Rezension: Immer noch wir (Elja Janus)

Elja Janus - Immer noch Wir
(Copyright: FeuerWerke Verlag)

Der Frauen–/ Liebesroman „Immer noch wir“ von Elja Janus, erschienen am 19.03.2019 im FeuerWerke Verlag, erzählt die Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sich als Kinder bereits kannten, bis das Leben sie auseinanderriss, bis sie sich endlich wiederfanden.
Das Buch wurde uns von „vorablesen.de“ zur Verfügung gestellt.

Lina und Joe verstanden sich bereits im Kindergarten sehr gut. Sie wurden beste Freunde und waren einander mehr als vertraut. Wann immer einer von ihnen mit dem Leben haderte, sprang der andere zur Aufmunterung herbei.
Dieses feste Band hat sich auch dann nicht gelöst, als das Leben sie beide trennte. Joes Vater bekam einen neuen Job und als würde das nicht reichen, starb seine Mutter auch noch an Krebs. Der überforderte Vater stürzte sich in die Arbeit und ließ damit seine beiden Zwillingssöhne im Stich. Der eine verlor scheinbar die Fähigkeit zu lieben, der andere verlor sich selbst an Drogen und Alkohol.
Aber auch Linas Leben war nicht immer einfach. Ihr Vater verschätzte sich und brauchte, ohne das Wissen seiner Ehefrau, die gesamten Familienersparnisse auf, was zur Scheidung, Streit und dem Verkauf des gemeinsamen Hauses führte.
Nun, über zwanzig Jahre später, treffen Lina und Joe wieder aufeinander. Sie wissen nicht mehr, wer der andere ist, doch sie wissen, dass sie sich kennen. Und dass zwischen ihnen etwas besteht, dem sie beide auf den Grund gehen wollen.
Und selbst als sie erfahren, wer der jeweils andere ist, wird ihre Bindung nur stärker, obwohl zumindest Joe sich dagegen wehrt.
Aber am Ende kann man sich gegen ein solches Band nicht zur Wehr setzen.

Der Schreibstil ist sehr gut gehalten. Er ist absolut flüssig und gut zu lesen, witzig und konstant. Erzählt wird abwechselnd aus der Ich–Perspektive beider Protagonisten innerhalb eines Kapitels.
Die Geschichte ist sehr schlüssig zu lesen, die Handlung ergibt Sinn und ist wohl mehr oder minder eine klassische Liebesgeschichte, wie man sie überall findet.
So wirkt sich auch mein Gesamteindruck aus. Die Leseprobe hatte mir sehr zugesagt, da sie nicht voller Kitsch war, sondern den Anfang eines guten Buches versprach.
Doch im Laufe des Lesens hat sich mein Eindruck dahingehend verändert. Zwar ist das Buch nach wie vor nicht allzu kitschig, aber auch nichts Neues. Es ist, wie leider zu oft, nicht mehr eine als Ansammlung von Klischees.
Während ich Linas Parts gern gelesen habe, waren Joes einfach nur anstrengend, da er der klassische Protagonist ist. Viel Schlechtes erlebt, nie richtig verliebt gewesen, wehrt sich gegen die Liebe zu ihr, weil er sich nicht verletzen möchte oder nicht gut genug für sie ist. Auch das Drama mit seiner Mutter, seinem Vater und seinem Bruder ist unnötig.
Ich mochte es persönlich auch nicht, dass Lina so ein Schicksal erlitten hat, doch wenigstens jammert sie nicht die ganze Zeit herum.
Klassische Liebesromane basieren immer auf Klischees, aber für mich ist es nicht sehr erfreulich, immer wieder dasselbe Buch zu lesen, nur mit anderen Namen. Ausgezeichneter Schreibstil hin oder her.
Positiv ist, dass es neben den Klischees kaum andere negative Aspekte mehr gibt. Ich habe keine Logikfehler gefunden, der Schreibstil ist sehr gut und die Charaktere sind gut geschrieben.

Mein Fazit lautet also

Für richtige Freunde von Liebesgeschichten wohl genau das Richtige, denn der Schreibstil ist sehr solide gehalten, flüssig und gut runter zu lesen und er verzaubert.
Es ist nicht allzu kitschig, aber schön umschrieben und die Figuren sind stark gemacht und bringen ihre Geschichte gut herüber.
Euch allen kann ich eine absolute Kaufempfehlung geben.
Für Menschen wie mich allerdings ist es nicht das Wahre. Joe jammert mir zu viel und mittlerweile habe ich einfach eine Allergie gegen diese nutzlose Wiederholung von Klischees entwickelt. Ich möchte einfach einmal eine Liebesgeschichte, die mit etwas Neuem erfrischt und nicht auf das Prinzip aufspringt „Charaktere müssen eine schreckliche Vergangenheit haben“. Insoweit ist das zwar in Ordnung, da solche Schicksale nie selten sind. Aber die Protagonisten stellen es so dar, als hätten nur sie solches Leid empfunden.
Es ist nicht schön, die ganze Zeit von Joes Fluchtinstinkt zu lesen, weil er nie eine Frau lieben konnte, seitdem seine Mutter gestorben ist. Bis auf Lina natürlich. Was hier durch das frühere Kennen noch mehr Sinn macht, dennoch aber nicht sein muss.
Auch, dass Lina durch die temporäre Trennung förmlich unfähig wird, glücklich zu sein, erinnert mich eher an diverse Jungendbücher, die voneinander übernommen haben.
Das Sahnehäubchen sind dann die klischeevollen besten Freundinnen, dass Lina ihren Job im Café unbedingt kündigen soll und der Ex-Junkie, der nun glücklich verheiratet ist und seinem Bruder sagt, Lina sei zu wertvoll, als sie einfach „mit Sex zu verschwenden“.

Geschrieben von Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Immer noch wir“ bei Thalia*

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