Rezension: Die Spiegelreisende 01 – Die Verlobten des Winters (Christelle Dabos)

Christelle Dabos - Die Spiegelreisende 01: Die Verlobten des Winters
(Copyright Cover: Suhrkamp Inselverlag / Copyright Foto: Das Bambusblatt)

„Die Spiegelreisende Band 1 – Die Verlobten des Winters“, von der französischen Autorin Christelle Dabos, übersetzt von Amelie Thoma, in Deutschland am 11.03.2019 im Inselverlag erschienen, ist der Auftakt der Spiegelreisenden Saga.
Der erste Band dreht sich um die junge Frau Ophelia, deren Gaben es ihr sowohl erlauben durch Spiegel zu reisen, als auch die Geschichten von Gegenständen zu lesen.
Sie wird eines Tages von den Ältesten ihrer Arche – fliegende Inseln, nachdem die Welt in ihrer jetzigen Form nicht mehr existiert – wie es der Brauch ist, verheiratet.
Allerdings nicht an einen jungen Mann ihrer eigenen Arche, sondern an Thorn, der von einer Arche stammt, deren frostiges Antlitz an den Nordpol erinnert und die passenderweise den Namen Pol trägt.
Als wäre die Nachricht, verheiratet zu werden und ihre Heimat verlassen zu müssen, nicht schon schlimm genug, ist Thorn mehr als unterkühlt ihr gegenüber und ihre neue Heimat empfängt sie mit politischer Missgunst und allzu viel Neuem, das sie noch lernen muss.

Ophelia versteckt sich am liebsten hinter ihrer dicken Brille und ihrem Schal, der aufgrund seines Eigenlebens ihr Freund ist. Sie leitet, zusammen mit ihrem Großvater, das Museum auf Anima, ihrer Heimatarche.
Wie die meisten Menschen hat auch Ophelia Fähigkeiten, die an ihrem Familienstamm auszumachen sind. So kann sie Gegenstände lesen und, eine sehr seltene Gabe, sie kann durch Spiegel über gewisse Distanzen hinweg reisen, wenn es ihr beliebt.
Ophelia hat nie viel vom Leben verlangt. Sie liebt es, ihr Museum zu führen, Gegenstände zu pflegen und zu lesen und ist niemals auf Diskussionen aus. Einzig mehrere Heiratskandidaten lehnte sie ab, da sie sich für eine Ehe nicht bereit fühlt.
Allerdings ist es auf Anima so, dass die Ältesten und die Familienoberhäupter darüber entscheiden, wann es an der Zeit ist, einen Mann zu finden und eine eigene Familie zu gründen. So wird sie schlussendlich gegen ihren Willen an Thorn von einer anderen Arche verlobt. Eine Bindung zwischen zwei Archen, das ist ein eher seltenes Ereignis.
Die junge Frau kann es nicht glauben, dass sie ihre Heimat verlassen muss und das noch für einen solch ungehobelten Kerl, dem sie auf die frostige Arche Pol folgen muss.
Pol ist anders als Anima. Die dort wohnenden Menschen betrachten sich nicht als eine Familie, sondern haben sich mit ihren verschiedenen Fähigkeiten in verschiedene Blutlinien und Klane aufgeteilt, die in einem empfindlichen Machtgefüge zueinander stehen. Politische Missgunst, Attentate und Reibereien erwarten Ophelia hinter jeder Ecke und das Mädchen, noch so naiv wegen ihrer eigenen Heimat, muss auf schmerzliche Art erkennen, dass sie niemandem trauen kann, während sie sich versteckt hält.
Und bei all dem muss sie endlich lernen, ihre eigene Stärke zu akzeptieren und für ihr eigenes Wohl zu kämpfen.

Der Schreibstil ist unglaublich schön. Vieles davon hat den klassischen französischen Touch, den man immer wieder zu finden scheint.
Eine gute Art Klischees einzusetzen, wie ich finde, betrachte ich nur allein Ophelias Aussehen. Störrische dunkle Locken, klein und mager, Brillenträgerin. Sie versteckt sich gern hinter einem Schal und ist äußerst zurückhaltend, doch innerlich sehr tapfer und stark.
Das Mädchen hat mich diese ohnehin unglaublich schön gestaltete Welt noch mehr genießen lassen.
Erzählt wird die Geschichte, Kapitel für Kapitel, aus Ophelias Sicht, benutzt wurde der personale Erzähler, sodass der Leser den Pol und seine Eigenarten mit Ophelia zusammen kennenlernt.
Jedes Kapitel hat seine eigene kleine Überschrift, die allerdings nicht viel verrät und auch oft in Vergessenheit gerät, bis man zur Stelle gelangt, die damit verbunden ist.
Einzig, dass die Charaktere manchmal auf die selbst einfachsten Lösungen erst spät kommen oder sich die Katastrophen hin und wieder zu schnell nacheinander jagen, sind kleine Schwächen. Ansonsten ergibt die Geschichte nicht nur absoluten Sinn, ist weder zu schnell noch zu langsam, sondern auch märchenhaft schön umschrieben.
Ich hatte „Die Verlobten des Winters“ bereits via Vorablesen vor der Veröffentlichung ins Auge gefasst, allerdings in der Leserunde ein anderes Buch gewonnen. Aus den Augen verloren habe ich dieses Werk aber nicht.
Ich habe es mir schlussendlich in der Buchhandlung gekauft, nachdem ich so lange damit geliebäugelt hatte und dem Cover auch immer wieder verfiel.
Seite für Seite hat mich das Buch es nie bereuen lassen, daran festgehalten zu haben. Ganz im Gegenteil. Je mehr ich gelesen hatte, umso weniger konnte ich es lange zur Seite legen.
Dementsprechend groß ist die Vorfreude auf die anderen Bände.
Da der erste Band im Original (Les Fiancés de l’hiver – La Passe-Miroir Livre 1) im Jahr 2013 erschien, stehen die Fortsetzungen bereits im Verlagsprogramm.
Band 2 wird es noch dieses Jahr schaffen, Band 3 in diesem Winter oder nächstem Frühjahr und auch einen vierten Band kann man bereits am Horizont wahrnehmen.

Mein Fazit

„Die Spiegelreisende Band 1“ wird gerne mit Harry Potter verglichen und diesem Urteil kann ich mich nur gerne anschließen.
Zwar ist der Schreibstil einen winzigen Ticken erwachsener und konstanter als bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“, doch sie tragen eine ähnliche Magie in sich. Und damit meine ich nicht, Zaubersprüche aufsagen und den Zauberstab schwingen. Es ist eine ähnliche Magie, den Leser an eine phantastische Welt zu binden, ihn genauso kopfüber hineinzustürzen wie Ophelia es manchmal beim Spiegelreisen macht.
Allen, die ein märchenhaft schönes Buch suchen, das zwar nicht ganz befreit von Klischees ist, aber doch eine mehr als spannende Geschichte und eine starke Protagonistin hat, kann ich dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen.
Die 18€, die das Hardcover dabei gekostet hat, sind es absolut wert. Der Roman besitzt nicht nur eine Länge von ca. 535 Seiten, das wunderschöne Buch ist auch noch mit einem Lesebändchen ausgerüstet und sehr stabil verlegt.
Und schon jetzt kann man den zweiten Teil auf der Website des Verlages gewinnen.

Geschrieben von: Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Die Spiegelreisende 01 – Die Verlobten des Winters“ bei Thalia*

Hier findest Du die Rezension zum zweiten Teil der Spiegelreisenden-Reihe: Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
Und auch zu Teil 3 gibt es unsere Rezension: Das Gedächtnis von Babel
Auch Teil 4 „Im Sturm der Echos“ findet ihr natürlich bei uns.

3 Kommentare zu „Rezension: Die Spiegelreisende 01 – Die Verlobten des Winters (Christelle Dabos)“

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