Rezension: Der Kuss des Kjer (Lynn Raven)

Lynn Raven - Der Kuss des Kjer
(Cover Copyright: cbt Verlag / Foto Copyright: Das Bambusblatt)

„Der Kuss des Kjer“, geschrieben von Lynn Raven und veröffentlich am 08. Juni 2010 bei cbt, erzählt die Geschichte der Heilerin Lijanas und des Kjer Kriegers Mordan und die phantastische, magische und düstere Reise, die die beiden gezwungenermaßen zusammen bestreiten müssen.


Mordans Aufgabe ist klar: Er soll Lijanas zu seinem König bringen, so schnell wie möglich. Doch da Mordan der erste Heerführer der Kjer ist, Menschen mit weichem Fell und langen Eckzähnen, und Lijanas zu den Nivard gehört, ist dieses Unterfangen nicht so einfach.
Ihre beiden Völker sind schon seit sehr langer Zeit bis auf das Blut verfeindet und lagen mehr als ein Mal miteinander im Krieg.
Mordan benutzt einen einfachen Trick, um die Heilerin in seine Gewalt zu bringen und sie gegen seinen Willen auf diese Reise zu zwingen, hat aber nicht mit ihrem widerspenstigen Geist und ihrem Intellekt gerechnet.
Während Mordan normalerweise wegen seiner Erfahrungen nicht sehr viel von Frauen hält, kommt er nicht umhin, Lijanas bei all den Gefahren, die auf ihrem Weg liegen, nach und nach mit mehr Respekt zu betrachten und sie irgendwann nicht mehr als bloßen Auftrag oder als ärgerliche Begleitung zu sehen.
Und auch Lijanas, zunächst furios über den Mann, der sie entführt hat, brutal und eiskalt wirkt und auch in der Not nicht über Leichen geht, sieht ihr Gegenüber nach und nach in einem anderen Licht.
Was die beiden auf eine ganz besondere Art und Weise zusammenschweißt und schließlich das Schicksal der Welt ändern könnte.

Wie in allen Büchern von Lynn Raven, die ich gelesen habe, ist auch in diesem der Schreibstil absolut wunderschön. Er ist abwechselnd aus der Sicht der beiden Charaktere gehalten und benutzt den personalen Erzähler.
Die Autorin hat eine Fantasywelt mit eigenen Regeln und Rassen erstellt, in der sie sich zielsicher und leichtfüßig bewegt und sie auf nicht überfordernde Art und Weise dem Leser näher bringt. Und das, obwohl die beiden Protagonisten in dieser Welt geboren worden sind, aufwuchsen und in ihr leben, es für sie also nichts Unbekanntes ist, dass es zum Beispiel Magie oder mehrere Monde gibt.
Bei all ihren Büchern ist mir bisher nur ein größeres Manko beim Schreibstil aufgefallen. Eingeschobene, sich oft wiederholende Sätze, die sie in kursiv verfasst hat und die dabei nicht die direkten Gedanken zu einer Situation darstellen, sondern eine gewisse Mystik aufbringen sollen. Es gibt auch Gedankengänge, die zwischendrin auf dieselbe Art verfasst worden sind, dabei aber nicht negativ ins Auge stechen.
Zwar ist sehr vorhersehbar, dass die beiden Protagonisten einander verfallen, die Geschichte und der Weg dahin ist es an sich allerdings absolut nicht. Sie wartet dennoch mit vielen spannenden Wendungen und einem Ende auf, das man nicht einfach hätte erahnen können.
Die Charaktere machen dabei eine Wandlung durch, lernen und reflektieren an ihrer Umgebung und an ihren neuen Erfahrungen, wirken in manchen Szenen zwar ein wenig übertrieben, vor allem Mordan mit seinen Fähigkeiten und seiner Vergangenheit, aber nie perfekt.
Da ich vorher bereits einige Bücher von Lynn Raven gelesen habe, habe ich mir von diesem Werk sehr viel versprochen und es sogleich zur Veröffentlichung bestellt. Und ich wurde absolut nicht enttäuscht.
Lynn Raven hat sich mit „Der Kuss des Kjer“ so weit in mein Herz geschrieben, dass sie nicht nur meine Lieblingsautorin wurde und dieses Buch mein Lieblingsbuch ist, sondern auch, dass ich mir beim eigenen Schreiben einiges von ihr automatisch abgeschaut habe.
Der Schreibstil ist auf gewisse Weise kompakt und dennoch phantastisch. Genauso wie die Welt. Allein beim Klang der Charakternamen kann man erahnen, wie schön die Autorin die Welt gezeichnet hat.
Mit der Geschichte kann man nur mitfiebern, genauso wie mit den Figuren. An vielen Stellen vergisst man, wie typisch es ist, dass sie am Ende in einer Beziehung zueinander stehen werden. Man will einfach ihren Weg in jedem Moment weiter verfolgen.

Daher lautet mein Fazit

„Der Kuss des Kjer“ bekommt von mir eine absolute Kaufempfehlung. Ich habe es bereits seit 2010 im Besitz und obwohl ich einer jener Leser bin, die immer sehr auf ihre Bücher achten, wurde es schon so oft gelesen, dass es ein wenig zerrupft wirkt.
Die Charaktere sind stark und schön gezeichnet, sind aber nicht vollkommen oder langweilig. Man kann darüber streiten, warum Lijanas sich in einen Mann verliebt, der sich ihr gegenüber nicht unbedingt gut verhält, aber diese Sache ist mir dennoch nie wirklich negativ ins Auge gefallen.
Interessant finde ich, dass gerade Mordan zuerst Interesse zu haben scheint. Wahres Interesse, das über die Musterung des Aussehens hinaustritt.
Im Laufe der Geschichte kommt es mehr als ein Mal zu einem Missverständnis zwischen den beiden Protagonisten und diese haben öfters auch eher unschöne Folgen.
Die Geschichte ist nicht vorhersehbar, doch düster und wunderschön. Unterstützt wird sie von einem sehr guten Schreibstil, der einfach kompetent und kompakt wirkt.
Das Buch richtet sich an die Leser, die Fantasygeschichten lieben und nichts suchen, das sie einfach nur bedröppelt.

Geschrieben von Judith

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Verlagsseite des Buches
„Der Kuss des Kjer“ bei Thalia*

Auch „Seelenkuss“ von Lynn Raven wurde von uns rezensiert.

1 Kommentar zu „Rezension: Der Kuss des Kjer (Lynn Raven)“

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