Rezension: Anita Blake 01 – Bittersüße Tode (Laurell K. Hamilton )

Laurell K. Hamilton - Anita Blake 01: Bittersüße Tode
(Cover Copyright: Bastei Lübbe / Foto Copyright: Das Bambusblatt)

„Bittersüße Tode“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Laurell K. Hamilton erschien bereits am 28. Oktober 2003 im Verlag Bastei Lübbe und stellt den Auftakt zur Anita Blake Serie dar. Erstmals 1993 in den USA veröffentlicht, umfasst die noch nicht abgeschlossene Reihe bisher über 20 Bände, wovon nur 12 auch in Deutschland herausgegeben wurden. Da Band 9, 10 und 12 in jeweils zwei Bücher geteilt wurden, kommen wir hier auf 15 deutschsprachige Veröffentlichungen.
Die Reihe fällt in das Genre des Vampirhorrorromans, vermischt jedoch auch verschiedene Elemente aus anderen Genres.

Anita Blake ist ein so genannter Animator, jemand, der beruflich verstorbene Personen als Zombies wieder zum Leben erweckt, damit ihnen bisher unbeantwortete Fragen gestellt werden können. In ihrer Welt zwar ein seltener, jedoch völlig normaler Job. Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass sie auch Vampire jagt, weswegen sie ebenfalls als Scharfrichter bezeichnet wird.
In „Bittersüße Tode“, dem ersten Band der Reihe, arbeitet sie mit der Polizei zusammen, um eine Reihe von Vampirmorden aufzuklären. Die Menschen sind allerdings nicht die Einzigen, die wissen wollen, wer die stärksten Vampire der Stadt umbringt. Auch die Vampire selbst wollen Antworten und so wird Anita zu Nikolaos, dem über tausend Jahre alten Meistervampir der Stadt, gebracht. Im ersten Moment mag Nikolaos wie ein kleines Mädchen wirken, doch sowohl Anita als auch dem Leser wird schnell klar, dass dieser Schein trügt und man sich vor dem Kind besser in Acht nehmen sollte.
Anita bleibt keine andere Wahl, als den Auftrag anzunehmen, doch die Vampire machen ihr die Aufklärung nicht gerade leicht.

Ich habe „Bittersüße Tode“ zum ersten Mal bereits vor über zehn Jahren gelesen und mochte es damals schon sehr gerne. Leider hatte ich es mir nur ausgeliehen und so bin ich nie über die ersten zwei oder drei Bände hinaus gekommen. Als ich es letztens auf einem Antikmarkt entdeckte, musste ich es einfach mitnehmen, nachdem ich mir die Reihe schon länger mal wieder vorgenommen hatte.
Und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Das Buch hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen.
Es mag an mir liegen, aber ich finde es schwer, vernünftige Vampirromane zu finden, die nicht wie Twilight oder Reihen sind, in denen es sich nur darum handelt, dass der sexy Vampir die Frau bekommt. Anita Blake ist eine sehr gelungene Abwechslung dazu.
Die Geschichte spielt in einer Welt, in der Vampire, Lykanthropen, Zombies und Ghule bekannt sind und die Menschheit sich mit den daraus entstehenden Konsequenzen beschäftigen muss. Alleine das sorgt bereits für interessante Konflikte. Ist es Mord, wenn man einen Untoten tötet? Ist es ein Verbrechen, wenn diese Wesen sich von Menschenblut ernähren? Und wie entscheidet man, ob man ewig leben möchte oder nicht?
Anita jedenfalls ist ganz klar gegen das ewige Leben und hält nicht besonders viel von Vampiren. Dennoch muss sie ihre Ansichten immer wieder neu überdenken und kann auch nicht in jeder Situation eiskalt bleiben. Sie zeigt Gefühle und lernt auch übernatürliche Wesen sowie Menschen, die sich zu Vampiren hingezogen fühlen, zu mögen. Sie hat auch mal Angst und dennoch eine große Klappe. All das macht sie für mich sehr sympathisch und menschlich. Außerdem ist sie sehr sarkastisch, was oft zu humorvollen Gedanken ihrerseits führt.
Auch die anderen Charaktere der Geschichte sind gut gezeichnet und handeln nachvollziehbar. Besonders gefallen haben mir da der Vampir Jean-Claude, der den Vampirclub „Guilty Pleasures“ leitet, und der Mensch Philip. Beides sind sehr interessante Charaktere, aber das trifft eigentlich auf viele Figuren in diesem Buch zu.
Auch Nikolaos hat bei mir einen starken Eindruck hinterlassen und ich konnte absolut nachvollziehen, warum alle anderen solche Angst vor ihr haben.

Der Schreibstil ist locker und flüssig zu lesen und Laurell K. Hamilton macht es einem leicht, in die Geschichte einzutauchen. Was mir auch gut gefallen hat, war die Kapitellänge von etwa zehn Seiten. Da ich gerne ein Kapitel zu Ende lese, bevor ich zum Beispiel schlafe, nerven mich zu lange Kapitel schnell.

Die Geschichte selbst baut sich langsam auf, ohne an einer Stelle langatmig und langweilig zu werden, und nimmt ab der Hälfte richtig Fahrt auf. Meiner Meinung nach schafft die Autorin es, keine unnötigen Szenen einzubauen, den Text und die Handlung dabei aber auch nicht zu knapp zu halten.

Einzig die recht vielen Charaktere und Namen waren für mich zwischenzeitlich verwirrend und manchmal musste ich eine Weile überlegen, wer das nun wieder war.
Und so sehr ich Anitas Sarkasmus mochte, war er mir an manchen Stellen einfach zu viel, wenn eine Seite beinahe nur aus ihren sarkastischen Gedanken bestand.
Das sind aber beides Punkte, über die ich gerne hinweg sehen kann, wenn der Rest – wie in diesem Fall – stimmig ist.

Mein Fazit

„Bittersüße Tode“ ist für mich ein Vampirroman, der sich von den ganzen Klischees abhebt und vielleicht auch etwas für eine ältere Generation als die 16-Jährigen ist. An manchen Stellen brutal, an anderen erotisch und immer mit einer Menge Sarkasmus.
Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich habe mir, bevor ich es beendet hatte, bereits die folgenden Bände gekauft und freue mich sehr darauf. Natürlich kann ich über diese noch nichts sagen, aber wenn ich es nur nach dem ersten Band beurteilen würde, kann ich eine klare Empfehlung aussprechen. Vorausgesetzt, man hat kein Problem damit, die Reihe irgendwann aufzuhören, da zumindest der erste Band in sich abgeschlossen ist und das vermutlich auch für die anderen gilt, oder alternativ auf Englisch weiter zu lesen. Mich hat das jedenfalls nicht abgeschreckt.

Geschrieben von Roberta

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