Autorin wirklich schön und mit viel Liebe gezeichnet hat und die die Charaktere gut rüberbringen.
Die Story ist sehr schlüssig und meistens auch sehr spannend. Es werden verschiedene Szenerien benutzt, die gerade durch ihre Abwechslung überzeugen.
Die Charaktere sind ebenfalls stark und schön. Meistens jedenfalls. Grunthor und Achmed haben die schreckliche Angewohnheit, Rhapsody bis zum Schluss mit ihrer Vergangenheit aufzuziehen und oftmals wirkt es einfach nur erzwungen witzig und ist dabei meistens überhaupt nicht zum Lachen.
Auch Rhapsody, trotz all dem, was in ihrem Leben passiert ist, ist sehr naiv und das äußert sich manchmal sehr anstrengend. So hat die Autorin auf ungefähr Seite 500, von knappen 764, einen neuen Charakter eingebracht, der mich als Leser immerzu genervt und gestört hat. Jo, so heißt dieses Mädchen, ist 16 Jahre alt und wird von den drei Gefährten befreit. Da sie eine Taschendiebin und Waise ist, kann sie nicht nach Hause zurück, also nimmt Rhapsody das Mädchen auf.
Leider habe ich Jo einfach nur als absolut störend empfunden. Nach so vielen Seiten wollte ich zum einen keine neue Begleiterin dabei haben. Zum anderen passt diese Göre absolut nicht ins Bild. Sie ist frech, vorlaut und kann sich keinen Deut benehmen, aber immer wieder springt Rhapsody ihr zur Seite und droht Achmed, die Gruppe zu verlassen, wenn Jo gehen müsse. So wird das Mädchen niemals lernen, Konsequenzen zu fürchten und sich dementsprechend zu verhalten.
Nach dem doch recht zähen Anfang hatte das Buch eine unglaubliche Faszination auf mich ausgeübt und ich war sehr froh, dass ich die ersten Seiten durchgezogen habe, denn die Geschichte war einfach wundervoll. Bis Jo auftrat. Obwohl sie nicht viel erwähnt wird, hat sie mir die Geschichte ein wenig mürbe gemacht. Dazu kam, dass sich das Ende anfing, ein wenig zu sehr zu ziehen.
Erst die letzten Kapitel wurden wieder richtig spannend und das Buch lässt mich mit einem Cliffhanger zurück, bei dem ich froh bin, dass ich alle deutschen Bände bereits in meinem Besitz habe. Die Reihe wurde, weder von Piper, noch später von Heyne, bisher komplett ins Deutsche übersetzt. 

Mein Fazit

„Rhapsody 01“ ist ein merkwürdiges Buch.
Nach einem holprigen Anfang, der irgendwie so gar nicht ins Bild passen wollte, musste ich mich an teils anstrengende Formulierungen gewöhnen und doch haben die Charaktere und die Handlung mich so tief in ihren Bann gezogen, dass ich immer weiter lesen wollte. Die kurzen Kapitel sind dabei wundervoll, um auch z.B. in der S–Bahn gelesen zu werden!
Wie bereits erwähnt, sind die Charaktere ein großes Zugpferd. Sie verhalten sich alle anders, bei manchen bedurfte es etwas mehr Zeit, um sie zu mögen, bei anderen nicht. Sie haben, vor allem die Protagonisten, ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen und das ist absolut in Ordnung. Es ist sogar gut.
Mein größter Kritikpunkt, neben der Sprache teilweise und dem Verwischen der Sichten, ist daher vor allem Jo. Mit dieser Figur konnte ich einfach nicht warm werden, aber noch schlimmer als das Mädchen an sich ist in dem Fall Rhapsodys schon beinahe schmerzliche Naivität und Großherzigkeit, die dafür sorgt, dass Jo, die endlich mal harte Regeln und eine strenge Hand gebrauchen könnte, um auf dieser Welt zu überleben, nie Konsequenzen zu spüren bekommt.
Auch finde ich es ein wenig von der Autorin erzwungen, dass Achmed und Grunthor Jo mögen, vor allem nach so kurzer Zeit.
Zumindest für mich hat sich das Mädchen die ganze Zeit wie ein nervender Eindringling angefühlt.
Dazu kam, dass sich die Geschichte ab einem gewissen Punkt bis zu den letzten Kapiteln etwas sehr gezogen hat.
Dafür ist der Cliffhanger umso gemeiner.
Ich kann das Buch jedem High–Fantasy-Freund oder Fantasyleser wärmstens empfehlen. Die Kritikpunkte, die oben stehen, lassen das Buch für den ein oder anderen vielleicht weniger attraktiv erscheinen, aber nachdem man den Anfang geschafft hat und sich an die Formulierungen gewöhnte, ist es, trotz Jo, ein unglaublich schönes Buch, das zumindest mich die meiste Zeit an die Seiten gefesselt hat.
Ich hoffe, dass Heyne irgendwann auch die letzten Bände ins Deutsche übersetzen wird. Sollte sich an Rhapsodys Qualität nichts ändern, werde ich sie mir allerdings zumindest auf Englisch kaufen und lesen.

Geschrieben von: Judith

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Verlagsseite des Buches (nur eBook)

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