Rezension: Murder Swing (Andrew Cartmel)

Andrew Cartmel - Murder Swing
(Cover Copyright: Suhrkamp Verlag / Foto Copyright: Das Bambusblatt)

Der Thriller „Murder Swing“ von Andrew Cartmel, der heute, am 11.03.2019, beim Suhrkamp Verlag erscheinen wird, bietet auf 528 Seiten die Geschichte des Vinyl Detektivs und seines ersten großen Falls, in dem er nicht nur eine rare Schallplatte finden, sondern sich auch zum ersten Mal mit Verfolgern und Todesfällen in seiner Umgebung herumschlagen muss.
Das Buch wurde mir via Vorablesen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Er, der für den Leser namenlose, Vinyl Detektiv ist nicht nur ein wirklicher Kenner der Jazzszene und ein armer Schlucker mit zwei Katzen, er wird auch eines Tages darum gebeten, eine wirklich seltene Platte ausfindig zu machen und für eine große Summe zu seinem verdeckten Auftraggeber zu bringen.
Dabei immer an seiner Seite ist seine neue Bekannte und Mittelsfrau in der Sache, Nevada.
Zunächst scheint die Sache nicht mehr als eine ziemlich aussichtslose Suche mitten in London, doch schon sehr bald stellt sich heraus, dass der Fall blutiger Ernst ist und unser Detektiv sich nicht nur an neue Lebensumstände gewöhnen, sondern auch über sich selbst hinauswachsen muss.

Der Stil des Buches ist besonders gehalten, wenn auch nicht absolut rar.
Zunächst einmal ist das Werk, wie es sich für einen musikalischen Thriller, bei dem die Schallplatten im Vordergrund stehen, gehört, in Seite A und Seite B unterteilt. Diese wiederum wurden in Kapitel und Absätze gefächert.
Die Kapitel haben dabei einen Titel, was ich seltener bei Erwachsenenbüchern sehe, die teils einen kleinen Spoiler abgeben.
Geschrieben ist das Ganze aus der Ich-Perspektive des Detektivs. Die Sicht wechselt nicht ein Mal auf einen anderen Charakter. Da die anderen Figuren den Protagonisten nur mit Spitznamen ansprechen, erfährt man nicht einmal durch die Visitenkarte seinen Richtigen. Auch von seinem Aussehen ist bisweilen recht wenig bekannt, außer, dass er schlaksig ist und anscheinend ein Durchschnittsaussehen vorweisen kann.
Dass es sich um einen männlichen Protagonisten handelt, wird nicht nur durch die Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches bekannt, sondern auch durch viele verschiedene Bemerkungen. Vor allem aber der, harmlose, Kommentar von Nevada auf dem Fahrrad der homosexuellen Nachbarin bringt in dieser Situation mehr als deutlich rüber, dass der Protagonist ein Mann ist.
Die Tatsache, dass man selber zwar mit den Gedanken der Figur verbunden ist, ansonsten aber kaum etwas über ihn weiß, fand ich in diesem Fall sehr gut gemacht.
Die Sprache ist einfach gehalten, allerdings sehr durchsetzt mit Fachbegriffen und Namen der Jazzszene und auch die Anzahl der erwähnten Personen ist hier und da ein wenig unübersichtlich.
Dafür werden die Rolling Stones oft erwähnt, die selber zwar keinen reinen Jazz spielen, doch aus den Blues- und Jazzwurzeln entstanden. Mich als großen Fan hat es sehr gefreut. Vor allem, da ein Nebencharakter ein sehr großer Stonesfan ist.
Ich muss bei der Sprache zwar hier und da ein paar Abzüge machen – unglücklich gewählte Ausdrücke und vor allem sind die Dialoge oft durch Absätze oder fehlende Bestimmung, wer sich gerade äußert, unübersichtlich, sowie die Dialoge oft gelöst wurden mit „Ich/Sie/Er sagte:“ – aber allgemein ist die Sprache sehr flüssig und einfach gestaltet und schnell zu lesen. Ich habe das Buch fast komplett am ersten Tag gestern verschlungen und die knapp über hundert Seiten, die noch gefehlt haben, heute Morgen direkt gelesen.
Allerdings muss ich zugeben, dass sich der Endteil ab einem gewissen Punkt ein wenig gestreckt hat. Und manche Szenen dagegen allgemein sehr schnell abgehandelt waren.
Der Autor hat das ganze Buch über immer wieder spannende Kleinsituationen eingebracht, die teils wirklich zu einer „Katastrophe“ wurden und teilweise einfach nichtig waren.
Leider hat er für die Spannung oft einen Absatz hineingebracht, der völlig unsinnig war. Das, was bei einem Folgenende die Zuschauer auch nächste Woche an den Bildschirm gebracht hätte, war hier eine Zeile weiter gelöst.
Allerdings hatte er damit auch den Spannungsbogen aufgebracht, dass man nie wusste, ob nun etwas gut oder schlecht ausgegangen war. Wobei ich zugeben muss, dass die Verfolger meiner Meinung nach ein wenig zu gut waren und zu oft den Spielball in die Hand bekamen. Auch empfand ich es als ein wenig unglücklich, dass die beiden blonden Gegner von den Protagonisten als „arische Zwillinge“ Heidi und Heinz bezeichnet wurden.
Aber auch wenn sich, wie gesagt, das Ende ein wenig gezogen hat, so war der Spannungsbogen an sich die ganze Zeit über da und wurde mit viel Witz, Sachwissen und einem lockeren Schreibstil bis zum Ende durchgehalten.
So hat sich mein Eindruck von der Leseprobe, der schon sehr gut war, noch verbessert. Ich bin sehr froh, dass ich Murder Swing gewonnen habe und werde mir die weiteren Teile ebenfalls zulegen, sobald sie im deutschen Raum zu haben sind.

Mein Fazit

Ich kann Murder Swing absolut empfehlen.
Es ist eine spannende und faszinierende Geschichte. Vielleicht sollte man sich eher für die Musikgeschichte interessieren, denn ansonsten wird man ein wenig von den Begriffen erschlagen. Allgemein kann ich das Buch allerdings jedem empfehlen, denn die Story an sich ist unglaublich interessant, selbst wenn man kein großer Schallplatten- oder Jazzfreund ist.
Die Figuren könnten ein wenig tiefer sein, manche Szenen langsamer abgehandelt werden und der Schlussteil zieht sich ein wenig.
Doch das alles reicht als Kritikpunkte nicht aus, um das Buch, das sich hinter dem absolut bezaubernd schönen Cover verbirgt, schlecht zu reden. Es kostet im Suhrkampverlag rund 10€, was heutzutage für ein Buch mit über 500 Seiten leider selten zu sein scheint. Diese 10€ ist es mehr als absolut wert.
Genau das Richtige, um dem gemütlichen Nachmittag zu Hause zu frönen oder einen regnerischen Tag im Trockenen zu verbringen. Spannend, voller Wendungen und Überraschungen.
Klare Empfehlung. Ich bin auf die nächsten Bände mehr als gespannt.

Geschrieben von: Judith

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Murder Swing“ bei Thalia*

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