Rezension: Lola (Melissa Scrivner-Love)

Melissa Scrivner-Love - Lola
(Cover Copyright: Suhrkamp Verlag / Foto Copyright: Das Bambusblatt)

„Lola“ ist der Debütroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Melissa Scrivner-Love, der heute, den 11. März 2019, im Suhrkamp Verlag erscheint.

Lola ist der Name der Protagonistin, einer 26-jährigen Latina, die in Huntington Park, einem Viertel von Los Angeles, lebt. Nicht nur ist sie Mitglied der kleinen Drogenbande Crenshaw Six – nein, sie ist vor allem deren Anführerin. Was außerhalb der Bande jedoch niemand weiß.
Sie möchte sich selbst und ihren Leuten mehr Respekt und ein größeres Territorium verschaffen, stößt dabei jedoch auf einige Hindernisse, die alles andere als leicht zu überwinden sind.
So wird einem ein interessanter Einblick in das Leben einer jungen Frau gewährt, die nach außen hin nicht zeigen kann, wer sie wirklich ist, und dabei doch immer um die berechtigte Anerkennung kämpft.
Alleine schon diese Gratwanderung erschwert ihr Vorhaben, muss sie doch immer die Balance halten zwischen Sicherheit und sich und ihre Taten zur Schau stellen.

Lola ist ein sehr starker, weiblicher Charakter, der in meinen Augen absolut nicht austauschbar ist. Die Geschichte ist in der personalen Ich-Perspektive erzählt, wodurch man sehr nah an ihren Gedanken und Sorgen ist. Wie schon das Zitat von Publishers Weekly unter dem Klappentext verspricht, ringt Lola einem tatsächlich gleichermaßen Furcht, Respekt und Bewunderung ab. Sie schreckt vor gewissen Dingen nicht zurück, zeigt dem Leser gleichzeitig aber auch eine verletzliche Seite.
Sicherlich wäre sie keine Person, mit der ich im realen Leben würde zu tun haben wollen, doch als Buchcharakter ist sie mir über die Seiten sehr ans Herz gewachsen.

Ich habe dieses Buch als Rezensionsexemplar bei Vorablesen gewonnen, nachdem mich schon das Cover sofort angesprochen und neugierig gemacht hat. Es ist unheimlich schön und vor allem sehr stimmungsvoll und passend zur Geschichte designed.
Auch die ersten beiden Kapitel, die ich als Leseprobe genießen konnte, haben mir auf Anhieb gefallen. Es mag mit einer etwas klischeehaften Szene beginnen, aber meiner Meinung nach braucht es manchmal Bilder, die dem Leser vertraut sind, um ihn in die richtige Atmosphäre für die Geschichte zu versetzen. Und diese besagte Szene ist vielleicht klischeehaft, aber ebenso alltäglich.

Eigentlich fällt „Lola“ nicht in mein bevorzugtes Genre, doch es hat mir beim Lesen sehr viel Spaß bereitet. Man merkt zwar, dass es der Debütroman der Autorin ist, aber das ist völlig in Ordnung, finde ich. Man merkt auch, dass sie sehr viel Potential hat.
An manchen Stellen ist der Satzbau etwas wirr und ich musste zwei Mal lesen, um ihn zu verstehen, im Großen und Ganzen ist der Schreibstil jedoch recht locker gehalten und angenehm zu lesen.
Mein größter Kritikpunkt ist wohl, dass Lola sich in der ersten Hälfte der Geschichte zu oft wiederholt und einem dieselben Dinge aus ihrer Vergangenheit immer wieder und wieder erzählt. Allgemein besteht vor allem die erste Hälfte sehr viel aus innerem Monolog, ehe die Handlung richtig in Fahrt kommt, was wohl aber auch daran liegt, dass Lola eben ein recht stiller, dafür aber überlegter und analysierender Charakter ist.
Sie handelt für den Normalbürger vielleicht nicht an allen Stellen nachvollziehbar, innerhalb der Geschichte allerdings immer authentisch.
Auch die Nebencharaktere sind mir durch Lolas Zuneigung mit der Zeit wichtig geworden. Deren Persönlichkeiten und Geschichten wurden auch alle gleichmäßig angerissen, was im Grunde schon mal positiv ist, ich hätte allerdings gerne noch mehr über sie erfahren.

Als ebenfalls Schreibende gefällt mir das Ende wirklich gut, aus Lesersicht hätte ich es mir ein bisschen anders gewünscht.

Mein Fazit

So oder so bin ich aber sehr gespannt auf die Fortsetzung „Lola: American Heroin“, die 2020 erscheinen soll, und kann „Lola“ damit nur eindeutig weiterempfehlen. Mit knapp 400 Seiten hat man das Buch auch recht schnell durch. Es ist vielleicht nicht unbedingt so leichte Kost, lässt sich aber dennoch gut zwischendurch lesen. Oder eben auch an einem Stück.

Geschrieben von Roberta

Linksektion

Verlagsseite des Buches
„Lola“ bei Thalia*

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